Wer hat schon Angst vor evangelikalen Terroristen?

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22.10.09

Wer hat schon Angst vor evangelikalen Terroristen?

Wider die bösartige Gleichsetzung von Evangelikalen und islamistischen Terroristen

von Thomas Schirrmacher

(MEDRUM) Trotz pausenloser Horrormeldungen über den Islamismus, werden wir – zu Recht – immer wieder daran erinnert, ja erinnern selbst immer wieder daran, dass man Islamisten und friedliche Muslime auseinander halten muss. Nicht so bei friedlichen Evangelikalen. Da reichen ARD und ZDF ein vermeintlich negatives Beispiel, um zig Millionen - zu Unrecht - in Sippenhaft zu nehmen!

Innerhalb von drei Tagen fand ich folgende wahllos herausgegriffenen Meldungen über Islamisten, die parallel in fast allen großen Medien Deutschlands veröffentlicht wurden:

  • In der pakistanischen Hauptstadt Islambad hat ein islamistischer Selbstmordattentäter durch einen Bombenanschlag auf das örtliche Hauptquartier des Welternährungsprogrammes vier UN-Angestellte getötet.
  • Islamisten haben einen Tag lang das Hauptquartier der pakistantischen Armee durch Beschuss und Geißelnahme lahmgelegt. 30.000 pakistanische Soldaten versuchen nun, gegen Islamisten vorzugehen und die Schande wieder gut zu machen.
  • Ein einstündiges deutschsprachiges Video einer mit Al-Kaida verbundenen islamistischen Gruppe, in dem mehrere deutsche und deutschsprachige Islamisten Deutschland drohen, zeigt im Hintergrund Bilder aus den Terrorcamps, auf denen sich auffällig viele blonde oder europäisch wirkende Kinder befinden.
  • Im Jemen kämpft die Regierung einen verzweifelten Kampf gegen das islamistsiche Netzwerk Al-Kaida, dass Jemen zu seiner neuen Hauptzentrale ausbauen will. Obwohl sich hier die Zukunft des islamischen Terrorismus entscheiden könnte, fehlt Jemen die internationale Unterstützung.
  • In Hamburg wurde eine zehnköpfige islamistische Terrorzelle entdeckt, die im März zur Terrorausbildung in den Hindukusch gereist sind. In Deutschland sollen derzeit rund 80 ausgebildete islamistische Terroristen leben.
  • 155 Beamte durchsuchen in Berlin Wohnungen in einem Schlag gegen eine Gruppe von 15 Islamisten, die im Verdacht stehen, Anschläge gegen Russland zu planen, und die sich absetzen wollten.
  • Ein Buch über Ehrenmorde im Droste Verlag erscheint in letzter Minute aus Angst vor Racheakten von Islamisten doch nicht.

Das waren nur drei Tage!

Und mit solchen Islamisten werden Evangelikale auch in ARD und ZDF verglichen? Absurd! Haltlos! Böswillig!

Schon meine friedlichen muslimischen Nachbarn mit solchen Terroristen zu vergleichen, wäre eine Schande, aber friedliche, oft pazifistisch eingestellte Evangelikale?

Wo muss man evangelikale Gemeinden nach Waffen durchsuchen? Wo unterhalten Evangelikale Terrorcamps, überfallen Armeehauptquartiere und liefern sich Gefechte mit 30.000 Soldaten? Wer hat schon Angst, in ein Urlaubsland zu fahren, weil dort Evangelikale wohnen? Wo sind die Evangelikalen, die andersdenkende Journalisten oder ihre Familien bedrohen? Warum kommt keine evangelikale Gruppe in irgendeinem Verfassungsschutzbericht vor, weder in Deutschland noch irgendwo weltweit?

Wer kann allen Ernstes glauben, dass 1,8 Mio. Evangelikale in Deutschland Freiheit und Frieden bedrohen und davon noch keiner etwas mitbekommen hat, während gleichzeitig einige Tausend Islamisten nahezu täglich die Welt in Atem halten?

Tatsachen und Fragen an ARD und ZDF

Evangelikale dürfen mit ihren Zwangsgebühren ARD und ZDF bezahlen, damit diese mit konspirativen Mitteln ‚beweisen‘ und propagieren, was nicht zu beweisen ist, dass Evangelikale eine Art christlicher Islamisten seien. Fakt ist: Es gibt keine evangelikalen Terroristen, keine Selbstmordattentäter und kein evangelikales Netzwerk, das irgendwelche unfriedlichen oder gewaltsamen Akte plant. Und Tatsache ist, dass es überhaupt keine Evangelikalen gibt, die planen, irgendetwas durch Tod und Gewalt durchzusetzen. Alles andere ist Unsinn und übelste Verleumdung. Selbst wenn es einen einzigen evangelikalen Terroristen geben sollte oder wenigstens einen, der davon träumt einer zu sein, müßte man ihn klar von den zig Millionen friedlichen Evangelikalen unterscheiden.

ARD und ZDF sollten sich fragen: Gehört nicht zur Religionsfreiheit auch, dass man vor Verfolgung durch staatliche und quasistaatliche Institutionen geschützt ist? Wissen unsere öffentlich-rechtlichen Medien eigentlich, dass es keine Verfolgung von Minderheiten gibt, in denen nicht die Medien eine zentrale Rolle spielen, und dass heute oft die Medien mehr als andere darüber entscheiden, welche Minderheit als Opfer und welche als aussätzig und "selbst dran schuld" gilt?

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Thomas Schirrmacher

ImageDer Theologe und Soziologe Prof. Dr. phil. Dr. theol. Thomas Schirrmacher ist Rektor des Martin Bucer Seminars (Bonn, Zürich, Innsbruck, Prag, Ankara), Leiter des Instituts für Lebens- und Familienwissenschaften, wo er auch Ethik lehrt, Professor für Religions­sozio­logie an der Staatlichen Universität Oradea, Rumä­nien, Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit und der Weltweiten Evange­lischen Allianz (Bonn, Kapstadt, Colombo) sowie Sprecher für Menschenrechte dieses weltweiten Zusammenschlusses und Kuratoriumsvorsitzender des Hilfswerkes ‚Gebende Hände'. Er promovierte 1985 in Ökumenischer Theologie in Kampen (Niederlande), 1989 in Kultur­anthropologie in Los Angeles, und 2007 in Vergleichender Religionswissenschaft an der Universität Bonn.

2008 wurde er für seinen jahrelangen internationalen Einsatz verfolgter Christen und verfolgter Anhänger anderer Religionen mit dem Internationalen "Pro Fide"-Preis ausgezeichnet.

Thomas Schirrmacher ist Autor zahlreicher Bücher. Seine 8-bändige Ethik ist 2009  in 4. Auflage erschienen. Ebenfalls 2009 erschienen ist sein Buch über "Rassismus - Alte Vorurteile und neue Erkenntnisse" (Haenssler-Verlag).


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