Zum Nachtcafé des SWR: So schön war's auch in der DDR!


27.01.14

So schön war's auch in der DDR!

Ein Leserkommentar zum Nachtcafé des SWR von Andreas Hirsch

(MEDRUM) Es sieht ja kaum jemand zu bei den Dritten. Und die, die's tun, halten es für normal, was da passiert?

Zum Themenkreis "Sexuelle Vielfalt - Bildungsplan und Online-Petition" hatte die Redaktion sieben Gäste zum Nachtcafé mit Wieland Backes eingeladen: fünf gegen die Petition, zwei dafür. Unter den fünf Gegnern waren zwei Homosexuelle, eine Mutter einer Homosexuellen, ein Vater eines verstorbenen Homosexuellen und ein Kultusminister. Drei der fünf waren aufgrund ihres Berufs medien- und interview-erfahren (zwei Politiker, eine Chefredakteurin). Die beiden Petitionsbefürworter waren leidlich bis gar nicht medienerfahren.

Diese "ausgewogene" Gesprächsrunde durfte mit der Diskussion loslegen, nachdem der Gesprächsleiter und "neutrale" Journalist Wieland Backes seine eigene Position zum Thema klarstellte. Er ließ, nachdem er kurz gehitzelsbergert hatte, wohlwollend einen jungen, sympathischen, gutaussehenden Homosexuellen seine Erfahrungen als Aufklärungsarbeiter an den Schulen schildern. Nett stupste Wieland den jungen Mann mit kumpelhaften Fragen an. Also sechs gegen zwei.

Als dann irgendwann alle Petitionsgegner ihre Stellungnahmen abgegeben hatten, geschah etwas Unerwartetes: Es fing an, um die Sache zu gehen, nämlich um den Inhalt der Petition. Es drohte, konkret zu werden. Etwa zwanzig lange Sekunden. Doch Wieland Backes unterbrach geschickt und verwies auf die Abstraktheit der Petition. Dafür ließ er, ganz konkret, den Vater eines Jungen zu Wort kommen, der sich umgebracht hatte, weil er unglücklich in einen anderen Jungen verliebt war. Einzelschicksal versus Das-Große-Ganze – an der Journalistenschule wird diese Methode gelehrt als Holzhammer.

Gut zu wissen übrigens, dass Andreas Stoch, Kultusminister in BW, oberster Dienstherr eines der beiden Petitionsbefürworter ist. Das macht frei und unabhängig im Gespräch. Der Redeanteil von Herrn Stoch entsprach dann auch dem eines Chefs.

Später gab es noch glückliche Lesben mit glücklichen Kindern etc. – und niemandem fiel auf, dass die Petition dagegen gar nichts einzuwenden hat. Aber wen interessieren schon Inhalte und sachliche Diskussionen? Homophob, reaktionär – klingt einfach viel zu schön und ist so einfach anzuwenden.

Kuschlig ging es zu zwischen Wieland Backes und dem Kultusminister Andreas Stoch. Man war sich einig. Stoch blieb unwidersprochen, wurde nicht hinterfragt. Die Symbiose von Regierenden und SWR-Journalisten war offenkundig.

Ach, wie schön. So war's auch in der DDR.

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Nach einer der MEDRUM-Redaktion vorliegenden Information soll der SWR gestern die Inhalte der Facebook-Seite des Nachtcafés vom Netz genommen haben (de-de.facebook.com/NachtcafeTalkshow). Es sei dem SWR vermutlich zu unbequem geworden, so ein Beobachter des Geschehens an MEDRUM.


→  Leser- und Zuschauerumfrage zur Nachtcafé-Sendung des SWR


 

Leserbriefe

Kein Volksempfänger in meinem Haus!

Ich habe die Sendung erst am Samstag morgen sehen können. Nach der Sendung habe ich alle Mainstream-Sender in meinem Fernseher gelöscht und nur noch die christlichen Sender in der Senderliste belassen. Ich will keinen Volksempfänger in meinem Haus stehen haben. Es ist ein Novum, das die Deutschen die staatliche Agitation und Propaganda selbst durch Gebühren finanzieren müssen.