Schwule Ampeln zum European Song Contest in Wien


15.05.15

Schwule Ampeln zum European Song Contest in Wien

Das Werben für sexuelle Vielfalt findet auch bei der Regelung des Straßenverkehrs statt

(MEDRUM) Wer glaubte, der European Song Contest sei ein ideologiefreier Musikwettbewerb, könnte spätestens jetzt ins Zweifeln geraten.

ImageSexuelle Vielfalt in der Wiener Straßenverkehrsregelung

Die Veranstaltung des European Song Contest, der nach dem Sieg von Conchita Wurst im letzten Jahr nun vom Montag, 18. Mai 2015 bis Samstag, 23. Mai 2015 in Wien stattfindet, wird nun auch dazu genutzt, die sexuelle Vielfalt sogar in der Regelung des Straßenverkehrs abzubilden. Schwule Ampelmännchen haben Einzug auf Wiens Ampeln gehalten, um rechtzeitig zum European Song Contest für mehr Toleranz zu werben, wie die FAZ berichtet. Ob dabei auch bestimmte Quoten eingehalten werden, die für die Bevölkerung repräsentativ sind, geht aus dem FAZ-Artikel nicht hervor. Denn dann dürften nur etwa 2% der Ampeln homosexuelle Partner abbilden.

Sexuelle Vielfalt scheint immer mehr zu einem dominierenden Kriterium von Lebensbereichen zu werden. Nicht nur der Straßenverkehr, auch in den Bildungsplänen wird sexueller Vielfalt ein hoher Stellenwert beigemessen, wie die meist von Grün-Rot verfolgten Änderungs- und Aktionspläne in vielen Bundesländern zeigen (MEDRUM berichtete). In Baden-Württemberg erwägt die grün-rote Landesregierung unter anderem ein drittes Geschlecht in amtliche Dokumente einzuführen.


12.05.15 In Wien gibt es jetzt auch schwule Ampelmännchen FAZ

Leserbriefe

Kitschiges Kultevent

Soweit ich der Presse entnehmen kann, handelt es sich um 49 Ampeln mit gleichgeschlechtlichen Paarmotiven. Die Quote von 2% wäre bei ca. 500 Ampeln in Wien erreicht. Ich glaube, dass die Zahl der Wiener Fußgängerampeln weit höher liegt. Insofern kann man der Aktion keine Unausgewogenheit vorwerfen. Zur Frage der Ausgewogenheit des ESC-Contests.

Der ESC ist seit langer Zeit ein Kultevent in der schwul-lesbischen Community. Dieser Trend setzte ein, als der Wettbewerb etwas trashiges, merkwürdiges, (engl. queeres) bekam. Es ist psychologisch gut nachzuvollziehen, dass sich Menschen, die im gesellschaftlichen und geschmacklichen Abseits stehen, diese Doppelbödigeit von echtem Gefühl und trotzigem Kitsch, von Glamour und Schattendasein und das Beispiel von scheinbar schwachen Menschen, die im Kostüm als Diva bewundert werden, gut nachvollziehen können.

Wichtig ist auch zu wissen, dass Ikonen der schwulen und lesbischen Emanzipation wie Marlene Dietrich früher auch an diesem Wettbewerb teilgenommen haben. Durch die Siege eines Transsexuellen aus Israel und der Kunstfigur Conchita Wurst, aber auch durch die frühere Teilnahme von Menschen wie Guildo Horn, der sich in der Behindertenarbeit engagiert oder aktuell Menschen mit gesitiger Behinderung aus Finnland, die Unterstützer in ganz Europa, selbst aus Russland bekommen, ist der ESC in Augen vieler Menschen, die für die Belange und Gefühlslage sog. queerer Menschen sensibilisiert sind, eben auch "offiziell" nicht nur ein Gesangswettbewerb, sondern ein Forum für nachbarschaftliche Toleranz, zwischen Nationen, aber auch zwischen Menschen unterschiedlicher biologischer und politischer Grenzen.

Die grenzüberschreitende Botschaft des ESC hat sozusagen ein neues Feld gefunden. Vom musikalischen und rein künstlerischen Anspruch betrachtet kann man das sicher skeptisch sehen, aber sicher nicht erst seit diesem Jahr. Auch die Selbstidentifikation queerer Menschen mit trivialem Geschmack kann man problematisch finden, aber Kitsch findet sich in vielen Zusammenhängen ...