Kinder beginnen schon im Mutterleib Sprache zu erlernen


15.01.13

Kinder beginnen schon im Mutterleib Sprache zu erlernen

Ein Neugeborenes ist bereits vor der Geburt sprachlich auf die Mutter eingespielt und kann unmittelbar nach der Geburt zwischen seiner Mutter- und einer Fremdsprache unterscheiden.

(MEDRUM/vfa-ev) Die Mutter hat beim Erlernen der Sprache für das Kind eine Schlüsselrolle. Denn der Spracherwerb beginnt bereits im Mutterleib. Dies wird durch neueste Forschungsergebnisse bestätigt, die in der Januar-Ausgabe des Newsletters für Familienfragen von Verantwortung für die Familie e.V. herausgestellt werden.

Aus dem Newsletter:

Bereits Stunden nach der Geburt kann ein neugeborenes Kind zwischen seiner Mutter- und einer Fremdsprache unterscheiden. Das Forscherteam um Professor Christine Moon von der Pacific Lutheran University in Tacoma im US-Bundesstaat Washington geht deshalb davon aus, dass der passive Spracherwerb schon im Uterus beginnt.

Die Wissenschaftler spielten jeweils 40 amerikanischen und schwedischen Kindern (die in Stockholm untersucht wurden) Vokale im Idiom der beiden Sprachen vor. Die Kinder im Alter von 7 bis 75 Stunden hatten dabei einen speziellen Schnuller im Mund. Dieser registrierte die Saugbewegungen und beantwortete jedes Saug-Manöver mit einer Wiederholung des Lautes.

Wenn der Säugling eine Pause machte, wurde beim nächsten Saugen auf einen anderen Ton gewechselt. Durch das Saugen bekunden die Säuglinge ihre Neugierde, meint Moon. Die Neugierde galt bei den Säuglingen beider Länder jeweils der Fremdsprache. Daraus schließt Moon im Umkehrschluss, dass die Kinder bereits Erfahrungen mit der eigenen Muttersprache haben. Diese können sie nur im Mutterleib erworben haben.

Feten sind ab der 30. Gestationswoche in der Lage, Töne wahrzunehmen. Dies aber ist die erste Studie, die nachweist, dass wir unsere Muttersprache bereits zu lernen beginnen, schon bevor wir geboren werden. Die Psychologin Moon vermutet, dass das „Lernen“ bereits in den letzten zehn Schwangerschaftswochen beginnt. Die Mutter hat so die früheste Möglichkeit, das Gehirn ihres Kindes zu beeinfllussen, betont Patricia Kuhl von der Bezos Family Foundation for Early Childhood Learning. Hugo Lagercrantz vom Karolinska Institute Schweden sagt, dass bisher angenommen wurde, dass Neugeborene „unbeschrieben“ zur Welt kommen. Während bislang zwar bekannt war, dass Neugeborene auf die Stimme ihrer Mutter eingestimmt sind, konnte dieses sprachliche aufeinander Eingespieltsein jetzt schon vorgeburtlich nachgewiesen werden.

Quelle für die Newsletterinformation: Moon, Ch., Lagercrantz, H., Kuhl, P.K.: Language experienced in utero affects vowel perception after birth: a twocountry study. Acta Paediatrica, Volume 102, Issue 2, pages 156–160, February 2013

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Verantwortung für die Familie e.V. hat sich aus Fachleuten gebildet, die Eltern in Fragen bei ihrer wichtigen Aufgabe der Erziehung unterstützen möchten. Gegründet wurde dieses Forum von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Information über den Verein für die Familie e.V.:


Leserbriefe

Spracherlernung im Mutterleib

Diese wichtigen Ergebnisse unterstreichen wieder die bedeutsame Fixierung der Kleinstkinder in den ersten Lebensphasen hinsichtlich weiterer Sprach- und damit kognitiver Entwicklung auf die enge, dyadenspezifische Bindung an die Mutter.

Allerdings sind derartige Untersuchungen auch schon seit längerem bekannt: Klänge, Melodien, Geräusche, die vorgeburtlich gehört wurden, werden nach der Geburt schneller erkannt [R. J. Ruben: Language - A medical concern. Unpubl. Manuscript; Albert Einstein College of Medicine, New York 2000] Kinder mit französisch sprechenden Müttern reagieren im Alter von zwei Tagen auf Französisch und nicht auf Russisch [ P. W. Juscyzk, J. Bertoncini: Viewing the development of speech perception as an initially guided learning process. Language and Speech 1988, S. 31217–238] Kinder mit englisch sprechenden Müttern reagieren im Alter von zwei Monaten auf Englisch und nicht auf Italienisch [L. Mehler et al.: A precursor of language. Cognition 1988, 19; S. 143–178]

Die enorme Bedeutung der Bevorzugung der Mutterstimme gegenüber allen andern für die Entwicklung in der Säuglingsphase und den kleinkindphasen I und II ist z. B. ausführlich in dem Buch „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie", 3. Auflage, Logos-Verlag, Ansbach, 2013 nachzulesen.