Lammert hält "schöne Anti-Trump-Rede"


13.02.17

Lammert hält "schöne Anti-Trump-Rede"

Stehende Ovationen für die Rede von Bundestagspräsident Lammert zu Beginn der Bundesversammlung

(MEDRUM) Bundestagspräsident Norbert Lammert hielt am Sonntag eine Begrüßungsrede zur Eröffnung der Bundesversammlung anläßlich der Wahl des Bundespräsidenten. Lammert bekam für seine Rede viel Beifall. Die Zeitung "Die Welt" nannte seine Rede eine "schöne Anti-Trump-Rede" und fügte hinzu: "Ovationen im Stehen".

Norbert Lammert ließ es sich nicht nehmen, zur Eröffnung der Bundesversammlung eine facettenreiche Rede zu halten, die in der Bundesversammlung sowie in den Medien ein starkes Echo fand. Lammer stellte in seiner Rede eine stattliche Zahl historischer Ereignisse heraus. Dabei ging er zurück bis auf das Jahr 1867, in dem am 12. Februar die konstituierende Sitzung des Reichstages des Nordeutschen Bundes stattfand. Ebenso erwähnte Lammert die Wahl der deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche im Jahr 1848. Neben Lammerts Erinnerungen aus der Demokratiegeschichte war seine Rede auch höchst aktuellen Vorgängen gewidmet. Er sprach dabei über die heutigen Herausforderungen, insbesondere über Werte, den demokratischen Zusammenhalt und die Europäer. Kritik übte Lammert - ohne den Namen des Präsidenten der USA zu nennen - vor allem an dem US-Präsidenten Donald Trump. Wörtlich sagte Lammert:

"Wer Abschottung anstelle von Weltoffenheit fordert und sich sprichwörtlich einmauert, wer statt auf Freihandel auf Protektionismus setzt und gegenüber dem Zusammenarbeiten der Staaten Isolationalismus predigt, wer damit zum Programm erklärt: Wir zuerst!, darf sich nicht wundern, wenn es ihm andere gleichtun – mit allen fatalen Nebenwirkungen für die internationalen Beziehungen, die uns aus dem 20. Jahrhundert bekannt sind.

Die wirklich großen Herausforderungen können unter den Bedingungen der Globalisierung allesamt nicht mehr von Nationalstaaten allein bewältigt werden, nicht in der Finanzwelt, nicht im Umgang mit den weltweiten Migrations­strömen, nicht im Kampf gegen den Terror oder gegen den Klimawandel. Das gilt gewiss für jedes einzelne Land in Europa, ebenso aber auch für unser großes Partnerland jenseits des Atlantiks, in dem vor wenigen Wochen ein vom Volk direkt gewähltes Staatsoberhaupt zugleich die Regierungsverantwortung übernommen hat.

Jeder Versuch, diese Herausforderungen je einzeln zu bewältigen, schafft mindestens so viele neue Probleme, wie damit angeblich gelöst würden. Wir Europäer werden nur durch das Teilen von Souveränität einen möglichst großen Rest von dem bewahren können, was früher die Nationalstaaten mit Erfolg reklamierten und heute allenfalls rückwärtsgewandte Zeitgenossen irrig für sich beanspruchen."

Die Welt ging in ihrem Artikel über die Wahl des Bundespräsidenten "Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten gewählt" auf Lammerts Rede ein und meinte: "Gegen Isolationismus und Protektionismus, gegen ein „Wir zuerst“ wendet sich Lammert. Eine schöne Anti-Trump-Rede."