Umstrittene Zeitungsausgabe "Q-rage" aus dem Internet entfernt


17.12.08

Umstrittene Zeitungsausgabe "Q-rage" aus dem Internet entfernt

Druckexemplare an die Schulen verteilt

(MEDRUM) Die mit Bundesmitteln geförderte Zeitung "Q-rage", die Anlass zu scharfen Kontroversen mit der Bundeszentrale für politische Bildung gab, ist seit gestern aus dem Internetportal "Schule-ohne-Rassismus" entfernt.

Das Internetportal "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" ist ein Projekt des Vereins "AktionCourage e.V.", das von verschiedenen staatlichen Stellen, insbesondere der Bundeszentrale für Politische Bildung (BpB) gefördert wird. Das Projekt wurde gegründet, um Rassismus zu bekämpfen. Ende November erschien die Zeitschrift "Q-rage" mit der 4. Ausgabe, die einen Artikel "Die evangelikalen Missionare" enthielt. In diesem Artikel wurden allerdings nicht der Rassismus, sondern die evangelikalen Christen in Deutschland bekämpft. So wurde behauptet, die Evangelikalen verbreiteten verfassungsfeindliche Ideologien. Der Präsident der BpB stellte die Evangelikalen sogar auf eine Stufe mit den Islamisten, weil sie angeblich wichtige Freiheitsrechte in Frage stellen würden.

Nach scharfem Protest des Generalsekretärs der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, und des Geschäftsführers des Christlichen Medienverbundes, Dr. Wolfgang Baake, gegen die Verleumdung evangelischer Christen, distanzierte sich der Präsident der BpB, der ehemalige SPD-Abgeordnete des Deutschen Bundestages Thomas Krüger, von einer Gleichsetzung evangelikaler Gruppen mit dem Christlichen Fundamentalismus. Zugleich lud Krüger die Evangelische Allianz ein, mit den Verfassern des Artikels deren Position öffentlich zu debattieren.

Auch der Hochschullehrer für Kommunikation,  Prof. Dr. Wolfgang Stock, teilt in einem heute erschienen Gastkommentar bei "idea" die Kritik an der Bildungsarbeit der BpB. "Verleumdung auf Steuerzahlerkosten" lautet sein Fazit. Er hält den Verantwortlichen vor, sich am Aufbau eines neuen "Feindbildes" zu beteiligen, das sich gegen gläubige Christen wendet. "Müssten Christen nicht mehr ihre Stimme erheben?", fragt er und ermuntert dazu, dies im neuen Kirchenjahr auch zu tun.

Der umstrittene Artikel auf Seite 11 der neuesten Ausgabe der Zeitschrift "Q-rage" war bis zum Ausbruch der Kontroverse im Internetportal von Schulen-ohne-Rassismus unter der URL http://www.schule-ohne-rassismus.org/fileadmin/pdf/q-rage-ausgabe-04-web-komplett.pdf abrufbar. Die umstrittenen Behauptungen konnten so an der Quelle nachgelesen werden. Seit gestern ist diese Zeitungsausgabe, die in der Auflagenhöhe von 1.000.000 Exemplaren an 20.000 deutsche Schulen verteilt wurde, jedoch aus dem Internetportal entfernt. MEDRUM-Lesern kann jedoch auf Anfrage eine Abschrift des Artikels bereitgestellt werden. Die wichtigsten Aussagen des Artikels können auch im MEDRUM-Artikel "Anti-christliche und anti-religiöse Propaganda für Schüler" vom 12.12.08 nachgelesen werden.

Der Vorsitzende der "Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern (KSBB)", Andreas Späth, der wie die Evangelische Allianz zu den diffamierten evangelischen Christen gehört, zeigte sich über die Entfernung der Zeitung aus dem Internet überrascht. Auch die KSBB hatte über die Vorgänge berichtet. Die Gründe für den Rückzug sind weder ihm noch MEDRUM bekannt. Er könnte sich bei Bedarf jedoch damit behelfen, den Artikel auf Papier nachzulesen, denn die Zeitung ist rechtzeitig vor den Schulferien bei ihm eingetroffen. Die Lektüre dürfte ihm allerdings wenig Freude bereiten, wie ihm anzumerken war.

MEDRUM-Artikel -> "Anti-christliche und anti-religiöse Propaganda für Schüler"


Pressemitteilung -> Bundeszentrale für politische Bildung