Kinderkrippen im System der staatlichen Geburtenregelung

25.06.08


Kinderkrippen im System der "staatlichen Geburtenregelung"

Auch Kinderkrippen werden dem Kaiser nicht wirklich neue Kleider verpassen.

von Karl Heine

(MEDRUM) Um einer Übervölkerung in China entgegenzuwirken, hat China eine restriktive Ein-Kind-Politik rigoros durchgesetzt. Eine vergleichbare staatliche Regelung ist in der Bundesrepublik schon wegen der Grundfreiheiten, die der Staat gegenüber dem menschlichen Individuum zu beachten hat, undenkbar. Dennoch ist es auch in der Bundesrepublik Deutschland "gelungen", nahezu das gleiche Resultat wie China zu erzielen: 1,4 Kinder pro Frau. Wird eine größere Zahl von Kinderkrippen daran etwas ändern? Wer darauf eine Antwort sucht, muss besonders auch nach den wirtschaftlichen Gründen für die geringe Kinderzahl fragen. Wie kommt das?

Folgt man logischen Überlegungen und betrachtet einmal rein wirtschaftliche Kriterien, so wie dies die Internetseite "Familienwehr des Familiennetzwerkes" in ihren Überlegungen deutlich werden lässt, ist ein Faktum von zentraler Bedeutung festzuhalten:

Es ist in der Bundesrepublik schon lange nicht mehr lebensnotwendig, Kinder zu haben.

Dafür sorgen die Sozialtransfers, stellt Familienwehr heraus. Wer keine Kinder hat, wird im Alter durch die Nachkommensgeneration derjenigen mitversorgt, die Kinder in die Welt gesetzt haben. Man braucht also selbst keine Kinder für die eigene Rente oder Pflege im Alter. Es reicht aus, wenn andere für Nachkommenschaft sorgen. So sieht es das Sozialsystem vor. Selbst die Höhe der eigenen Altersversorgung bleibt nahezu unbeeinflusst davon, ob man selbst Kinder groß gezogen hat. Es bestehen also keinerlei Anreize für Nachkommen zu sorgen, um etwas für das eigene Überleben im Alter zu tun.

Im Gegenteil, wer aus anderen Beweggründen für Nachkommenschaft sorgt, muss in Kauf nehmen,

  • dass dies keine positive, sondern oft sogar negative wirtschaftliche Auswirkung auf die eigene Altersversorgung hat,
  • dass die eigenen Kinder einmal für die kinderlos Gebliebenen mit aufzukommen haben, und
  • dass er auch selbst noch erheblichen Verzicht zu Gunsten seiner Kinder und die Kinderlosen der Gesellschaft leisten muss, und schließlich auch noch grundsätzlich ein Armutsrisiko zu tragen hat.

Jeder, der bei der Frage der eigenen Nachkommenschaft wirtschaftlich denkt und nicht gerade zu jener Minderheit gehört, die einen eigenen Betrieb an seine Nachkommen weitergeben will, muss zwangsläufig die logische Folgerung ziehen: Kinder zu bekommen ist die unwirtschaftliste Alternative. Es gilt der kaum bestreitbare Zusammenhang:

Je mehr Kinder, desto unwirtschaftlicher wird es für den Einzelnen,
Nachkommen für die Gesellschaft der Bundesrepublik aufzuziehen
.

Das ist keine neue Erkenntnis, sie ist aber wichtig genug, in Erinnerung gerufen zu werden. Wer verhindern will, dass er in die Lage der wirtschaftlich Benachteiligten gerät, dem steht als letztes Mittel die Möglichkeit der straffreien und krankenkassenfinanzierten Abtreibung zur Verfügung. Auch das ist keine neue Erkenntnis, sie ist aber ebenso wichtig, immer wieder in das Bewusstsein gerückt zu werden: nach den Zahlen der amtlichen Statistik "gelingt" es immerhin in mindestens 130.000 Fällen pro Jahr, den wirtschaftlichen Abstieg und ungewollte Kinder zu verhindern. Die Kosten dafür sind beträchtlich. Zunächst kostet der Eingriff der Abtreibung selbst. Dann fallen - volkswirtschaftlich gesehen - die Kosten dafür an, dass diese Kinder in der nachkommenden Generation fehlen. Und schließlich, das ist jenseits wirtschaftlicher Überlegungen der ethisch bedenkliche Aspekt: es kostet jährlich mindestens 130.000 ungeborene Kinder ihr Leben. Die Verhinderung von Kindern ist nicht kostenfrei zu haben, sie ist ein äußerst "kostenträchtiges" Programm.

Staat und Gesellschaft lassen es sich also etwas kosten, mit wenigen Kinder dazustehen und das Einzelschicksal von wirtschaftlichen Nachteilen durch unerwünschte Nachkommen zu befreien. Wer dennoch Kinder bekommt, ist selbst dran schuld, würden Zyniker sagen, und soll dafür auch gefälligst grade stehen. So denken wohl viele, wenn auch vermutlich nicht die Mehrzahl der Bürger, aber offenbar doch genug, die es schon deshalb vorziehen, lieber kinderlos zu bleiben oder sich auf ein Kind zu beschränken. Die Zahl der "Single"-Haushalte spricht eine deutliche Sprache. Niemand sollte also verwundert sein, dass wir wenig, dass wir zu wenig Kinder haben. Es ist für viele schon eine Konsequenz wirtschaftlicher Überlegungen. Auch ein solcher Bedingungszusammenhang wird zu einer - wenn auch so nicht gewollten - Methode, Geburtenregelung zu betreiben. Wer die Dinge in Zusammenhängen zu sehen und zu denken versucht, dürfte nicht verwundert sein über solche Entwicklungen.

Wer nun glaubt, daran könnte sich künftig durch die zunehmende Zahl von Kinderkrippen etwas ändern, sollte sich auf Enttäuschungen gefasst machen. Auch die wachsende Zahl von Kinderkrippen wird an diesem Kalkül grundsätzlich nichts ändern. Kinderkrippen werden zwar die Erwerbstätigkeit der Elternteile erleichtern, sie werden aber weder besondere wirtschaftliche Anreize setzen noch heben sie die wirtschaftliche Benachteiligung der Familie auf. Sie tragen lediglich dazu bei, die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit in einkommensschwachen Schichten etwas zu erhöhen, die Armutsrisiken etwas mildern und nicht zuletzt werden die Krippen zu Gehilfen derjenigen, die weitere Gleichstellungserfolge feiern wollen. Großartige Anreize mehr Kinder haben zu wollen, dürften daraus jedoch kaum entstehen. So wird auch eine künftig größere Zahl von Kinderkrippen kaum verhindern, dass jährlich die Nachkommenschaft zweier Großstädte "frist- und beratungsgerecht" entsorgt wird. Positive Auswirkungen auf die Ergebnisse des "Systems der Geburtenregelung in der Bundesrepublik Deutschland" sind kaum zu erwarten.

Fazit: Auch Kinderkrippen werden dem Kaiser nicht wirklich neue Kleider verpassen.


Zuschriften an den Autor: Karl Heine


Information der Internetseite "Familienwehr": www.familienwehr.de