Sie sind hier

Teilnahme am theologischen Symposium des Rates der EKD möglich


12.09.13

Teilnahme am theologischen Symposium des Rates der EKD möglich

Experten und interessierte Teilnehmer sollen die Orientierungshilfe des Rates der EKD zum Thema Ehe und Familie in den Blick nehmen und diskutieren

(MEDRUM) Wie MEDRUM berichtete, wird der Rat der EKD am Samstag, 28. September 2013, ein theologisches Symposium zur Orientierungshilfe Familie veranstalten. Wie der Rat der EKD mitteilte, können interessierte Zuhörer teilnehmen.

ImageTheologische Kernfragen

Aufgrund zahlreicher, zum Teil auch heftiger Reaktionen, hat der Rat der EKD entschieden, sich vor allem mit den theologischen Kernfragen seiner Orientierungshilfe zum Thema Ehe und Familie (Bild links, "Zwischen Autonomie und Angewiesenheit") zu befassen. So bezeichnete Ulrich Eibach, Professor für Systematische Theologie und Ethik, den theologischen Teil des Papiers als den "mit Abstand schwächsten". Zwar gibt die Orientierungshilfe laut Eibach "viele bedenkenswerte sozialgeschichtliche, soziologische und rechtliche Informationen und auch gute Anregungen", wie mit den vielfältigen Herausforderungen an die Familien in einer sich "schnell wandelnden, soziale Flexibilität fordernden ökonomisierten Gesellschaft" umgegangen werden könne und solle, aber, so hält Eibach auch fest: "Ihrem Anspruch, aus der biblischen Tradition heraus ein Menschenbild zu entfalten, das den vielfältigen Herausforderungen an die Familien gerecht wird und auf sie antwortet, entspricht die Orientierungshilfe mitnichten". Diese Einschätzung wird unter anderem auch durch eine badische Initiative mit bundesweiter Unterstützung (darunter auch Altbischof Wilckens) belegt, die brennende Fragen an den Rat der EKD gestellt hat (Badische Initiative verstärkt bundesweiten Protest gegen EKD-Familienpapier).

In einem ersten Schritt will nun der Rat der EKD ein theologisches Symposium abhalten, bei dem das Familienpapier der EKD etwa dreieinhalb Stunden lang in den Blick genommen werden soll. Veranstaltungsort ist die Friedrichstadtkirche, Beginn ist um 10.30 Uhr.

Moderiert wird die Veranstaltung von Prof. Christoph Markschies, Vorsitzender der Kammer für Theologie der EKD. Als Vortragende sind angekündigt: unter anderem die Ethiker Prof. em. Wilfried Härle (Heidelberg) und Prof. Klaus Tanner (Heidelberg) sowie die Exegetin Prof. Christine Gerber (Hamburg).

Im Anschluss an die Fachvorträge besteht Gelegenheit zur Diskussion.

Eine Dokumentation der Beiträge wird die Veranstaltung auch für Interessierte zugänglich machen, die eine persönliche Teilnahme nicht ermöglichen können.

Die Veranstaltung wird gegen 14.00 Uhr mit einem Mittagsimbiss schließen.

Interessierte Teilnehmer werden zur Planung des Mittagsimbisses um eine kurze Rückmeldung unter folgender Email-Adresse gebeten: → rv@ekd.de

Hartmut Steeb: Nicht nur theologische, auch soziologische, historische und sozialkritische Schwachpunkte

Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, hält das Symposium für nötig. Im Interview mit dem ERF (Evangeliums-Rundfunk e. V.) sagte Steeb: "Es ist sicherlich eine notwendige Antwort, dass man noch einmal in sich geht und fragt, was haben wir eigentlich gemacht und was müsste jetzt geschehen. Dass es die allein richtige Antwort sein kann, bezweifle ich. Aber jetzt will ich gerne einmal abwarten, was aus dem Symposium rauskommt. Wenn das Symposium feststellen würde, dass es dringend notwendig ist, dass die EKD diese sogenannte Orientierungshilfe zurückzieht und ein neues Papier zum Theme Ehe und Familie macht, dann wäre das ein sehr gutes Ergebnis. Insofern: Warten wir mal ab, was es bringt."

