Kein religiöser Fundamentalismus, sondern christliche Grundwerte


22.05.09

Kein religiöser Fundamentalismus, sondern christliche Grundwerte

Evangelikale Christen werden trotz freiheitlicher, demokratischer Grundüberzeugungen verleumdet und bekämpft

(MEDRUM) Die Evangelische Allianz in Deutschland (DEA) hat in einer umfassenden Stellungnahme unter dem Titel "Sucht der Stadt Bestes" erstmals ihre politischen Grundüberzeugungen im Zusammenhang veröffentlicht. Der Verband, dem sich nach Schätzungen ca. 1,4 Millionen Christen aus Landes- und Freikirchen zugehörig fühlen, will mit dem Dokument über die gesellschaftlichen Ziele der Bewegung informieren. Dies erklärte die Allianz heute in einer Pressemitteilung.

Image"Manche aktuelle Kritik an den 'Evangelikalen' in den Medien, die einseitig einzelne Aspekte unseres gesellschaftlichen Engagements aus dem Zusammenhang reißen und damit falsch interpretieren, erfordern eine umfassendere Stellungnahme dessen, was uns wichtig ist", betonte der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Bild links), anlässlich der Veröffentlichung der vom Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz verabschiedeten Erklärung.

Mit der Stellungnahme "Sucht der Stadt Bestes" reagiert die Evangelische Allianz zudem auf eine zunehmende Bereitschaft unter Christen, gesellschaftliche und politische Verantwortung zu übernehmen. "Die Allianz-Bewegung versteht sich grundsätzlich als konstruktiv-kritische Begleiterin aller Regierungen und Parteien, unabhängig davon, welchem politischen Spektrum sie angehören. Immer wieder wird es Situationen geben, in denen Überzeugungen von Regierungen im Kontrast zu Überzeugungen der christlichen Ethik stehen. Christen der Evangelischen Allianz sehen es als ihre politische Verantwortung an, in diesen Fällen respektvoll ihre Positionen ins Gespräch zu bringen", so die Evangelische Allianz.

Bewährte Trennung von Kirche und Staat

In der Stellungnahme wird der freiheitlich verfasste Staat der Bundesrepublik Deutschland ausdrücklich bejaht. Dabei lehnt die Evangelische Allianz Forderungen nach einem "christlichen Staat" ab, betont die bewährte Trennung von Kirche und Staat, fordert aber auch die Parlamentarier und die Regierung auf, sich der christlichen Wurzeln der modernen Demokratie zu erinnern, sie zu fördern und sich davon leiten zu lassen. Wörtlich heißt es in der Stellungnahme: "Die klare Unterscheidung zwischen dem geistlichen Auftrag der Kirche und dem weltlichen Auftrag des Staates ist elementar. Nach unseren Überzeu­gungen darf sich weder der Staat anmaßen, als totalitäre Ideologie alle Lebens­bereiche seiner Bürger zu bestimmen, noch die Kirche, weltliche Herrschaft im säkularen Staat ausüben zu wollen."

Einsatz für weltweite Menschenrechte und Religionsfreiheit

Zu den Grundüberzeugungen der Evangelischen Allianz gehören seit ihrer Gründung 1846 außerdem der Einsatz für weltweite Menschenrechte und Religionsfreiheit, auch für andere Religionen, für den Lebensschutz und die friedliche Beilegung von Konflikten. "Christen der Evangelischen Allianz sehen wie viele andere eine besondere Verantwortung für die Schwachen und Ausgegrenzten in der Gesellschaft. Sie wenden sich gegen jede Form von Rassismus und beugen sich unter die Schuld der Christenheit, in der Vergangenheit Rassismus gefördert, unterstützt oder geduldet zu haben. Jede Form von Sklaverei, auch in der modernen Form der Ausbeutung und des Menschenhandels, ist ein Verstoß gegen die Menschenwürde. Hass gegen Minderheiten, Juden oder Ausländer widerspricht diametral der biblischen Ethik und ist Schuld vor Gott und den Menschen", so die Evangelische Allianz. Der Verband fordert zudem, Menschen mit Behinderung stärker als bisher am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen und kündigte an, sich für dieses Ziel verstärkt in Gemeinden und Werken aktiv einzusetzen.

Schutz von Ehe und Familie gefordert

Explizit plädiert die Evangelische Allianz für den Schutz von Ehe und Familie. "Ehe und Familie sind nach unserer Überzeugung gottgegebene Ordnungen und elementar für das harmonische Zusammenleben der Menschen. Sie sind Eckpfeiler der Stabilität der gesamten Gesellschaft. Die Ehe ist ein lebenslanger Bund zwischen Mann und Frau, der von Liebe, Fürsorge, Treue und Solidarität geprägt sein soll", heißt es in der Stellungnahme. Daher wendet sich die Evangelische Allianz "gegen Versuche, gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften der im Grundgesetz herausgehobenen Stellung der Ehe gleichzustellen, auch wenn wir respektieren, dass sich das Rollenverständnis der Geschlechter im Laufe der Geschichte immer wieder verändert".

