Schweizer Bischof Huonder: Genderismus zerstört Ehe und Familie


09.12.13

Schweizer Bischof Huonder: Genderismus zerstört Ehe und Familie

Hirtenwort des Bischofs von Chur an beunruhigte Gläubige zum Tag der Menschenrechte - Medien fühlen sich provoziert

(MEDRUM) Das in die deutsche Sprache eingewirkte Wort "Gender" löst nach Auffassung des Schweizer Mediums "Südostschweiz" Wirbel aus. Ursache dafür ist das Hirtenwort von Bischof Vitus Huonder, das er als Bischof von Chur zum Tag der Menschenrechte an die Gläubigen gerichtet hat. Der Bischof warnt vor dem "Genderismus", weil er unter anderem Ehe und Familie zerstöre.

"Wieder Ärger im Bistum Chur", schreibt die "Südostschweiz.de". Der Bischof provoziere mit Aussagen zur Homosexualität. "Mehrere Zeitungen zitierten am Sonntag aus dem «Wort des Bischofs»", so das Medium. Die Wiener Zeitung etwa stellt das  Hirtenwort unter die Überschrift "Schweizer Bischof wettert gegen Homosexuelle".

Was ist passiert?

Der Bischof hat von seinem Recht Gebrauch gemacht, ein Hirtenwort zu verfassen. Er hat sein Wort unter eine Überschrift gestellt, mit der er die Mahnung von Papst Benedikt XVI. vor dem Kardinalskollegium vom Dezember 2012 aufgreift: GENDER - DIE TIEFE UNWAHRHEIT EINER THEORIE.

ImageGläubige immer mehr beunruhigt

Der Bischof erklärt, warum er das tut: " In diesem Jahr möchte ich ... mich zur Ideologie des Genderismus, kurz Gender, äußern. Ich tue dies nicht zuletzt auch deshalb, weil sich immer wieder Gläubige in dieser Sache an mich wenden. Sie sind beunruhigt durch die staatliche Vereinnahmung ihrer Kinder zugunsten des Genderismus und durch die politische Infragestellung von Ehe und Familie."

Kritik am Genderismus ist grundlegend

In seinem Wort, das der Ehe und Familie gewidmet ist, stellt Huonder grundlegende Kritik am "Genderismus" heraus, insbesondere dass er die Schöpfungsordnung und Vorgabe der Natur leugne, dass er wissenschaftllich unhaltbar sei, dass er der Frau, dem Mann und dem Kind schade, die Ehe und Familie zerstöre und totalitäre Züge annehme (Grafik links).

Der Genderismus zerstört Ehe und Familie

Zur Zerstörung von Ehe und Familie führt der Bischof aus:

"Die Ehe beruht auf der gegenseitigen Ergänzung von Mann und Frau. Ehe und Familie sind die Grundeinheit der Gesellschaft (vgl. die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948). Sie sind die Bedingung für den Erhalt der Gesellschaft und ihre kulturelle Entfaltung.

Sie setzen die verbindliche und dauerhafte Einheit von Mann und Frau voraus. Der Genderismus betrachtet jede sexuelle Praxis (lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell) als gleichwertig mit der Heterosexualität. Alle Lebensformen sollen zur "Ehe" und damit zu künstlichen Reproduktionsmethoden und zur Kinderadoption berechtigen. Dem Menschen wird auf diese Weise die moralische Orientierung für den rechten Gebrauch seiner Freiheit genommen, der ihn zur Elternschaft befähigt, zur Aufgabe einer Mutter oder eines Vaters."

Papst Benedikt: Unwahrheit und anthropologische Revolution offenkundig

Bereits Papst Benedikt XVI. wies auf die zerstörerische Wirkung der Gender-Ideologie hin, als er am 21. Dezember 2012 vor dem Kardinalskollegium und der Kurie sagte. "Die tiefe Unwahrheit dieser Theorie und der in ihr liegenden anthropologischen Revolution ist offenkundig ... Wo die Freiheit des Machens zur Freiheit des Sich-selbst-Machens wird, wird notwendigerweise der Schöpfer selbst geleugnet und damit am Ende auch der Mensch als göttliche Schöpfung, als Ebenbild Gottes im Eigentlichen seines Seins entwürdigt. Im Kampf um die Familie geht es um den Menschen selbst. Und es wird sichtbar, dass dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst."

Evangelische Kirche in Deutschland noch ohne Problembewusstsein?

Weniger kritisch beim Umgang mit der Gender-Theorie scheint sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zu verhalten. Der Rat der EKD brachte im Sommer 2013 eine so genannte "Orientierungshilfe" heraus, mit der unterschiedliche Lebensformen nach dem Eindruck vieler Kritiker als gleichwertig nebeneinander dargestellt werden. Die Kritiker vermissen darin eindeutige Aussagen zu "Ehe und Familie". Sie kritisieren insbesondere, dass die auf der Ehe beruhende Lebensform in der EKD-Schrift, die von einer Ad-hoc-Kommission verfasst wurde, keine Leitbildfunktion habe und die theologischen Grundlagen des Papiers unzureichend seien. So brachte der renommierte Theologe Härle bei einem theologischen Symposium über das Familienpapier besonders das reformatorische Schriftprinzip in Erinnerung und empfahl dem Rat, eine ergänzende Erklärung herauszugeben, um Missverständnisse zu beseitigen. Auch der evangelische Theologe Ulrich Eibach übte massive Kritik. Der "Einfluss der sogenannten Gender-Ideologie" auf das Papier sei "unverkennbar". Die Kirche sei "zutiefst von der Säkularisierung erfasst" und werde "von den herrschenden gesellschaftlichen Kräften und Anschauungen beeinflusst" anstatt selbst Einfluss zu nehmen, so Eibach. Sogar der Vorgänger des amtierenden Ratsvorsitzenden Schneider, Altbischof Wolfgang Huber, äußerte sich kritisch und meinte, die Ad-hoc-Kommission hätte sich besser auf den ursprünglichen Auftrag beschränken sollen, Ehe und Familie zu stärken (MEDRUM berichtete mehrfach).

