Ministerin von der Leyen: Kein gutes Alter ohne Ehrenamt

20.05.08


Frage an Ministerin von der Leyen: Kein gutes Alter ohne Ehrenamt oder ohne Familie?

(MEDRUM) Kein gutes Alter ohne Ehrenamt oder ohne Familie? So könnte die Frage an die Ministerin für Familie und Senioren Ursula von der Leyen lauten, wenn es um die Pflege der älteren Menschen und ihr Dasein im Alter geht. Die Pflege scheint ein ständig wachsendes Problem zu werden. Wie die FAZ berichtete kommen jährlich 250.000 neu an Demenz erkrankte Menschen hinzu, also 1 Mio pflegedürftiger dementer Menschen in 4 Jahren.

Ursula von der Leyen warnte in der FAZ vor einer menschlichen Katastrophe, in die wir hinein liefen, wenn das Thema weiter verdrängt werde. Nach ihrer Auffassung könnten die professionellen Pflegedienste die Pflege allein nicht leisten. Eine Lösung des Problems scheint die Ministerin in der Bildung von ehrenamtlichen Netzwerken zu sehen. Sie hält es für notwendig, jetzt die Strukturen für eine ehrenamtliche Hilfe durch die "jungen Alten" aufzubauen. Die Antwort von Ursula von der Leyen, die sie kürzlich der FAZ gegeben lautete daher: "Ohne Ehrenamt kein gutes Alter".

In einem Kommentar dazu meint Familientrends: "Ist dies nicht eine Illusion? Die einzigen Netzwerke, die gezeigt haben, dass sie diese enorme Leistung ehrenamtlich leisten können, sind Familien und Klostergemeinschaften. Letztere sterben in unserem säkularen Land aus. Und selbst die heutigen gut verdienenden Doppelverdiener ohne Kinder, werden im Alter allein dastehen. Welche anderen, neuen Netzwerke, sollen also diese Aufgaben übernehmen?" Familientrends stellt weiter die Frage, wer bereit sei, demente alte Menschen, mit denen ihn keine engen Familienbande verbinden, nicht nur sporadisch zu besuchen sondern ehrenamtlich und kostenlos zu pflegen, inklusive Vollzeit-Aufsicht, Körperhygiene, Umkleiden, Putzen und Einkaufen, usw.? Familientrends hinterfragt die Tragfähigkeit der Lösung der Ministerin und zieht dabei zum Vergleich die Rolle der Familie heran, die bei der Pflege ihrer eigenen Angehörigen im Gegensatz zur Fremdpflege durch ehrenamtliche Laien eine enorme Bereitschaft und Leistung erbringen könne und dies auch gezeigt habe. ( www.familientrends.de )

Ob das Konzept der "ehrenamtlichen Fremdpflege" realistisch ist und letztlich eine Lösung des Pflegeproblems sein kann, scheint zumindest eine offene Frage. Inwieweit sind die "jungen Alten", also Personen, die künftig mit 67 in Rente gehen, selbst wenn sie die innere Bereitschaft zur Pflege fremder Personen haben, überhaupt in der Lage, außerhalb der eigenen Familie etwa noch die Pflege demenzkranker Menschen zu übernehmen, die keine eigene Familie haben? Kann das Ehrenamt Kinder und Familien ersetzen? Könnte man nicht auch sagen?: Ohne Kinder keine Familien, und ohne Familien kein gutes Alter!