Zum Buch von Werner Thiede: "Der gekreuzigte Sinn"

23.04.08


ImageDas Kreuz - Fluch und Segen unseres Lebens im Spiegel der Selbstentäußerung Gottes

von Kurt J. Heinz

Das Kreuz, ein allgegenwärtiges Symbol der Christenheit, steht nicht nur für den neutestamentlichen Glauben und das finale Sein Jesu, sondern auch für Leid schlechthin: Krieg, Terror, Barbarei, Hass, Ausbeutung, Hunger, Elend, Krankheit und Tod sind Kreuze, die ungeliebte, oft unerträgliche Schatten auf unser menschliches Dasein werfen. Prof. Werner Thiede geht der Frage des Kreuzes und seinem Sinn auf den Grund.


Ungezählte Menschen leben im Schatten von körperlichem oder seelischem Schmerz, sind tagaus, tagein unermesslichem Leid ausgesetzt. Lässt sich solche Leid-Erfahrung mit dem Gedanken an Gott vereinbaren? Gibt es einen Sinn in diesem Kreuz? Die sogenannte Theodizee-Frage war in der Antike ebenso Gegenstand der geistigen Durchdringung (Sextus Empiricus: Grundriß der pyrrhonischen Skepsis) wie zu Beginn der Aufklärung (Leipniz: Essais de Théodicée sur la bonté de Dieu) oder auch in zeitgenössischen populären Darstellungen (Peter Hahne: Leid. Warum lässt Gott das zu?).

In seinem Buch "Der gekreuzigte Sinn" (2007, spanische Übersetzung in Vorbereitung) befasst sich nun der Professor für Systematische Theologie, Werner Thiede (Regensburg), mit dieser spannenden Fragestellung. Lässt sich die Aussage "Gott ist Liebe" aufrecht erhalten angesichts des ständig erfahrbaren Leidens? Gibt es eine plausible Antwort? Ist sie auf einen Nenner zu bringen mit der Erfahrung "Leben ist Leid"?

Werner Thiede wendet sich zunächst gegen die verbreitete Bestreitung der Möglichkeit einer Antwort in der modernen Philosophie und Theologie. Er reflektiert sodann kritische Ansätze aus der Philosophie Hegels und Nietzsches, um schließlich neutestamentlich und dogmatisch fundierte Antworten zu geben, die dem Leitgedanken der "Selbstentäußerung Gottes" folgen. Er geht der Sinnfrage im Angesicht des Kreuzes nach und spiegelt sie wider in der Selbstentäußerung Gott des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Damit versucht Thiede eine trinitarisch ansetzende Antwort auf das Theodizeeproblem zu geben. Sein Buch gibt reichlich "Anstoß zum selbstständigen Weiterdenken“, heißt es im Rheinischen Merkur, und seine Lektüre sei auch für gebildete Nicht-Theologen ein intellektueller Lesegenuss, betont die Zeitschrift „Diakrisis“.

In dieser Zeitschrift meint der Rezensent, der über 30 Jahre zahlreiche gymnasiale Oberstufen-Kurse zu verschiedensten Themen zu gestalten hatte: "Ein ungewöhnliches Buch, das außergewöhnliche Aufmerksamkeit verdient. Nicht sehr viele Autoren von theologischem Format haben die Gabe, Leser so in den Bann zu ziehen wie in diesem Fall der Systematiker Werner Thiede von der Universität Erlangen-Nürnberg. Eines ist gewiss: Theologen wie Nicht-Theologen, Christen wie Agnostiker, Fragende wie Suchende und Zweifler – sie alle dürften mit diesem Band gleichermaßen auf ihre Kosten kommen."

Wer auf der Suche nach einer tiefgehenden Antwort ist, erhält durch die Lektüre nicht nur reichlich Anregung zum Nachdenken und Überdenken, sondern gewinnt auch neue Zugänge und Einsichten.

Zum Autor

Der Theologe und Publizist Prof. Dr. theol. habil. Werner Thiede ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern und lehrt seit 2000 Systematische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg; von deren Rektor wurde er 2007 zum apl. Professor ernannt. Seit Oktober 2006 ist er Theologischer Referent beim Regionalbischof im Kirchenkreis Regensburg. Werner Thiede war zuvor letzter eigenständiger Chefredakteur des „Evangelischen Sonntagsblatts aus Bayern“ (Rothenburg o.d.Tbr.). Weitere Informationen unter: www.werner-thiede.de.

Das Buch von Werner Thiede ist 2007 im Gütersloher Verlagshaus erschienen (1. Auflage, ISBN 978-3-579-08012-3, 29,95); Bestellung bei Amazon.de.