Ordensleute gegen Ausgrenzung

Ordensleute gegen Ausgrenzung

Vor den Gefängnismauern der Not

Am Samstag 21. Juni 2008, 15 Uhr, findet die Gebets- und Mahnwache vor der Abschiebehaft in Berlin-Köpenick, Grünauerstr. 140 statt. Die Jesuiten laden herzlich dazu ein, an dieser Gebets- und Mahnwache für die Schwachen teilzunehmen. Der Veranstalter sagt:

"Bei den Mahn- und Gebetswachen

  • hören wir die Geschichten der Gefangenen und sehen das Gefängnis;
  • stellen wir uns der Not der Inhaftierten, aber auch unserer eigenen Not angesichts des Unrechts deutscher Behörden, politischer Richtlinien, "Volksmeinungen", ... und unserer Hilflosigkeit, darauf angemessen zu reagieren;
  • singen wir und lesen aus der Bibel;
  • dann werden wir still und hören auf unser inneres Verlangen;
  • wir tauschen uns über die biblische Hoffnung aus;
  • nennen unsere Gefühle, suchen nach Symbolen unserer Klage und unseres Gebetes;
  • singen und bitten um Gottes Segen gegen das Vergessen und für den Mut, das zu tun, was jeder und jedem an seinem Ort möglich ist, damit unser Land einmal wegen seiner Gastfreundschaft gepriesen wird und wegen seines Einsatzes für mehr Gerechtigkeit zwischen den Völkern und Nationen ohne Rücksicht auf Rasse und Geschlecht.

Wir laden ganz herzlich dazu ein, mit uns etwa eine Stunde vor diesen Mauern zu stehen.

 

Seit September 1995 trifft sich die Gruppe "Ordensleute gegen Ausgrenzung" regelmäßig vor der ehemaligen Frauenhaftanstalt der DDR.

Sie wurde für 26 Millionen DM zur Abschiebehaftanstalt für 350 Personen umgebaut und im Oktober 1995 eröffnet. Für manche Menschen ohne deutschen Paß ist der Aufenthalt nur von kurzer Dauer, andere können dort - und zwar nicht wegen eines kriminellen Delikts - bis zu 1,5 Jahren inhaftiert werden. Menschen aus allen Kontinenten -- vorwiegend
aus Afrika, Asien und Osteuropa -- befinden sich in Abschiebehaft. Auch Jugendliche, Schwangere, Eltern von kleinen Kindern, psychisch und physisch Kranke sind unter ihnen. Die Bedingungen, unter denen sie untergebracht sind, entsprechen weitgehend denen einer Strafhaft. Hinzu kommt ein extremer psychischer Druck durch die Unsicherheit, wann und wie die Haft enden wird: mit Abschiebung oder Entlassung. Die Menschen werden häufig geradezu in Käfigen gehalten: in den Hafträumen ist ein Meter vor dem Fenster oft noch ein Gitter. So können sie nicht an die
nochmals vergitterten Fester treten, hinaussehen, sie öffnen oder schließen.

Gegen die unwürdige Behandlung dieser Menschen in Not protestieren wir und denken an diesem herausfordernden Ort - also vor den Mauern des reichen Europas -- über unsere Gesellschaft nach. Die Inhaftierten sollen aus Europa verschwinden, sollen vor den Mauern Europas leben. Wir wissen, dass in den letzten Jahren Menschen beim Grenzübertritt in die EG starben, ähnlich wie an der alten Berliner Mauer.

Wir stehen vor diesen Gefängnismauern mit unseren Grenzerfahrungen, mit unserem Ärger und Schweigen. Sind wir nun vom europäischem Festungsdenken starr geworden? Oder bereiten wir uns darauf vor, diese Mauern zu sprengen, und alle anderen unsichtbaren Mauern in unserer Gesellschaft? Die Mauern des Rassismus, der Ausbeutung, der Verachtung, der Besitz- und Einflußsicherung, ...?


Die Abschiebehaft in Berlin-Köpenick nahe Haltestelle Rosenweg Tram 68 (Verbindung zwischen S-Bahn Grünau und
S-Bahn Köpenick).