Tauziehen um Präses Nikolaus Schneider - Zwischen Esoterik und biblischer Wahrheit


15.08.11

Tauziehen um Präses Nikolaus Schneider - Zwischen Esoterik und biblischer Wahrheit

Jürgen Fliege verteidigt "Heiler-Tage" - Ulrich Parzany fordert Umkehr zur Wahrheit der Heiligen Schrift

(MEDRUM) Um den Kurs des Ratsvorsitzenden der EKD, Präses Nikolaus Schneider, wird wie um einen Wanderer zwischen den Welten gerungen. Da ist auf der einen Seite beispielsweise die Welt des Fernsehpastors Jürgen Fliege, der Wert auf die Feststellung legt, Nikolaus Schneider habe ihm zunächst zugesagt, an den Wörishofener "Heiler-Tagen" teilzunehmen, die mittlerweile als "Esoterik-Veranstaltung" heftig in die Kritik geraten sind. Auf der anderen Seite ist da die Welt des Evangelisten Ulrich Parzany, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands von ProChrist e.V., der den Präses der Rheinischen Kirche in einem öffentlich gemachten Brief angefleht hat, die Umkehr in der EKD zur biblischen Wahrheit zu unterstützen. Auch wenn die beiden aktuellen Vorgänge in keinem unmittelbaren Zusammenhang stehen, markieren sie Pole eines beachtlichen Spannungsfeldes, in dem wie beim Tauziehen um Präses Schneider und seinen Kurs gerungen wird.

Esoterik-Kontroverse um Wörishofener Herbst und Schneiders Teilnahme

ImageIn einer Pressemitteilung lässt Jürgen Fliege wegen zuvor anderslautender Medienmeldungen am 10. August 2011 verlautbaren: "Nikolaus Schneider wollte doch nach Wörishofen! EKD-Chef entschuldigt sich bei Fliege." Heute habe TV-Pfarrer Jürgen Fliege eine Mail von Nikolaus Schneider erreicht, in der er „die Dinge zurechtrückt“. In der "persönlichen Botschaft des EKD-Chefs" an Fliege werde festgestellt, dass er sich mit Jürgen Fliege sehr wohl zum Kongress in Bad Wörishofen verabredet hätte und nur „wegen Terminproblemen um die Verleihung der Luthermedaille herum“ habe absagen müssen. Weiter heißt es, der Pressesprecher von Schneider wisse aber überdies, dass Schneider "bei aller schwierigen Vergangenheit einen respektvollen Ton der EKD" gegenüber Fliege wünsche. Und er wisse auch, dass er zu ihm stehe“, so der Präses laut Fliege.

Mit dieser Darstellung wird Pastor Ulrich Rüß widersprochen, der nach ihm vorliegenden Informationen davon ausging, dass Präses Schneider zwar eine Einladung erhalten hatte, diese aber aus naheliegenden Gründen nicht angenommen habe. Denn für Pastor Rüß war es unabdingbar, dass Präses Schneider nicht an einer Veranstaltung teilnimmt, die als Esoterik-Veranstaltung in die Kritik geraten ist. Wie MEDRUM berichtete, stellte Rüß fest, die "dubiose damit einhergehende Esoterik-Business-Praxis von Pastor Jürgen Fliege" sei nicht vereinbar mit dem Amt eines Evangelischen Pastors. Zuvor hatten sich auch Weltanschauungsbeauftragte der EKD kritisch mit dem Esoterik-Charakter einiger Aktivitäten von Jürgen Fliege auseinander gesetzt. Diese Kritik scheint Präses Schneider nicht willkommen zu sein, wenn stimmt, was in Flieges Pressemitteilung gesagt wird.

