Verdrängt islamisches Kopftuch christliche Werte?


21.03.15

Verdrängt islamisches Kopftuch christliche Werte?

Hartmut Steeb kritisiert Begründung im Verfassungsgerichtsurteil und fragt: "Gehört das Christentum noch zu Deutschland?"

(MEDRUM) Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes über das Tragen eines Kopftuches an Schulen ist nicht überall mit ungetrübter Freude aufgenommen worden. Es gibt Blickwinkel, aus deren Sicht gefolgert werden könnte, dass mit diesem Urteil christliche Werte durch das islamische Kopftuch verdrängt werden. Eine solche Sichtweise hat beispielsweise der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, vertreten.

Religionsfreiheit und Kopftuch

Die Wahrung der Religionsfreiheit ist Hartmut Steeb zweifellos ein wichtiges Anliegen. Das geht aus vielen Verlautbarungen Steebs zu unterschiedlichen Gelegenheiten hervor. Aber mit der Entscheidung, das Tragen des Kopftuches als Ausdruck der Religionsfreiheit an den Schulen durchzusetzen, hat Steeb seine Probleme. Für ihn stellt sich nicht mehr so sehr die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, sondern "inwieweit das Christentum noch zu Deutschland gehört“.

ImageChristliche Werte eine "gleichheitswidrige" Benachteiligung?

Steeb wies bei einem Bericht im Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz vom 17. bis 18. März 2015 in Krelingen auf die Tatsache hin, dass die Erziehung zu christlichen Werten Bestandteil von Landesverfassungen ist, insbesondere der Landesverfassung und Schulgesetzgebung in NRW. Die Bundesverfassungsrichter haben allerdings in ihrem jetzigen Urteil die Auffassung vertreten, dass die „Privilegierungsbestimmung zu Gunsten der Darstellung christlicher und abendländischer Bildungs- und Kulturwerte“ eine „gleichheitswidrige Benachteiligung der Angehörigen anderer Religionen“ darstelle. Das kritisiert Steeb. Mit einer solchen Begründung hebeln die Karlsruher Richter die Landesverfassung Nordrhein-Westfalens aus. Denn in dieser Landesverfassung steht, dass Kinder in Gemeinschaftsschulen „auf der Grundlage christlicher Bildungs- und Kulturwerte in Offenheit für die christlichen Bekenntnisse und für andere religiöse und weltanschauliche Überzeugungen gemeinsam unterrichtet“ werden sollen. Zu den kritischen Stimmen gehören unter anderen auch die Politiker Heinz Buschkowsky und Wolfgang Bosbach (Bild oben links).

Eingriff in Länderverfassung

Wer also wie die Richter in Karlsruhe bei christlichen Bildungs- und Kulturwerten von "gleichheitswidriger Benachteiligung" spricht, greift in die Verfassungsgesetzgebung eines Bundeslandes ein, weil er den christlichen Werten ihre Vorrangstellung abspricht. Steeb spricht deswegen völlig zu Recht davon, dass die Richter den in der Verfassung verankerten christlichen Werten ihre werteorientierende Funktion wegnehmen. Zugespitzt könnte formuliert werden: Das islamische Kopftuch verdrängt christliche Werte. Steebs Frage, ob das Christentum noch zu Deutschland gehöre, ist also verständlich. Sie gibt Anstoß zum Nachdenken, nicht nur für Verfassungsrichter.

ImageForum Christ und Politik

Mit seiner kritischen Analyse sieht sich Steeb nicht nur im Einklang mit der Verfassung, sondern auch in Übereinstimmung mit der christlich fundierten Forderung nach Toleranz, die sich schon aus dem Gebot der Nächstenliebe ergibt. Zu diesem Themenkreis hat er nach Bad Blankenburg zum Forum "Christ und Politik" eingeladen. Dort wird auch der Frage nachgegangen, welche Rolle der Glauben in einer sich ändernder Gesellschaft noch spielt? Besonders interessant dürfte vor dem aktuellen Hintergrund des Verfassungsurteils zum Kopftuch die Frage werden, ob christliche Grundwerte die Zukunft der Gesellschaft noch gestalten können?

Das Forum steht unter dem Rahmenthema: "Europa zwischen Toleranz & Akzeptanz". Zeitraum: 25.-27. März 2015.