Gefragt, wo Steeb die größte Schwachstelle sieht, unterstrich er zunächst die Kritik an der theologischen Fundierung, nannte aber auch weitere Schwachstellen. "Es ist theologisch sehr, sehr dünn. Ich halte es aber auch soziologisch für nicht sehr gut, wie es zum Teil gerühmt wird." Steeb begründete seine Kritik an den soziologischen Aussagen mit dem Beispiel, dass es einfach falsch sei, wenn, wie im Papier gesagt werde, die bürgerliche Ehe sei erst nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland so richtig etabliert worden. Steeb: "Dies ist historisch falsch und stimmt in der soziologischen Sichtweise nicht. Ich habe den Eindruck, man hat so ein paar soziologische und historische Erkenntnisse genommen, die reinpassen ins System, und anderes, ganz Wichtiges zum Thema Familie, hat man einfach bei Seite gelassen. Also ich halte es auch soziologisch nicht für ausgewogen. Und auch der historische Befund, etwa die Beurteilung dessen, was Martin Luther zur Ehe gesagt hat, ist äußerst dünn, schwach, um nicht zu sagen, es ist auch falsch."

Das Argument, die EKD ziehe sich darauf zurück, das Papier habe keine theologische Bestimmung der Ehe leisten wollen, dies sei vorausgesetzt worden, ließ Steeb nicht gelten. Wenn man dies vorausgesetzt habe, so hätte man dies auch sagen müssen. Dafür habe es die Möglichkeit eines Vorwortes gegeben oder einer öffentlichen Erlärung. Das habe die EKD jedenfalls so ursprünglich nicht erklärt. Wenn man das jetzt sage, sei es ja gut und man dürfe dies zur Kenntnis nehmen. Aber schon das Wort Orientierungshilfe sei doch dann völlig verkehrt, wenn man keine Orientierung geben, sondern nur einen Zustand beschreiben wolle.

Weiter zeigte sich Steeb auch über ein Defizit an sozialkritischen Aussagen überrascht. Es wundere ihn, dass die EKD völlig marktökonomisch argumentiere. Ehe und Familie werde ganz unter dem Gesichtspunkt Wirtschaft und wirtschaftliche Absicherung der Familie behandelt.

Insgesamt zieht Steeb als Fazit, seien so viele Schwachpunkte im Papier, dass es einer gründlichen Überarbeitung bedürfe.

Hartmut Steebs Stellungnahme im Audio-Format beim Evangeliums-Rundfunk e. V. (ERF): → Das Familienpapier der EKD

Nach dem Symposium will sich der Rat der EKD im Oktober 2013 erneut mit der Orientierungshilfe befassen.


11.09.13 Katholische Bischöfe halten an der Ehe und ihrer besonderen Bedeutung fest MEDRUM
08.09.13 Schneider: Theologische Bestimmung der Ehe leistet EKD-Familienpapier nicht MEDRUM
06.09.13 Badische Initiative verstärkt bundesweiten Protest gegen EKD-Familienpapier MEDRUM

Leserbriefe

Eine Umkehrung, wie etliche fordern, ist m.E. nicht möglich. Die Ev. Kirche im Rheinland hat 1996 ein sogenanntes „Diskussionspapier“ herausgegeben mit dem Titel „Sexualität und Lebensformen/Trauung und Segnung“. Der damalige Präses der EKiR, Dr. Peter Beier, schrieb damals in seinem Vorwort: „Ich vertraue darauf, daß der Geist, der uns in die Schrift und in die Wahrheit führt, unsere Gemeinschaft am Evangelium nicht zerreißt, sondern festigt.“

Er muss was geahnt haben. Das Papier hat Entrüstung auch bei einigen Lehrstuhlinhabern ausgelöst und es kam zu einem Symposium in der Ev. Akademie Mülheim/Ruhr. 1997 gab es darüber eine Zusammenfassung der wesentlichen Beiträge unter dem Titel „.. und hätten der Liebe nicht“ (Presseverband der EKiR).

Als ein „Insider“ hat noch 1996 Prof. Dr. Ulrich Eibach, Bonn dazu ein aufklärendes und korrigierendes Buch geschrieben: „Liebe, Glück und Partnerschaft“ (R.Brockhaus-Verlag) Untertitel: Sexualität und Familie im Wertewandel. Leider hat dieses Buch weder die gebührende Beachtung erfahren, noch hat es auf akademischer Ebene eine weitere (veröffentlichte) Diskussion gegeben, noch hat es m.E. nach Protesten bei der Rheinischen Landessynode eine weiterführende Diskussion auf kreiskirchlicher Ebene gegeben. Stattdessen wurde die Trauagende geändert für den Bereich der UEK in der EKD und schließlich das Pfarrdienstgesetz der EKD. Liturgie-Bausteine für entsprechende Verpartnerungs-Gottesdienste sind in Umlauf, seit 1996.

Die EKD-Schrift „Verlässlichkeit und Verantwortung stärken“ aus dem Jahr 2000 erschien damals gesellschaftlich geboten und hätte gereicht. Jetzt haben wir einen Trümmerhaufen, gnade uns Gott.

Mit freundlichem Gruß
R. Schmitz
Predigthelfer der EKiR