Jürgen Fliege im Dialog mit Präses Schneider

Esoterik weist Jürgen Fliege nicht unerwartet weit von sich. Er verteidigt die Wörishofener Heiler-Tage ebenso wie seine Fliege-Essenz, die für knapp 40.- EUR  erworben werden kann. Bei diesem Produkt handele es sich um ein Rechtsregulat der Firma „Dr. Niedermaier Pharma", das von Jürgen Fliege mit Gebeten und Handauflegen "bereichert" worden sei. Fliege weist auch den Vorwurf, er verdiene mit der Essenz Geld, zurück. Fliege: „Die Essenz gibt es mit meinen Gebeten zum gleichen Preis wie ohne." Demnach kostet sein Segen also nichts extra. Für Jürgen Fliege scheint ebenso klar zu sein, dass es außer terminlichen keine anderen Gründe geben kann, wenn Präses Schneider entgegen ursprünglicher Ankündigung nun nicht an den Heiler-Tagen in Bad Wörishofen teilnimmt. Fliege stellt dementsprechend am Ende seiner Pressemitteilung zu Präses Schneider fest: "Wir bleiben im Dialog." Bis zu einer eindeutigen Erklärung von Präses Schneider kann also weiter gerätselt werden, ob Schneider die Einladung angenommen oder nicht angenommen hatte.

Kontroverse um Bekenntnis zur Bibel in der EKD

Im Dialog mit Präses Schneider will auch Pfarrer Ulrich Parzany von ProChrist bleiben. Doch geht es ihm dabei weder um käufliche, esoterikverdächtige Essenzen noch um eine heilsversprechende Veranstaltung oder die Kritik daran. Parzany geht es um weit mehr als Kontroversen um Flieges Aktivitäten hergeben könnten. Für die ProChrist-Leitfigur steht - wie für viele  bekenntnistreue evangelische Christen - nicht weniger als die Essenz des christlichen Glaubens und das ewige Heil auf dem Spiel. Dies war bereits Grund für die acht evangelischen Altbischöfe, im Januar mit dem Appell an die Synoden der EKD-Gliedkirchen heranzutreten, dem neuen Begriff von familiärem und gleichgeschlechtlichem Zusammenleben im neuen Pfarrdienstgesetz nicht zuzustimmen, weil dies eine Abkehr von der Wahrheit der Heiligen Schrift bedeute. Die gleiche Grundsorge treibt auch Ulrich Parzany an, der sich am 9. August in einem Brief an Präses Schneider gewandt hat und darin feststellt:

Image"Es mangelt den evangelischen Kirchen gegenwärtig an Eindeutigkeit und Klarheit im Bekenntnis zu Person und Werk unseres Herrn Jesus Christus und in der Anerkennung der Autorität der Heiligen Schrift. In meinem Verkündigungsdienst und der damit verbundenen Seelsorge werde ich immer wieder mit den verheerenden Folgen dieses Mangels konfrontiert. Wo das „solus Christus" und das „sola scriptura" verleugnet wird, kann auch das „sola gratia" und das „sola fide" nicht mehr zur Geltung kommen. Nicht um theologischer Rechthaberei, sondern um des ewigen Heils der Menschen willen brauchen wir in den evangelischen Kirchen Umkehr zur Wahrheit der Heiligen Schrift." (Ulrich Parzany, Bild rechts)

Von aktueller Bedeutung für Parzany sind im Brief an Schneider Grundaussagen zu aktuellen Themen, die Anfang August in einer theologischen Schrift mit dem Titel "Für die Freiheit des Glaubens und die Einheit der Kirche" umrissen wurden. An dieser Schrift haben insbesondere mehrere Mitglieder des Initiativkreises Evang. Kirchenprofil mitgewirkt, darunter ein Mitbegründer des Initiativkreises, der badische Oberkirchenrat Klaus Baschang, und der jetzige Sprecher des Kreises, Prof. Dr. Rainer Mayer. Den Autoren, zu denen auch Altbischof Prof. Dr. Ulrich Wilckens gehört, geht es um die Klarheit und das Bekenntnis zur biblischen Aussage, hauptsächlich über die Institution Ehe und Lebensformen, über das Pfarramt und den Lebensvollzug, den Auftrag und die Ordnung der Kirche sowie um die Lehre und Seelsorge.

