Katholische Bischöfe halten an der Ehe und ihrer besonderen Bedeutung fest


11.09.13

Katholische Bischöfe halten an der Ehe und ihrer besonderen Bedeutung fest

Distanz zwischen evangelischer und katholischer Kirche wird größer: unterschiedliche Vorstellungen über die Bedeutung von Ehe und Familie

(MEDRUM) Nachdem der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Juni 2013 eine umstrittene Orientierungshilfe zum Thema Familie herausgegeben hat, ist eine intensive Diskussion über die Bedeutung der Ehe für die Familie und Gesellschaft in Gang gekommen, in der sich auch die katholischen Bischöfe äußern. In ihrem Hirtenwort zur nahenden Bundestagswahl fordern die katholischen Bischöfe, an der Ehe und ihrer besonderen Anerkennung festzuhalten.

Gesellschaft braucht Ehepaare für ihre Zukunftsfähigkeit

Die katholischen Bischöfe heben hervor, dass die Gesellschaft für ihre Zukunftsfähigkeit Ehepaare braucht, die bereit sind, das Zusammenleben zu tragen und Leben weiterzugeben. Wörtlich sagen die Bischöfe zu Thema "Ehe und Familie" (Auszug):

"Als positives Signal nehmen wir wahr, dass die Familienpolitik wieder stärker in den Mittelpunkt der politischen Debatte gerückt ist. Ehe und Familie bedürfen der besonderen Anerkennung und der Unterstützung. Die Politik muss Rahmenbedingungen für Familien schaffen, damit sie ihr Familienleben möglichst weitgehend nach eigenen Vorstellungen und orientiert an den Bedürfnissen ihrer Kinder gestalten können.

Mit Sorge beobachten wir politische Bestrebungen, den Ehebegriff auf gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften auszuweiten. Seit jeher gilt die Ehe als Verbindung von Mann und Frau, die prinzipiell offen ist für Nachkommen. An diesem Verständnis sollte festgehalten werden. Unsere Gesellschaft braucht für ihre Zukunftsfähigkeit Ehepaare und Familien, die das Zusammenleben tragen und bereit sind, Leben weiterzugeben. Das Grundgesetz stellt sie unter einen besonderen Schutz, der Beachtung verlangt."

Eibach: Kirche darf nicht für die Absegnung des Faktischen dienstbar werden

Die katholischen Bischöfe vertreten mit ihrer Position eine deutlich andere Auffassung als der Rat der EKD in seiner "Orientierungshilfe" zum Thema Familie vom Juni 2013. Von einer Leitbildfunktion der Ehe wird dort nicht gesprochen. Ulrich Eibach, Professor für Systematische Theologie und Ethik (Universität Bonn, evang. Fakultät), sagt in seiner Analyse der Orientierungshilfe zu diesem Punkt:

"Wir stoßen auf den aus christlicher Sicht entscheidenden Punkt der Orientierungshilfe. Die lebenslange und in Treue zu lebende Ehe, die grundsätzlich für die Zeugung von Kindern offen ist, soll nicht mehr das eindeutig vorrangige Leitbild dessen sein, was die Kirche als von Gott gebotene und daher von Menschen anzustrebende Lebensordnung der Geschlechter zu vertreten und den Menschen als Einladung zu einem gemäß Gottes Gebot gelingenden Leben zu verkündigen hat."

Eibach hält dem Rat der EKD den Fehler vor, das "faktisch gelebte Leben zur ethischen Norm" zu erheben. Diese Tendenz sei in der Orientierungshilfe unverkennbar. Eibach: "Die biblischen Aussagen zu Ehe und Familie werden von diesen faktisch gegebenen gesellschaftlichen Umständen her interpretiert und nicht die Umstände von den theologischen Aussagen her ethisch beurteilt und bewertet." Eibach fordert, dass die Differenz zwischen dem faktisch gelebten Leben und dem "Leben, zu dem Gott uns bestimmt", wenigstens in Schriften der Kirchen nicht übergangen werden. Die Kirche dürfe, sofern sie der biblischen Botschaft folge, nicht zu einer Institution werden, die der Absegnung des Faktischen dienstbar werde. Mit seiner Analyse steht Eibach stellvertretend für viele Glieder der evangelischen Kirche, die eine Rücknahme der Orientierungshilfe fordern, beispielsweise die badische Initiative "Zehn Fragen an den Rat der EKD", über die MEDRUM berichtete.

An der Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz und der Orientierungshilfe des Rates der EKD wird sichtbar, dass die katholische und evangelische Kirche beim Thema Ehe und Familie auseinander zu driften drohen und Ökumene schwieriger wird. Teile der EKD sind bereits dazu übergegangen, das zu segnen, was Menschen gesegnet haben wollen. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hat die Segnung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften kirchenrechtlich sogar mit einer Trauung gleichgestellt. Eibach sieht in dieser Entwicklung ein theologisches und ethisches Versagen in der evangelischen Kirche: "Ethik wird so immer mehr zur Legitimation des faktisch gelebten Lebens, zur Bestätigung menschlicher Wünsche."

Symposium der EKD zu theologischen Kernfragen

Mit ihrem jetzigen Hirtenwort belegen die katholischen Bischöfe hingegen, dass sie dem Weg der evangelischen Kirche nicht folgen, sondern an der besonderen Bedeutung der Ehe und ihrem sakramentalen Charakter festhalten. Inwieweit zwischen den beiden Kirchen überhaupt noch ein Konsens möglich ist, könnte sich in den nächsten Wochen zeigen. Nachdem der Rat der EKD eingeräumt hat, dass die Orienterungshilfe Defizite in theologischen Kernfragen aufweist, hat er für Ende September ein theologisches Symposium angekündigt und will sich danach erneut mit Fragenstellungen zum Thema Ehe und Familie befassen. Von der katholischen Kirche ist keine Annäherung an eine Position der Gleichwertigkeit unterschiedlichster Lebensstile zu erwarten, wie sie derzeit in der Orientierungshilfe der EKD vertreten wird.

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Ulrich Eibach ist u.a. Autor des Buches "Liebe, Glück und Partnerschaft: Sexualität und Familie im Wertewandel", erschienen 1996 im Brockhaus Verlag, 268 Seiten, ISBN 3417110882, 9783417110883

Weitere Information:

Prof. Dr. Ulrich Eibach

Aufruf Deutsche Bischofskonferenz


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Leserbriefe

Seit fest im Glauben

Man kann wohl der katholischen Kirche eine größere Treue zum Wort Gottes attestieren als der evangelischen, zumindest wenn man das Verhältnis zu Familie und Schöpfungsordnung anschaut. Martin Luther würde seinen protestantischen Kirchennachfahren wohl beherzt die Leviten lesen, wenn nicht gleich zur katholischen Kirche wechseln, um dort die Zukunft der Kirche Christi auszurufen. ( Was nicht heisst, dass nicht auch die Katoliken daran zu knabbern hätten.)