Gender-Ideologie durch die "Orientierungshilfe Familie" als Hintertür in die EKD?


01.10.13

Gender-Ideologie durch die "Orientierungshilfe Familie" als Hintertür in die EKD?

Die Kritik von Altbischof Wolfgang Huber zum Familienpapier der EKD verdeutlicht, weshalb das Papier auf massive Kritik stoßen muss, die nicht einfach kommunikativ behoben werden kann

(MEDRUM) Die Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat mit der Orientierungshilfe zum Thema Familie ein Papier herausgegeben, das nicht dem Auftrag entsprach, den die Kommission ursprünglich erhalten hatte. Dies geht aus einem Gespräch des ehemaligen Ratsvorsitzenden der EKD, Altbischof Wolfgang Huber, mit dem rbb hervor. Die Abweichung vom Auftrag hat Vorstellungen, wie sie in der herrschenden Gender-Ideologie vertreten werden, durch die Orientierungshilfe in der EKD Tür und Tor geöffnet.

Ursprüngliches Ziel: Ehe und Familie sozial und kulturell zu stärken

Bischof Huber machte im Gespräch mit dem rbb keinen Hehl daraus, dass er mit dem Familienpapier des Rates der EKD "Zwischen Autonomie und Angewiesenheit" nicht glücklich ist. Es wäre besser gewesen, so Huber, die Kommission hätte sich auf den ursprünglichen Auftrag beschränkt, den sie erhalten hatte. Huber hebt hervor, dass es Auftrag der Kommission war, "praktische Initiativen zu beschreiben und zu unterstützen, die das Ziel haben, Ehe und Familie sozial und kulturell zu stärken." Doch die Kommission, die von der ehemaligen SPD-Ministerin Christine Bergmann geleitet wurde, tat offenkundig wenig, um gerade die Lebensform der Ehe und den mit ihr untrennbar verbundenen Wert der lebenslangen Treue zwischen Mann und Frau zu stärken.

Orientierungshilfe will neue normative Orientierung setzen

Herausgebracht hat die Kommission des EKD-Rates etwas anderes, nämlich ein Papier, das eine neue normative Orientierung der Vielfalt für Lebensformen vorgeben will. Die Autoren sagen in ihren Empfehlungen (Orientierungshilfe, S. 141), die "Kirche ist aufgefordert, Familie neu zu denken und die neue Vielfalt von privaten Lebensformen unvoreingenommen anzuerkennen und zu unterstützen. Diese Anerkennung ist nicht lediglich als Anpassung an neue Familienwirklichkeiten zu verstehen, sondern als eine normative Orientierung." Von Ehe und Familie und einer besonderen Bedeutung der Ehe ist hier also nicht die Rede. Der Ehe wird sogar der Anspruch auf eine Leitbildfunktion abgesprochen. Die Autoren schreiben an vorderer Stelle (Orientierungshilfe, S.13): "Ein normatives Verständnis der Ehe als »göttliche Stiftung« und eine Herleitung der traditionellen Geschlechterrollen aus der Schöpfungsordnung entsprechen nicht der Breite des biblischen Zeugnisses."

Huber: Auf der Ehe beruhende Familie genießt Vorrang

InImage seinem Gespräch mit dem rbb widerspricht Huber den normativen Vorstellungen der Autoren des Familienpapiers und tritt ihrem Anspruch entgegen: "Diese Position hat nun keinen Anspruch darauf, einen Alleinvertretungsanspruch innerhalb des evangelischen Eheverständnisses für sich geltend zu machen." Hubers Verständnis von der Ehe und ihrer ethischen Bedeutung ist ein anderes.  In seinem neuen Buch "Ethik" (Bild links) schreibt Huber: "Mann und Frau werden füreinander als Gegenüber und wechselseitige Hilfe geschaffen Die auf der Ehe beruhende Familie genießt nicht nur einen rechtlichen, sondern auch einen ethischen Vorrang.“ Die gegensätzlichen Positionen sind verständlich, denn zu den Autoren des Familienpapiers gehört die Stellvertretende Kommissionsvorsitzende und feministische Soziologieprofessorin Ute Gerhard, die schon vor der Jahrtausendwende die Forderung stellte, die Ehe ad acta zu legen. Sie schrieb beispielsweise 1997 einen Aufsatz mit dem Titel: "Das Konzept der Ehe als Institution – eine Erblast im Geschlechterverhältnis“, in dem sie, so der rbb, im Grunde fordert, den Begriff der Ehe als Institution Gottes zu den Akten zu legen. Huber bestätigt, dass sich diese Vorstellung in der Orientierungshilfe niedergeschlagen hat: Diese Auffassung, so Huber im rbb, komme an mehreren Stellen des Textes der EKD-Kommission zum Ausdruck.