Obwohl die Tagung schon fast ausgebucht ist, gibt es noch einige Plätze. Teilnehmeranmeldungen oder Anfragen bittet der Veranstalter an folgende Adresse zu richten:

Deutsche Evangelische Allianz
Esplanade 5–10a, 07422 Bad Blankenburg
Telefon: 03 67 41 / 24 24, Telefax: 03 67 41 / 32 12
Email: info@ead.de

Weitere Information: Forum Christ und Politik


Leserbriefe

Das christliche Verhalten macht den Unterschied

Zum Thema Tragen des Kopftuches habe ich eine Erfahrung von 2006 bis 2008 in Indonesien gemacht. Muslima qua Geburt in meinem Mittelgroßraumbüro zeigten sich im Dienst religionsneutral und kopftuchlos, fasteten und beteten nicht. Als aber ein fundamentalistischer neuer Mitarbeiter dort seinen Gebetsteppich ausrollte, mussten sie Stellung beziehen, zogen sich zum Gebet (vielleicht angeblich) zurück und griffen zum Kopftuch. Öffentlichkeitswirksam hat sich der Gruppenzwang, der vom neuen Mitarbeiter ausging, bemerkbar gemacht, mehr aber nicht. Dieses Mehrabernicht mache ich an dem unveränderten Verhalten im Alltag fest. Und deswegen kommentiere ich hier: Das christliche Verhalten macht den Unterschied. Soweit es vorhanden ist, hat dieses Kontur, beim Fehlen sind die Werte an sich nur Buchstaben.

Islam füllt Vakuum des abgefallenen Christentums

Das Kopftuch ist mehr als nur ein Glaubensbekenntnis. Insbesondere junge Musliminnen haben Probleme mit unserem Lebensstil der Unverbindlichkeit und Beliebigkeit und suchen nach einer festen Orientierung. Diese finden sie, indem sie sich auf den Islam besinnen. Als äußeres Zeichen der Abgrenzung tragen sie das Kopftuch, mit dem sie ihre Andersartigkeit zu erkennen geben und damit ausdrücken, dass sie sich mit unseren "Werten" - sofern es überhaupt noch solche sind - nicht identifizieren.

An sich wäre es Sache des Christentums für zeitlos gültige Werte einzutreten. Nachdem sich die Kirche zu einem großen Teil dem Zeitgeist angepasst hat sind von hier keine überzeugenden Angebote zu erwarten. Das Vakuum, das durch ein abgefallenes Christentum entsteht, wird zwangsläufig vom Islam und christenfeindlichen Ideologien gefüllt. Man sollte sich darüber nicht wundern.

Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt...

Wenn die Christen nicht zu den Menschen kommen, dann kommen eben die Menschen zu den Christen mit all ihrer Religion, ihren Riten und Gebräuchen. Bequemer kann es Gott uns nun wirklich nicht machen, um die frohe Botschaft vom Evangelium unter die Leute zu bringen. Sie stehen schon vor der eigenen Haustür und sind gespannt zu erfahren, was den Westen so gesegnet hat mit Frieden, Fortschritt und Wohlstand. Und Jesus hat den offiziellen Auftrag erteilt, das Licht nicht zu verstecken und der Welt zu verkünden.

Ich denke, das Problem ist

Ich denke, das Problem ist der Begriff: Religionsfreiheit. Was bedeutet das denn wirklich ? Was bedeutet das in Bezug auf den Islam ? Es kann doch nicht sein, dass es zur Religionsfreiheit gehört, anderen die eigenen Werte aufzuzwingen, wie der Islam das mehr und mehr macht. Immer mehr Halal Fleisch, immer öfters kein Schweinefleisch, immer mehr Forderungen nach Scharia, nach für muslimische Frauen getrennten Bädern. Dann sollen sie sich doch ihre Bäder selbst bauen, fuer die Moscheen haben sie ja auch ihre Millionen. Jetzt gibt es die erste Bank fuer Muslime.

Mir ist das egal, ob eine Kopftuch trägt oder nicht, denn auch das ist nicht einheitlich geregelt, scheinbar. Die einen tuns, die anderen nicht. Wenn ich aber in einem Land lebe, warum auch immer, dessen Werte ich so sehr verabscheue, dann muss ich konsequent sein. Dann gehe ich. Ich bin als Christin auch nicht einverstanden mit der Beliebigkeit im Land, damit wie sich junge Mädchen gerieren, z.B. diese unsäglichen neuen Frauenromane, diese Genderideologie usw.. Aber hat man schon mal einen Pfarrer, Pastor z.B. dazu aufrufen hören, das zu hinterfragen ? Wir biegen uns doch die biblischen Aussagen zurecht, wie es uns grade passt.

Freiheit heisst eben auch, dass es das geben darf... denn immerhin haben wir im Christentum keinen Zwang. GOTT will Freiwillige. Und was Muslime tun, wenn sie sich so abgrenzen, ist genau das, was sie uns letztendlich vorwerfen: man schert alle ueber einen Kamm. Es gibt hingegebene Christen, die zu leben versuchen und es auch tun, wie GOTT das von uns möchte. Dann müssen sie sich an denen orientieren. Und nicht immer nur an "der" Gesellschaft. Feststeht auf alle Fälle, dass sie nicht so leben dürften hier, wie sie das tun, wenn es unsere - leider allzuoft missbrauchte - Freiheit nicht gäbe. Und genau deshalb ist der Islam nicht kompatibel zu unserer Lebensform. Er wird das unterwandern und klammheimlich umstrukturieren, entgegen allen Behauptungen, es würde keine Islamisierung der westlichen Welt geben.