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Leistungsorientiertes Anpeitschen von Kindern ist gegen die Menschenwürde


21.04.11

Leistungsorientiertes Anpeitschen von Kindern ist gegen die Menschenwürde

Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch lehnt Erziehungsmethoden der chinesischen Autorin Amy Chua ab

(MEDRUM) Die rigiden Erziehungsmethoden, die die chinesische Autorin Amy Chua  in ihrem vieldiskutierten Buch "Die Mutter des Erfolgs" beschreibt, lehnt der Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch entschieden ab: "Jeder weiß, dass man mit der Peitsche Menschen zu allem Möglichen antreiben kann", sagt er in einem Interview mit dem Christlichen Medienmagazin pro. Leistungsorientiertes Anpeitschen ist für den Psychologen und Erziehungsberater immer auch ein Angriff auf die Menschenwürde.

In ihrem Buch "Die Mutter des Erfolgs" plädiert die chinesische Autorin Amy Chua dafür, Kinder stärker zu fordern. Sie selbst verlangt von ihren Kindern Höchstleistungen. Aber wieviel Förderung, welche Art von Disziplin und Strenge brauchen Kinder, um zu gesunden Persönlichkeiten heranzuwachsen? Albert Wunsch rät davon ab, Chuas Buch als Ratgeber zu verstehen. Seiner Ansicht nach stößt das Buch allerdings auf eine latente Unsicherheit in unserer Gesellschaft.

Die Jura-Professorin Chua ist davon überzeugt, dass westliche Eltern sich zu viele Sorgen um das Selbstwertgefühl ihrer Kinder machen. Ihre Kinder Sophia und Lulu dürfen nur mit der Bestnote nachhause kommen. Sie üben täglich stundenlang auf ihren Instrumenten. Dafür dürfen sie nicht fernsehen oder am Computer spielen. Partys oder Übernachtungen bei Freundinnen sind ebenso tabu wie eine Teilnahme an der Theatergruppe.

Nur in einem Punkt stimmt Wunsch den Thesen der chinesischen Autorin zu: "Westliche Mütter und Väter, vielleicht auch Pädagogen, zeigen viel Verständnis für störendes Verhalten von Kindern. Das führt dann dazu, dass sie Dinge zulassen, wo ein deutliches Stopp angesagt wäre." Viele Eltern könnten deshalb nicht "Nein" sagen, weil sie eine Ablehnung befürchteten und sich die Liebe des Kindes erhalten wollten. Damit machten sich Väter und Mütter aber zur Manövriermasse ihrer Kinder. Wunsch ist außerdem davon überzeugt, dass deutsche Eltern ihren Kindern zu wenig zutrauen. "Wir unterfordern die Kinder und erziehen sie zu Unselbständigkeit", sagt er im Pro-Interview.

Albert Wunsch ermutigt Eltern dazu, Kindern im Alltag bei der Lösung von Problemen stärker einzubeziehen. Außerdem sollten Väter und Mütter ihren Sprösslingen Herausforderungen zumuten, ohne sie dabei sich selbst zu überlassen. Dass viele Eltern ihre Kinder kaum noch den Schulweg alleine gehen lassen, aus Angst, sie könnten Opfer eines Verbrechens werden, findet er falsch: "Das Problem beginnt in den Köpfen der Eltern. Die Statistik belegt, dass mehr Unfälle im Haus passieren als auf der Straße. Wir müssen daran arbeiten, dass Straftaten wie im Falle Mirko, die etwa drei bis fünfmal im Jahr geschehen, nicht dazu führen, dass wir unsere Kinder einsperren." Weil Eltern den Kindern insgesamt zu wenig zutrauen, seien 25 Prozent der Sechsjährigen bei der Einschulung motorisch unterentwickelt.

ImageDas vollständige Interview mit Albert Wunsch sowie ein Artikel zu den Thesen von Amy Chua ist in der aktuellen Ausgabe des Christlichen Medienmagazins pro erschienen, das seit dem 20. April kostenlos erhältlich ist. Pro 2/2011 kann unter 06441 / 915151 oder info@kep.de bestellt werden.

Das Christliche Medienmagazin pro erscheint sechs Mal im Jahr und erreicht derzeit 150.000 Leser. Es ist ein Produkt des Christlichen Medienverbundes KEP mit Sitz in Wetzlar. Wöchentlich erscheint der PDF-Newsletter proKOMPAKT. Der Christliche Medienverbund betreibt zudem die Nachrichtenagentur Israelnetz mit dem Magazin Israelreport und die Christliche Medienakademie in Wetzlar. Geschäftsführer ist Wolfgang Baake. (en/pro)