Verführerischer Totalitarismus unter weicher Außenhaut


02.09.2013

Verführerischer Totalitarismus unter weicher Außenhaut

Zum Opus magnum von Gabriele Kuby: „Die globale sexuelle Revolution. Zerstörung der Freiheit im Namen der Freiheit"

von Harald Seubert

(MEDRUM) Vor einem Jahr erschien Gabriele Kubys neuestes Buch: „Die globale sexuelle Revolution. Zerstörung der Freiheit im Namen der Freiheit”. Das Werk wurde bereits in vier Sprachen übersetzt (Polnisch, Kroatisch, Slowakisch, Ungarisch). Eine Übersetzung in das Englische steht bevor (auch in das Ukrainische). Für das Forum Deutscher Katholiken waren die Erkenntnisse von Gabriele Kuby Anlass, beim Kongress "Freude am Glauben" am Samstag in Augsburg eine Resolution zum Ende von Gender-Mainstreaming zu verabschieden. Das Buch hat also nichts an Aktualität verloren, sondern eher gewonnen, auch wenn die deutschen Mainstream-Medien es offenbar immer noch totzuschweigen versuchen.

Zielvoll ins Werk gesetzte Frühsexualisierung

ImageMit ihrem neuesten Werk (Bild links) hat Gabriele Kuby ihr bisheriges Opus magnum vorgelegt. Es verbindet eine eindrucksvolle Vergegenwärtigung der personalen christlichen Menschenwürde in ihrer leiblichen und erotischen Dimension mit einer umfassenden und vorzüglich dokumentierten Darstellung der Strategien und Aktivitäten jener globalen sexuellen Revolution, in deren Sturm wir uns meist unwissend befinden. Wie Kuby im Untertitel richtig akzentuiert, handelt es sich um eine Zerstörung der Freiheit im Namen der Freiheit. Das Gender-Mainstreaming hat sich in Verbindung mit Ministerien und Internationalen Organisationen schleichend und wie eine Selbstverständlichkeit durchgesetzt. Allein im universitären Rahmen sind horrende Summen für einschlägige Forschungsprojekte investiert worden. Nicht wenigen jungen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen sind jene Denkschablonen zur Selbstverständlichkeit geworden. Kuby weist darauf hin, dass hier nichts anderes vorliegt als die Fiktion der neuen Kleider des Kaisers, der eigentlich nackt ist. Freilich ist Gender Mainstreaming alles andere als ein nur akademisches Phänomen: Es dringt in erschreckendem Ausmaß in die Erziehung ein, es infiltriert Kindergärten und Kinderzimmer. Dieser erschreckenden, zielvoll ins Werk gesetzten Frühsexualisierung kann nur eine Aufklärung begegnen, die dieses Buch in umfassender Weise leistet.

Pervertierung von Menschenrechten

Gabriele Kubys Urteile sind hervorragend begründet und dokumentiert, und sie lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Die Mehrfachkompetenz der Soziologin und Publizistin bewährt sich in eindrucksvoller Weise. Kuby verweist eingangs zu Recht darauf, dass die sexuelle Deregulierung den Schein einer ‚brave new world' erzeuge, unter deren weicher Außenhaut sich ein neuer, verführerischer weicher Totalitarismus verbirgt, deImager nichts und niemanden aufkommen lässt, der seine Prämissen nicht teilt.

Kuby zeichnet mit sicherer Feder die lange Vorgeschichte: sie reicht von der Eugenik-Bewegung über die geistige Wurzel des Marxismus, der Psychoanalyse, mit der Studentenrebellion von 1968, die die Autorin selbst miterlebt hat. Sie zieht aber auch sehr klar und hilfreich die Linien aus, die von einem – im Kern legitimen – Kampf um die Gleichberechtigung der Frau zum militanten Feminismus und von dort zu der entwurzelnden rein konstruktivistischen Gender-Ideologie führten, deren bekannteste Exponentin weltweit heute Judith Butler ist.

Kuby zeigt sodann detailliert, dass die Globalisierung der sexuellen Revolution ohne eine enge Verbindung mit den Vereinten Nationen nicht denkbar gewesen wäre. Sie vollzieht sich zunächst unter dem rationalen Schirm der Bevölkerungskontrolle, erfährt mit der Pekinger Weltfrauenkonferenz 1995 einen Durchbruch und erweist sich letztlich als Pervertierung jener Menschenrechte, die auf der unteilbaren, in der Gottebenbildlichkeit des Menschen gründenden menschlichen Würde beruhen. Ein besonders wirksames und letztlich infames Instrument bilden die Yogyakarta-Prinzipien, entworfen von einer Gruppe von „Menschenrechtsexperten”, die in keiner Weise autorisiert waren, aber bis heute unter dem Schleier der UN-Autorität eine in der Öffentlichkeit diskursbestimmende Wirksamkeit entwickeln. Keine Art sexueller Perversion ist im Sinn dieser ‚Grundsätze’ ausgeschlossen, und jeder moralische Anspruch an die Gestaltung der Sexualität wird als ‚Diskriminierung’ begriffen. Diese Prinzipien implizieren in ihrer Fortwirkung einen taktisch strategischen Werkzeugkasten für die Homosexuellen-Lobby (LGBTi-people), namentlich dies, dass sie im Namen der Freiheit und des emanzipierten Umgangs mit Menschenrechten auftreten sollten.

