Lehrerin will keine Versager produzieren und wird versetzt

Lehrerin will keine Versager produzieren und wird versetzt

(MEDRUM) Als Störerin des Schulfriedens sei die Grundschullehrerin Sabine Czerny nach ihrer Kritik am bayerischen Schulsystem mit einer Versetzung "abgestraft" worden, schreibt die "taz" am 04.08.08. Ihr seien die zu guten Benotungen der Leistungen ihrer Schüler vorgeworfen worden.

Vor einer Woche hatte die 36 Jahre alte Pädagogin, die seit über zehn Jahren unterrichtet, wie schon zu Beginn des Jahres vorgehalten worden, zu gute Noten zu vergeben. Die Kinder ihrer Klasse hatten in mehreren klassenübergreifenden, vergleichenden Arbeiten Einser-Notenschnitte erzielt. Die Grundschullehrerin hatte diese Benotung der Gauß'schen Normalverteilung anzupassen, um die Zahl der Kinder, die auf höhere Schulen wechseln würden, dem niedrigeren Niveau der Parallelklassen anzupassen, schreibt die taz.

Nachdem sie offene Klage über die Zwänge eines selektiven Schulsystems geführt habe, weil es schon ab der zweiten Jahrgangsstufe auf Noten fixiert sei und Lehrer dazu zwinge, Versager zu produzieren, sei ihr am letzten Schultag die Versetzung an eine andere Schule mitgeteilt worden, so die taz.

Sabine Czerny zeigt kein Verständnis für die Kritik von Schulleitung und Schulamt, dass sie - an den Noten gemessen - zu erfolgreich unterrichtet hat. Statt zu fragen, mit welchen Methoden sie es geschafft habe, dass 91 Prozent der Kinder aus ihrer vierten Klasse auf Realschule und Gymnasium wechseln durften, sagt die Lehrerin, habe ihr das Schulamt nun vorgeworfen, "den Schulfrieden nachhaltig gestört zu haben".

Die Elternschaft will sich in einem offenen Brief an die Seite der Lehrerin stellen. In diesem Brief erklären sie: "Wir Eltern haben mit Staunen wahrgenommen, wie sich unter der Arbeit von Frau Czerny das Arbeitsverhalten unserer Kinder verbessert hat: Sie lernen gerne, sie wollen wissen und entdecken und sind mit Feuereifer bei der Sache."

"taz"-Artikel -> Störerin des Schulfriedens



MEDRUM-Artikel -> Die Perversion wird perfektioniert - Soll und Ist im deutschen Schulsystem