Parzany fordert Abkehr von Irrlehren und Umkehr zur Wahrheit der Bibel

Parzany identifiziert sich in seinem Brief mit den Kernaussagen des Bekenntnispapiers, in dem verführerische Irrlehren identifiziert werden. In der Schrift heißt es,
es sei Verführung und Irrlehre,

  • wenn die Heilsbotschaft vom Kreuzestod Christi bestritten oder umgedeutet oder als für unsere Zeit belanglos und überholt erklärt werde;
  • wenn behauptet werde, die Aussagen der Heiligen Schrift, auch zu Ehe und Familie, seien nur zeitbedingt und hätten mit der heutigen Situation nichts zu tun;
  • wenn behauptet werde, jeglicher Zusammenschluss von zwei oder mehr Menschen nach den Kriterien von Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und gegenseitiger Verantwortung sei dem „Leitbild Ehe" nahezu gleichwertig;
  • wenn die Ehe nur als eine „Lebensform" neben anderen zur beliebigen Wahl hingestellt werde. Wenn das geschehe, gerieten Kirche, Politik und Rechtswesen in den Strudel der Beliebigkeit und der Auflösung. Wo dies geschehe, zerfalle jede Gesellschaft;
  • wenn behauptet werde, die Ordination Homosexualität praktizierender Pfarrer sei nur eine Frage der Verwaltung, die das Bekenntnis der Kirche nicht berühre;
  • wenn behauptet werde, jeder Mensch sei in seinen Strebungen und Neigungen bis hin zu entsprechenden Taten unveränderlich festgelegt. Besonders abwegig sei es, diese Behauptung sogar auf „Gottes gute Schöpfung" zurückzuführen. Gnadenverkündigung ist nur in Form von Gesetz und Evangelium konkret;
  • wenn im Interesse angeblicher Freiheit der Menschen grundlegende Unterschiede geleugnet werden. So werde nicht Freiheit gefördert; vielmehr würden subjektive Moralvorstellungen diktatorisch verfolgt und zivilisatorische Ordnungen aufgelöst.

Persönliche Verpflichtung zu gemeinsamem Zeugnis christlichen Glaubens

Parzany bittet Präses Schneider in seinem Brief "flehentlich", er möge in seinem geistlichen Leitungsdienst darauf hinwirken, dem gemeinsamen Zeugnis in diesen aktuellen Grundaussagen des christlichen Glaubens (Teil B der Erklärung im Anhang) seine Unterstützung zu geben. Pastor Parzany gab ebenso eine persönliche Verpflichtungserklärung gegenüber seinem Präses ab. Da er der Rheinischen Landeskirche angehört, erklärte er Präses Schneider:

"Aus Sorge um die Entwicklung der evangelischen Kirchen in Deutschland und in Wahrnehmung der Verantwortung, die sich aus meiner Ordination ergibt, habe ich mich entschlossen, durch die Unterzeichnung einer Persönlichen Verpflichtung dem gemeinsamen Zeugnis in sieben aktuellen Grundaussagen des christlichen Glaubens, wie es in der theologischen Erklärung „Für die Freiheit des Glaubens und die Einheit der Kirche" formuliert wurde, beizutreten."

Er bat Präses Schneider zugleich, diese Verpflichtungserklärung seiner Personalakte beifügen zu lassen. Angeregt dazu wurde Parzany durch die Theologische Erklärung, die von ihren Verfassern auch als "Einladung zu gemeinsamem Zeugnis in sieben aktuellen Grundaussagen des christlichen Glaubens mit persönlicher Verpflichtung" verstanden wird. Sie haben ihrer Schrift eine solche Erklärung beigefügt (Anhang Teil C).

In der Tradition der Barmer Theologischen Erklärung

Mit ihrer Erklärung sehen sich die Autoren in der Tradition der Barmer Theologischen Erklärung, an die sie am Ende mit den Worten anknüpfen:

"Diese Einladung folgt dem Bekenntnis unserer Kirche in der Theologischen Erklärung von Barmen. Diese hat mitten im damals beginnenden Kirchenkampf ihre Einladung zu einem neuen Bekennen mit diesem Schlusssatz in Artikel 6 bekräftigt:

Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne die Kirche in menschlicher Selbstherrlichkeit das Wort und Werk des Herrn in den Dienst irgendwelcher eigenmächtig gewählter Wünsche, Zwecke und Pläne stellen."