Gelenkte Sprache unter dem Instrumentarium der "Political correctness"

Bis heute geschieht jene Mimikry im Sinn einer höheren immanenten Moral mit großem Erfolg. De facto wird eine Privilegierung dieser Personengruppe ins Werk gesetzt, der kaum etwas entgegengesetzt werden kann. Die Europäische Union figuriert dabei, wie ein eigenes Kapitel zeigt, als Laboratorium für die Weltgesellschaft. Die Mitwirkung auf den verschiedenen Ebenen der Generaldirektorate und dann des Parlamentes wird von Kuby eindrücklich gezeichnet.

Differenziert analysiert Kuby auch die Gender-Revolution an der Basis, das „Gendering" so grundlegender Bereiche wie Justiz, Pädagogik und Wissenschaft. Man kann dem neuen ideologischen Schleier kaum mehr entrinnen. Er breitet sich wie ein Mehltau über die Gesellschaft. Sehr wichtig scheint mir, dass Kuby den Finger auf die Sprache legt. Wo Sprache nicht mehr stimmt, wo sie lügenhaft umgebrochen wird, sind die eisernen Bande der Propaganda absehbar, die aus den totalitären Höllen des 20. Jahrhunderts nur allzu bekannt sind. Feminisierende Sprache ist längst nicht mehr der – ungelenk harmlose – Versuch einer ‚gerechteren' Sprache. Sie ist gelenkte Sprache unter dem Instrumentarium der ‚Political correctness'.

Depression, Suzid und Zunahme sexuell übertragener Krankheiten

In beklemmenden Abschnitten zeigt Kuby, welche Entwürdigung und Zerstörung des personalen erotischen Verhältnisses aus einer dammbruchartig einsetzenden Pornografie und der Vergleichgültigung der sexuellen Lebensstile resultiert, einem infamen ‚Anything goes'. Menschen werden zu psychischen Wracks, die zu einem erfüllenden Leben schlechterdings nicht in der Lage sind. Deutlich wird dabei auch, dass die Päderastie-Skandale Folgen jener sexuellen Revolution sind, die noch immer als ‚Befreiung' aus der ‚Zwangsheterosexualität' bejubelt werden. Bis weit in die kirchliche Sexualerziehung hinein reicht die Welle. Gerade Christen wäre indes eine scharfe Urteilskraft abverlangt, eine katechontische Grenzziehung, doch oftmals jagen sie vielmehr den Zeitgeistern hinterher. Das bedrückendste Kapitel des Buches (XII) schildert im einzelnen die Dimensionen der Sex-Erziehung in Schulen und Kindergärten, mit wiederum gravierenden Folgen: sie reichen von Depression und Suizid bis zur rapiden Zunahme sexuell übertragener Krankheiten.

Reduktion des Menschen auf ein bloßes Trieb- und Bedürfniswesen

Gabriele Kuby denkt aus einer Freiheit, die im christlichen Glauben wurzelt. Sie ist in ihrem eigenen Leben einen überzeugenden und beeindruckenden Weg gegangen. 1997 wurde sie katholisch. Diese Vita ist wohl eine Voraussetzung dafür, dass sie die Kraft der Menschenwürde im Licht des Naturrechts und der Gottebenbildlichkeit so überzeugend, strahlend und neu bezeugen kann, wie man es sonst kaum findet. Dies zeigt sich eindrucksvoll in der Erinnerung an eine Theologie des Leibes bei Papst Johannes Paul II., in der die Komplementarität der Geschlechter als Formkraft des Lebens: Askesis im besten Sinne, und keinesfalls als eine leib- und schönheitsfeindliche Hinterwelt beschworen wird. Allen Staatsaktionen der globalen sexuellen Revolution ist nämlich eines gemeinsam: die Banalisierung der Liebe und die verachtende Reduktion des Menschen auf ein bloßes Trieb- und Bedürfniswesen. ‚Pointless' sei er, ohne Höhepunkt, und keineswegs Ziel der Schöpfung: so meinen es die neuen Atheisten.