Der Ratsvorsitzende der EKD, Präses Nikolaus Schneider räumte zwar ein, dass das Familienpapier theologische Defizite habe, hat sich jedoch bislang nicht bereit erklärt, die Schrift überarbeiten zu lassen. Das einzige Zugeständnis, das er offenbar machen will, ist, ein weiteres Papier herauszugeben, in dem das evangelische Verständnis von der Ehe dargestellt werden soll. In der logischen Konsequenz läge es, wenn die EKD dann ebenso ein Papier zum Verständis von gleichgeschlechtlichen, bisexuellen, transsexuellen und polyamoren Lebensformen herausgeben würde. Eine Ankündigung dazu gibt es allerdings bisher noch nicht.

Zastrow: Zuweisung von Identität und Geschlechtsumwandlung

Mehr Problembewusstsein beim Umgang mit der Gender-Theorie als in der EKD hat es bisher nicht nur in der katholischen Kirche, sondern auch bei Medienvertretern gegeben. Kritik an der geschlechterauflösenden Gender-Theorie wurde bereits vor mehreren Jahren geübt. Der Journalist Volker Zastrow wies 2006 in einem Artikel in der FAZ auf eine von den Gender-Anhängern politisch gewollte "Geschlechtsumwandlung" ein. Dass die Gender-Theorie in der Tiefe der menschlichen Existenz ansetzt, erkannte auch Zastrow: "Vielmehr behauptet „Gender“ in letzter Konsequenz, daß es biologisches Geschlecht nicht gebe. Die Einteilung der Neugeborenen in Jungen und Mädchen sei Willkür, ebensowohl könnte man sie auch nach ganz anderen Gesichtspunkten unterscheiden, etwa in Große und Kleine. Daher liege bereits in der Annahme der Existenz von Geschlecht eine letztlich gewalthafte Zuweisung von Identität: die „heterosexuelle Matrix“. Das Ziel, so Zastrow, greife hoch hinaus: "Es will nicht weniger als den neuen Menschen schaffen, und zwar durch die Zerstörung der „traditionellen Geschlechtsrollen“. Schon aus diesem Grunde muß das als Zwangsbegriff verneinte „Geschlecht“ durch „Gender“ ersetzt werden. Und möglichst schon in der Krippenerziehung soll mit der geistigen Geschlechtsumwandlung begonnen werden."

ImageDie globale sexuelle Revolution

Wie grundlegend beim Genderismus die menschliche Existenz berührt ist, zeigte ebenso die Publizistin und Soziologin Gabriele Kuby in ihrem Buch "Die Gender Revolution - Relativismus in Aktion" auf (4. und letzte Auflage 2008). Sie lieferte 2012  mit ihrem Opus Magnum "Die globale sexuelle Revolution" eine umfassende Analyse eines Geschehens, das über Jahrzehnte hinweggreift, und, so die Autorin, auf eine Kulturrevolutioin hinausläuft, die freiheits- und menschenzerstörend ist. Papst Benedikt XVI. nahm das Buch der Autorin mit den Worten entgegen: "Gott sei Dank, dass Sie reden und schreiben".

Kubys Analyse wird auch durch andere Experten bestätigt. So beispielsweise durch den Hirnforscher Manfred Spreng und den Religionsphilosophen Harald Seubert, die das Konstrukt des "Gender Mainstreaming" zerlegen, die in ihrem Buch über die "Gender-Ideologie" die Irrtümer der Theorie nachweisen und vor der "Vergewaltigung der menschlichen Identität" warnen. Beide haben - wie auch der Naturrechtler Waldstein und der Philosoph Robert Spaemann - Kubys Werk dringend zur Lektüre empfohlen.

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MEDRUM dokumentiert das Hirtenwort des Bischofs von Chur:

GENDER - DIE TIEFE UNWAHRHEIT EINER THEORIE

Wer sich an den Bischof oder das Bistum wenden will, kann dies per Email tun: → briefkasten@bistum-chur.ch


 Buchempfehlungen

Vergewaltigung der menschlichen Identität - Über die Irrtümer der Gender-Ideologie

Gehirnforscher Manfred Spreng und Religionsphilosoph Harald Seubert zerlegen
das Konstrukt des Gender Mainstreaming

„Die globale sexuelle Revolution. Zerstörung der Freiheit im Namen der Freiheit”

von Gabriele Kuby

(mittlerweile vom Deutschen in 4 weitere Sprachen übersetzt
und erschienen in Polen, Kroatien Slowakei und Ungarn)


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08.12.13 Schweizer Bischof wettert gegen Homosexuelle Wiener Zeitung