Die jetzige Erklärung markiert eine Leitplanke für Präses Schneider und alle evangelischen Christen, die jedem eine Entscheidung auf der Wanderung zwischen den Welten abverlangt. Sie können sich von zeitgeistlichen Irrlehren verführen oder von der Anerkennung und Wahrheit der Heiligen Schrift leiten lassen.

Wer die biblische Wahrheit wählen will, kann dem Beispiel des Evangelisten Parzany folgen. Eine Teilnahme an den Wörishofener "Heiler-Tagen" ist dafür hingegen nicht erforderlich.

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Weitere Information → Ulrich Parzany


09.08.11 MEDRUM Präses Schneider nicht bei Jürgen Flieges Wörishofener "Heiler-Tagen"


AnhangGröße
Für die Freiheit des Glaubens und die Einheit der Kirche - Teil A (Anlass und Anliegen).pdf31.34 KB
Für die Freiheit des Glaubens und die Einheit der Kirche - Teil B (sieben aktuelle Grundaussagen).pdf66.07 KB
Für die Freiheit des Glaubens und die Einheit der Kirche - Teil C (persönliche Verpflichtung).pdf39.48 KB
Für die Freiheit des Glaubens und die Einheit der Kirche - Teil D (Kurzfassung).pdf54.18 KB
Für die Freiheit des Glaubens und die Einheit der Kirche - Teil E (Kommentar).pdf117.05 KB

Leserbriefe

Tauziehen um Nikolaus Schneider

Liebe Medrum Redaktion! Vielen Dank für den kostbaren Medrum Artikel mit den nötigen Hintergrundinformationen!

Mit Freundlichen Grüßen! Michael

Was sagt die Heilige Schrift dazu?

Jeremia 23:14
aber bei den Propheten von Jerusalem habe ich Schauderhaftes wahrgenommen, nämlich Ehebruch und in der Lüge leben; sie stärken die Hände der Bösen, sodass niemand mehr von seiner Bosheit umkehrt; sie sind mir alle wie Sodomiter geworden und ihre Einwohner wie die von Gomorra.

Jeremia 23:15
denn von den Propheten Jerusalems ist die Gottlosigkeit ausgegangen in das ganze Land.

Jerusalem war in Israel das geistige Zentrum, leider scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Die führende Köpfe der Kirche verführen das Volk zur Gottlosigkeit.
Vers 17
Ständig sagen sie zu denen, die mich verachten: »Der HERR hat gesagt: Ihr werdet Frieden haben!« Und zu allen denen, die in der Verstocktheit ihres Herzens wandeln, sprechen sie: »Es wird kein Unheil über euch kommen!«

wo ist das Zittern vor Gottes Wort geblieben?
Vers 9
Gebrochen ist mein Herz in meiner Brust, es schlottern alle meine Gebeine; ich bin wie ein Betrunkener, wie ein Mann, den der Wein überwältigt hat, wegen des HERRN und wegen seiner heiligen Worte

es lohnt sich das ganze Kapitel 23 durchzulesen, die Parallelen zu heute sind verblüffend ähnlich.

Irrlehrer beim Namen nennen

Es ist erfreulich, dass der Initiativkreis nunmehr das Grundproblem angeht. Wer sich Christ nennt, gleichzeitig aber das Wort Gottes in Frage stellt, steht mit dem Widersacher im Bunde. Es ist gut, dass diese Scheinchristen jetzt öffentlich als Irrlehrer entlarvt werden. Irrlehrer führen über sich selbst ein schnelles Verderben herbei (2.Petrus 2,1).

Fliege u.a.

Dem Leserbrief kann nur voll zugestimmt werden, da es an der Zeit ist, Irrlehrer und Verführer anhand der Bibel aufzuzeigen. Ich denke auch, daß die Zeiten falscher Duldsamkeit beendet sein müssen, nachdem immer mehr die Autorität der Bibel und die Absolutheit von Jesus Christus in Zweifel gesetzt werden. Herrn Parzany ist deshalb voll zuzustimmen.