Auflösung von Liebe, Verbindlichkeit und Familie

Gabriele Kuby fordert an mehreren Stellen des Buches explizit ein Ende der globalen sexuellen Revolution. Dem direkten Appell, den sie im Nachwort an ihre Leser richtet, kann man sich nur anschließen. Niemand, der jenen Staatsstreich vollzieht, kann sich auf Barmherzigkeit und Toleranz beziehen. Ganz im Gegenteil: Intoleranz und Diskriminierung ist seitens der militanten Homosexuellen-Bewegungen an der Tagesordnung. Wer sich ihnen entgegensetzt, hat Sanktionierungen und Diskriminierungen zu gewärtigen. Auch darauf weist Gabriele Kuby in aller wünschenswerten Deutlichkeit hin; ebenso wie auf die manipulative Umgangsweise im Zusammenhang der neuen sexuellen Revolution.

Kulturrevolutionen greifen tiefer ein als jede andere Form der Revolution. Noch tiefer sind anthropologische Revolutionen, die in der Tat eine neue Weltordnung begründen können: Die Auflösung von Liebe, Verbindlichkeit, Familie.

Es gilt daher, auf das Gewissen zu hören und auf die ihm eingeschriebene ewige LEX AETERNA.

Diesem Buch sind viele Leser zu wünschen. Es hat das Format, zu einem Umdenken zu führen, das dringend erforderlich wäre.

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Weitere Information über das Buch von Gabriele Kuby und porto- und versandkostenfreie Bestellmöglichkeit:

→ „Die globale sexuelle Revolution. Zerstörung der Freiheit im Namen der Freiheit".


Erstveröffentlichung von Seuberts Rezension in der Zeitschrift DIAKRISIS (Dezember 2012). DIAKRISIS wird von der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften (IKBG) herausgegeben und erscheint vierteljährlich. Sie setzt sich mit Geistesströmungen in Kirche, Politik und GImageesellschaft auseinander und informiert über Ereignisse aus der Weltchristenheit und den Bekennenden Gemeinschaften. DIAKRISIS wendet sich an Theologen und Theologiestudenten sowie engagierte Laien. Im Zentrum der aktuellen Ausgabe von Diakrisis (Bild links) steht das Thema Mission, vor allem der „Tübinger Pfingstaufruf – Weltevangelisierung oder Weltveränderung? Aufruf zur Erneuerung des biblisch-heilsgeschichtlichen Missionsverständnisses“, der in der ausführlichen Langfassung abgedruckt und der als Kurzfassung dem Heft beigelegt ist. Das Heft enthält auch einen Beitrag von Harald Seubert zum Thema "Theologie der Religionen und die Aktualität der Missionswissenschaft". Für das Jahr 2013 sind fünf Ausgaben von Diakrisis vorgesehen.

( → Probeheft oder Jahresabonnement ).

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Prof. Dr. Harald Seubert

Harald Seubert war zwischen 2006 und 2012 Hochschullehrer an der Adam Mickiewicz-Universität Posen und ist seit September 2012 Professor und Fachbereichsleiter für Philosophie und Religionswissenschaft an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel.

ZuImage seinen jüngsten Veröffentlichungen gehören: Zwischen Religion und Vernunft. Vermessung eines Terrains, Baden Baden 2013 (Bild links); Jenseits von Sozialismus und Liberalismus. Gräfelfing 2010; Religion. Eine Einführung. München 2009.

Seubert ist einer der beiden Hauptautoren des Buches Vergewaltigung der menschlichen Identität - Über die Irrtümer der Gender-Ideologie. Erhellend ist seine Analyse und Kritik der verschiedenen Denkansätze der Gender-Konzeptionen. Er bilanziert: "Die Mittel der Wissenschaft erweisen die Unhaltbarkeit der Gender-Ideologie. Es wird erkennbar, ‚dass weite Teile modischer Diskurse und machtvoller Eingriffe in die Natur des Menschen letztlich einem Popanz folgen und der Kaiser nackt ist. Die Haltlosigkeit korreliert freilich mit der Gefährlichkeit der Gender-Ideologie.’ " Mitautor ist Seubert ebenso in dem neu erschienenen Buch "Häresie - Aufstand des Zeitgeists gegen Gottes Ordnung".


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Leserbriefe

Wo sind die anderen?

Es ist nur zu wünschen, dass mehr Aktivisten aus dem christlichen Umfeld Farbe bekennen und die Stimmen lautstark erheben. Das Erstarken der verdrehten Gender-Ideologie ist auch dem Schweigen der Kirchen zu verdanken. Dabei geht es hier um die Verteidigung grundlegender Menschenrechte nach freier und schöpfungsgerechter Entfaltung der Persönlichkeit.