Autorin des Familienpapiers: Geschlechtsbedingte Unterschiede sind sozialisationsbedingt

Auch bei der Präsentation des Familienpapiers am 19. Juni 2013 ging die Soziologin Ute Gerhard auf Distanz zur Ehe. Die Lehre von der Ehe habe bis in die jüngste Vergangenheit dazu gedient, patriarchale Vorrechte des Ehemannes und die "Gewalt" des Vaters über die Kinder zu stützen, so Gerhard. Für sie muss - wie in der Gender-Ideologie - das soziale Geschlecht die Rolle einer zentralen Kategorie einnehmen. Gerhard vertrat bereits Anfang der 1990er Jahre Positionen, die mit zentralen Dogmen der Gender-Ideologie in Übereinstimmung stehen. Das Geschlecht müsse wie die Klasse oder Schicht eine der zentralen Strukturkategorien in der Wissenschaft sein. Ob jemand als Mann oder Frau geboren werde, bestimme schließlich sein Dasein wie kaum eine andere Bedingung, so die Sozialwissenschaftlerin 1991 in der ZEIT. Sie zitierte dabei Friedrich Schlegel: „Die Männlichkeit und die Weiblichkeit, so wie sie gewöhnlich genommen und getrieben werden, sind die gefährlichsten Hindernisse der Menschlichkeit.“ Bezogen auf die Emotionalität von Frauen meinte sie, solche geschlechtsbedingten Unterschiede hätten nicht etwa natürliche Ursachen, sondern seien sozialisationsbedingt. Mit diesem Dogma steht Gerhard im diametralen Gegensatz zur Schöpfung des Menschen und seiner Wesensunterschiede als Mann und Frau sowie zum biblisch-theologischen Geschlechterethos. Der weltweit angesehene Naturrechter Wolfgang Waldstein sagte zu den Wirkungen der Gender-Lehre, dabei gehe es um "eine geistige Zerstörung von ungeheurem Ausmaß". Der Philosoph Harald Seubert zeigt im Buch "Vergewaltigung der menschlichen Identität - Über die Irrtümer der Gender-Ideologie" auf, dass diese Lehre zu einer Vergewaltigung der menschlichen Identität führt.

Nicht Missverständnisse und Kommunikationsdefizite, sondern Gegensätze

Die Gegensätzlichkeit zwischen gender-ideologischen Dogmen und dem sowohl biblisch wie anthropologisch begründeten Geschlechterethos spiegelt sich zwangsläufig in den Aussagen der Orientierungshilfe zur Ehe und Hubers darauf bezogener Kritik wider. Ob dieser Gegensatz mit einer ergänzenden Stellungnahme des Rates der EKD, der als Interpretationsrahmen dienen könnte, um Missverständnisse auszuräumen, wie es der Theologe Härle beim Theologischen Symposium in Berlin am 28. September 2013 empfohlen hat, muss bezweifelt werden. Denn letztlich handelt sich nicht um Missverständnisse (Härle) oder Kommunikationsdefizite (Präses Schneider), sondern gegeneinander stehende normative Orientierungen, die tiefgreifende Auswirkungen in das menschliche Sein und gesellschaftliche Ordnungstrukuren haben. Darüber können auch Relativierungs- und Beschwichtigungsversuche nicht hinwegtäuschen. Es ist Altbischof Hubers Kritik zu verdanken, dass diese Gegensätze offen zu Tage treten. Auch wenn es der Spitze der EKD nicht gelegen sein dürfte, drängt sich die Frage auf: Müsste nicht gerade die Kirche wissen, dass sie nicht zwei Herren zugleich dienen kann?


Buchempfehlungen zum Themenkreis:

→ Vergewaltigung der menschlichen Identität - Über die Irrtümer der Gender-Ideologie

Gehirnforscher Manfred Spreng und Religionsphilosoph Harald Seubert zerlegen
das Konstrukt des Gender Mainstreaming


 ... und schuf sie als Mann und Frau

Ein Beitrag zur Debatte um das neue Pfarrdienstgesetz
der Evangelischen Kirche in Deutschland.


→ Häresie – Aufstand des Zeitgeists gegen Gottes Ordnung

Ein Aha-Erlebnis besonderer Art zum Thema Glauben und rechte Lehre


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Leserbriefe

EKD sollte das Werk einstampfen

Wann begreifen diese Gender-Theoretiker endlich, das ihre Theorie durch den Reimer-Money Fall widerlegt ist. Reicht nicht eine kaputte Familie und zwei Selbstmorde, um zu erkennen, das Gender eine wirre Theorie von verrückten Wissenschaftlern ist? Gender Mainstreaming widerspricht eindeutig Gottes Wort. Will die EKD nicht den Rest ihrer Glaubwürdigkeit verspielen, muss sie dieses biblisch unfundierte Werk einstampfen.

Gender, rainbow & Co

Ich lese Ihre Artikel sehr gerne, komme aber nicht dazu alles zu lesen. Was mir auffällt, ist, dass all die Probleme die Ihr habt mit Gender, Grüne und Pädophilie, rainbow-cty, usw., dass die bei uns fast nicht existieren (Westschweiz, kath. Kirche), auf alle Fälle nicht in so einem Ausmass und in so einer aggressiven Weise.
Ich habe mir die Frage gestellt: "Warum ist das bei Euch so stark vorhanden und bei uns mehr oder weniger nicht ?" Ich denke, dass ein entscheidender Punkt für eine plausible Antwort in der Wahl der Verantwortlichen liegt. Wer wählt denn all diese Leute, die unserer Kirche die christliche Substanz nehmen will und durch allerlei Ideologie ersetzen will? Und wer wählt die Leute, die wählen können/dürfen?
Ich bin sehr froh, dass die kath. Kirche keine Demokratie ist, wo alles nur durch geht mit einer Mehrheit. Und trotzdem gibt's Demokratie und Anhörung aller in der kath. Kirche, aber eben nicht um wesentliche Glaubensfragen, die dem Evangelium treu bleiben wollen/müssen. Dazu brauchen wir die Hirten, die das Gute unbedingt bewahren müssen.
Liebe Segensgrüsse !
http://www.renouveau.ch