Bildungsministerin Schavan einmal mehr von Realitätsferne geplagt


21.10.08

Bildungsministerin Schavan einmal mehr von Realitätsferne geplagt

Studiengebühren halten Abiturienten vom Studium ab

(MEDRUM) Realitätsferne zeigte die deutsche Bildungsministerin Anette Schavan (CDU) gestern einmal mehr als sie offenbar nicht verstehen konnte, dass die Studiengebühren viele Abiturienten davon abhalten, ein Studium aufzunehmen.

Wie gestern bekannt wurde, ergab eine Studie, die vom Bildungsministerium in Auftrag gegeben worden war, dass eine große Zahl von 18.000 Abiturienten durch die Einführung von Studiengebühren in unionsgeführten Bundesländern abgeschreckt wird, an Deutschlands Universitäten zu studieren. Man müsse doch auch bedenken, dass BAFÖG-Leistungen erhöht worden seien, schien die Ministerin dem kritischen Befund der Studie  entkräftend entgegenhalten zu wollen, als sie auf diese Zusammenhänge angesprochen wurde. Weiß diese Ministerin eigentlich wie die Realität in deutschen Landen aussieht? Es dürfte auch nicht verwundern, dass es sich wohl in vielen Fällen um solche Abiturienten handelt, die aus so genannten bildungsferneren Schichten stammen. Ja, aus welchen Schichten denn sonst? Sicher nicht aus hochgebildeten Akademikerkreisen, die in der Regel auch nicht der sozial schwachen Schicht zuzuordnen sind. Wer wie diese Bildungsministerin vorgibt, etwas für die Bildung in diesem Land tun zu wollen, aber es zulässt, dass Studiengebühren eingeführt werden und dann auch noch ein Gesicht der Verwunderung aufsetzt, dass eine Gesellschaft, die dringend mehr universitär ausgebildete junge Menschen braucht, nicht in Massen an die Universitäten stürmt, der hat das Gespür für die Verhältnisse im Land verloren.

Dass ihr das Gespür für die Angemessenheit fehlt, zeigte Anette Schavan erst vor einigen Wochen, als sie eigens für ein Interview bei der Neuen Züricher Zeitung für einen Sonderflug einen Bundeswehrhubschrauber orderte, der von Berlin nach Stuttgart fliegen mußte, um die Ministerin von Stuttgart nach Zürich zu fliegen und anschließend wieder leer von Zürich nach Berlin zurückfliegen mußte. Kostenpunkt für diesen Sonderflug: ca. 26.500 Euro. Das unbedeutende Gespräch der Ministerin bei der Redaktion einer Schweizer Zeitung kostete den Steuerzahler eine ganze Menge. Mit diesem Geldbetrag hätten die Studiengebühren von 53 Studenten für ein Studiensemester bezahlt werden können. Auch in diesem Punkt verfehlte die Ministerin das Ziel der Angemessenheit.

Eines ist jetzt auch jetzt schon klar, wenn es um die Wirkung der Einführung von Studiengebühren geht: Niemand braucht dafür die Auswertung der Studie abzuwarten, um jetzt schon zu wissen, dass diese Maßnahme den vorgegebenen Bildungszielen und dem vielfach beschworenen Bildungsnotstand entgegen läuft. Hinter der Rhetorik der Ministerin steckte ein Gipfel der Ahnungs- und Sprachlosigkeit, just vor dem Bildungsgipfel der Bundesregierung. Da hilft Annette Schavan auch ihre vor sich her getragene Rhetorik eines ungläubigen Lächelns nicht. Ist es das Lächeln einer realitätsfernen Arroganz? Überheblichkeit und Abgehobenheit war auch bei einem offenen Brief des Netwerkes Bildungsfreiheit zu registrieren, der von über 700 Personen mitunterzeichnet wurde. Er war es Anette Schavan keine Antwort wert, die von ihr unterzeichnet war. Es wäre nicht neu, eine solche Abgehobenheit bei Politikern zu entdecken. "Warum so abgehoben, Frau Ministerin?", fragte schon "Bild" anläßlich des extravaganten Hubschrauberfluges.


MEDRUM-Artikel:

-> Zeitungsinterview der Ministerin Schavan kostet 26.500 Euro für Hubschraubersonderflug

-> Ministerium von Annette Schavan: Nein, kein Homeschooling, alles ist gut!

Bild-Artikel: -> Warum so abgehoben, Frau Ministerin?


Übersicht über Studiengebühren: -> Studienhemmende und barrierefreie Zonen