Organtransplantation: Befremdliches Schweigen der Kirche


20.12.10

Organtransplantation: Befremdliches Schweigen der Kirche

Aktion Leben e.V. : "Geschäft um Organtransplantation gerät immer mehr in Schieflage"

(MEDRUM) Abtsteinach, 20.12.10 - Die «Aktion Leben e.V.» ist der Überzeugung, daß der Hirntod nicht der wirkliche Tod des Menschen ist. Dies dürfte nach den vielen Publikationen und Diskussionen der vergangenen Monate jedem klar geworden sein, heißt es in einer heute herausgegebenen Presseerklärung.

Aus Sicht von «Aktion Leben e.V.» gerät das "ganze Geschäft um die Organtransplantation immer mehr in Schieflage". In  der Pressemitteilung stellt die Organisation fest:

"Wen wundert es also, daß die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) kürzlich eine intensive Kampagne startete, um z.B. in Einkaufszentren die Bürger vor Ort zu erreichen und sie zu motivieren, ihre Organe zu spenden. Dies soll unterstützt werden durch sog. Organpaten, Bürgern, die selber einen Organspendeausweis haben und die bereit sind, andere Menschen darauf anzusprechen, zu informieren und nach Möglichkeit zu motivieren, ebenfalls Organe zu spenden.

Dabei kommt man jedoch immer wieder in Erklärungsnöte, insbesondere angesichts der mehr und mehr erdrückenden Beweislast, daß eben der Hirntod nicht der Tod des Menschen ist. Hat man doch jahrzehntelang den Menschen suggeriert, Hirntote seien tot und man könne ihre Organe bedenkenlos entnehmen und übertragen. Zwar gibt man zu, daß es anderslautende Studien gibt, aber man behauptet einfach, die Mehrheit der Wissenschaftler und auch die Kirchen würden dem Hirntodkonzept als Tod des Menschen zustimmen (vgl. BzGA: Die Feststellung des Hirntodes, 20.12.2010).

Diese Behauptung wirft jedoch Fragen auf: Welche Wissenschaftler? Es gibt weltweit Millionen Wissenschaftler, aber nur wenige davon sind Experten in der Erforschung der Hirnvorgänge und des Todeszeitpunkts des Menschen. Und gerade die letzteren sind es, die den Hirntod in Zweifel ziehen und sie sind wohl auch die einzigen, die man hier ernst nehmen kann. Oder: Welche fachwissenschaftliche Kompetenz wird hier den Kirchen und Reschaften unterstellt, daß man sie plötzlich zu wissenschaftlichen Kronzeugen einer Definition aufwertet, welche man trotz wissenschaftlicher Bedenken der Fachwelt lediglich aus Nützlichkeitsgründen gerne aufrechterhalten möchte."

Walter Ramm, Vorsitzender der Aktion Leben e.V. erklärt in Hinblick auf die Position der Kirchen: "Die Kirchen und Religionsgemeinschaften in Deutschland wären allerdings gut beraten, wenn sie ihre voreiligen Stellungnahmen insbesondere aus den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts angesichts der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse widerrufen würden." Er erinnert daran, daß das Hirntodkonzept von Beginn an wissenschaftlich umstritten war. Das hätten auch Bischöfe und Theologen schon damals in Erfahrung bringen können, meint Ramm.  Auch die Aktion Leben e.V. habe immer vor den Unzulänglichkeiten des Hirntodkonzeptes gewarnt. Ramm weiter: "Umso befremdlicher mutet es an, daß nun, wo die Zweifel bestätigt werden, von seiten der Kirchen so großes Schweigen herrscht und daß man sich immer noch, ohne zu widersprechen, von Interessengruppen wie der BZgA aufgrund voreiliger Stellungnahmen vor den Karren spannen läßt. Der Kathechismus der Katholischen Kirche lehrt in 2296: '... Zudem ist es sittlich unzulässig, die Invalidität oder den Tod eines Menschen direkt herbeizuführen, selbst wenn dadurch der Tod anderer Menschen hinausgezögert würde.' Genau das aber geschieht, wenn einem sog. «Hirntoten» die Organe entnommen werden. Und Papst Benedikt XVI. sagt, daß Organe nur «ex cadavere» entnommen werden dürfen.

Die Erklärung der Aktion Leben e.V. steht dem politischen Ansinnen entgegen, eine höhere Organspendenbereitschaft zu erreichen. Wie MEDRUM berichtete, will der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages eine höhere Bereitschaft der Bürger erreichen, Organe zu spenden. Gegenstand der Beratung war am 24.11.2010 die Eingabe eines Petenten, die von jedem Bürger künftig eine Entscheidung erzwingen will, ob er Organspender sein will oder nicht.


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