Priesterbruderschaft St. Pius X. zur Frage des Ultimatums von Kardinal Castrillón Hoyos

03.07.08


Priesterbruderschaft St. Pius X. zur Frage des Ultimatums von Kardinal Castrillón Hoyos

Das Generalhaus der Priesterbruderschaft St. Pius X. bezüglich der Antwort auf das Ultimatum, das der Bruderschaft gestellt wurde, hat folgende Erklärung abgegeben:

Am 4. Juni 2008 hat sich Mgr. Bernard Fellay, Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Pius X., begleitet von Pater Alain-Marc Nély, dem 2. Generalassistenten, auf die Bitte von Kardinal Dario Castrillón Hoyos, Präsident der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, nach Rom begeben.

Im Verlauf der Unterhaltung hat ihm der Kardinal ein Memorandum in Form eines Ultimatums überreicht und gefordert, bis zum Ende des Monats Juni darauf zu antworten. Am 23. Juni machte die italienische Tageszeitung Il Giornale entgegen der gebräuchlichen Umgangsform die Existenz dieses Ultimatums bekannt und gab am folgenden Tag in ihrer elektronischen Ausgabe den Inhalt preis. Die Information wurde in den folgenden Tagen durch die gesamte internationale Presse aufgegriffen. So kam zur Dringlichkeit des Ultimatums der Druck der Massenmedien hinzu.

Das Dokument von Kardinal Castrillón Hoyos stellt fünf Forderungen auf: Außer einer positiven Antwort vor Ende Juni muss sich die Priesterbruderschaft St. Pius X. in der Person ihres Generaloberen zu Folgendem verpflichten:

  1. Zu „einer der Großherzigkeit des Papstes entsprechenden Antwort“;
  2. zum „Vermeiden jeder öffentlichen Stellungnahme, welche die Person des Heiligen Vaters nicht respektieren würde und die negativ wäre für die kirchliche Liebe“;
  3. zum „Vermeiden der Anmaßung eines über dem Heiligen Vater stehenden Lehramtes und der Darstellung der Bruderschaft als in Opposition zur Kirche stehend“;
  4. „den Willen zu bezeugen, in aller kirchlichen Liebe ehrlich zu handeln und in der Ehrfurcht vor der Autorität des Stellvertreters Christi“.

Man sieht, wie der sehr allgemeine, um nicht zu sagen ungenaue Charakter der vorgebrachten Forderungen sich bemerkenswert abhebt von der Dringlichkeit des Ultimatums. Diese Bedingungen scheinen eher ein günstiges Klima für einen zukünftigen Dialog im Auge zu haben als genaue Verpflichtungen bezüglich feststehender Punkte. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. wünscht, dass dieser Dialog im lehrmäßigen Bereich geführt werde und alle Fragen einschließt, welche, wenn sie umgangen würden, das Risiko eines in der Überstürzung erarbeiteten kirchenrechtlichen Status nichtig machen würden. Sie glaubt, dass die Zurücknahme der Exkommunikationsdekrete des Jahres 1988 die ruhige Gelassenheit eines solchen Dialoges begünstigen würde.

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. maßt sich nicht an, ein über dem Heiligen Vater stehendes Lehramt auszuüben, noch sucht sie sich der Kirche zu widersetzen. In der Nachfolge ihres Gründers will sie weitergeben, was sie selbst empfangen hat, d. h. „was immer, was überall und was von allen geglaubt worden ist“. Sie macht das Glaubensbekenntnis von Erzbischof Lefebvre vom 24. September 1975, das er an Paul VI. richtete, zum ihrigen: „Jesus Christus hat seinem Stellvertreter das Amt übertragen, seine Brüder im Glauben zu stärken und ihn beauftragt, darüber zu wachen, dass jeder Bischof das Glaubensgut treu bewahrt, gemäß den Worten des hl. Paulus an Timotheus.“

In diesem Sinn hat Mgr. Fellay am Donnerstag, dem 26. Juni 2008 auf das Ultimatum hin Papst Benedikt XVI. geantwortet. Kardinal Castrillón Hoyos hat am Tag darauf einfach den Eingang dieser Antwort bestätigt.

Bis auf weitreichendere Informationen wird es keinen Kommentar geben.

Menzingen, am 1. 07. 2008


 

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. erklärt über sich selbst: 

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. wurde am 1. November 1970 durch den Bischof von Freiburg, Genf und Lausanne, Mgr. Charrière, als Glied der römisch-katholischen Kirche kanonisch errichtet. Ihr Gründer ist der französische Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991), ehemaliger Missionar und Apostolischer Delegat für das französischsprechende Afrika.

Im Jahre 1974 erklärte Mgr. Lefebvre: "Wir hängen mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele am katholischen Rom, der Hüterin des katholischen Glaubens und der für die Erhaltung dieses Glaubens notwendigen Traditionen, am Ewigen Rom, der Lehrerin der Weisheit und Wahrheit. Wir lehnen es hingegen ab, und haben es immer abgelehnt, dem Rom der neo-modernistischen und neo-protestantischen Tendenz zu folgen, die klar im Zweiten Vatikanischen Konzil und nach dem Konzil in allen Reformen, die daraus hervorgingen, zum Durchbruch kamen."

Insbesondere lehnt die Priesterbruderschaft St. Pius X. die Umformung der hl. Messe ab, wie sie im Gefolge des II. Vatikanischen Konzils durchgeführt wurde. Die sog. "Neue Messe" Papst Pauls VI. enthält nach den Worten Erzbischof Lefebvres "ein für den Glauben schädliches Gift".