Für Lebensrecht und menschliche Würde - gegen Abtreibung und Diskriminierung

Christen werden aufgerufen, Vertreter mit einer anderen geschlechtlichen Orientierung mit Respekt und Würde zu begegnen. Praktizierte Homosexualität wird allerdings als unvereinbar mit der biblischen Ethik angesehen.

In der Stellungnahme "Sucht der Stadt Bestes" spricht sich die Evangelische Allianz zudem gegen jede Form der Diskriminierung aufgrund von ethnischer Herkunft, Religion, Geschlecht oder geschlechtlicher Orientierung aus. Der Verband plädiert für das Lebensrecht eines jeden Menschen und spricht sich daher gegen Abtreibung und die Tötung von menschlichen Embryonen sowie aktive Sterbehilfe aus.

In ihrer Stellungnahme bekennt sich die Evangelische Allianz auch zu den Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft. Sie fordert vom Staat eine nachhaltige Wirtschaftspolitik, eine an den wirklichen Bedürfnissen orientierte Entwicklungshilfe und verstärkte Anstrengungen gegen weltweite Armut. Mit der weltweiten "Micha-Initiative" fördert die Evangelische Allianz bewusst die "Millenniums-Ziele" der Vereinten Nationen. Hunderte von Sozialwerken im Rahmen der Allianz arbeiten heute schon an der Überwindung der sozialen Nöte im In- und Ausland. Die Stellungnahme der Evangelischen Allianz umfasst zudem Fragen des Umweltschutzes und der Außenpolitik.

Evangelische Allianz ein Bund von Christen

Die Evangelische Allianz in Deutschland (DEA) ist ein Bund von Christen, die verschiedenen Kirchen, Gemeinden und Gruppen angehören. Die Evangelische Allianz ist eine der ältesten Einheitsbewegungen der Christenheit. In ihr pflegen Christen - über ihre Zugehörigkeit zur eigenen Gemeinde hinaus - Gemeinschaft mit anderen Christen aus anderen Denominationen. Ihre Mitglieder leben in Deutschland sowohl in lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen als auch in verschiedenen Freikirchen, unabhängigen Gemeinden, Hauskirchen und Dienstgruppen sowie in Landeskirchlichen Gemeinschaften und anderen christlichen Denominationen, auch in den orthodoxen Kirchen und der römisch-katholischen Kirche. Die DEA ist Teil der weltweiten „evangelikalen Bewegung", die ca. 500 Millionen Christen umfasst.

"Undemokratisches Verständnis" von ARD-Journalisten

Mit dieser Grundhaltung macht die Evangelische Allianz deutlich, dass der immer wieder aus einigen Kreisen und von einigen Medien erhobene Vorwurf gegen evangelikale Christen, sie seien religiöse Fundamentalisten, unberechtigt ist.  Massive Vorwürfe dieser Art wurden von den ARD-Journalisten Oda Lambrecht und Christian Baars in ihrem Buch „Mission Gottesreich - Fundamentalistische Christen in Deutschland" erhoben. In ihrem Buch werfen Lambrecht und Baars den Evangelikalen vor, die Gesellschaft verändern und zu mehr Engagement in der Politik aufgerufen zu haben.  „So viel undemokratisches Verständnis" könne nur Befremden auslösen, erklärte hierzu die Allianz. Entweder seien die Autoren der Meinung, dass die Gesellschaft keine Veränderung brauche, oder sie wollten Evangelikale von der Mitwirkung und Mitgestaltung ausschließen, so die Allianz weiter.

Desinformation und Kampf gegen Freiheit von Christen

Bereits in ihrer am 8. April veröffentlichten Stellungnahme betonte die Evangelische Allianz, die Desinformation der beiden Journalisten habe bereits zu „starken Forderungen nach Diskriminierung" von Evangelikalen geführt. So werde gefordert, dass Evangelikale weder Medien wie Zeitschriften und Fernsehsender herausgeben oder betreiben noch Politikerkontakte pflegen; ihnen sollten der Status der Gemeinnützigkeit und Steuergelder entzogen, und die von ihnen mitgetragenen Privatschulen sollten verboten werden. Hartmut Steeb sprach deswegen bei der Hauptvorstandssitzung Ende März in Schwäbisch Gmünd von Imageeinem „gezielten Kampf gegen die Freiheit der Christen", den er in Deutschland beobachte.

Die Anzeichen eines derartigen Kampfes waren auch in Marburg bei den Gegnern des Kongresses "Psychotherapie und Seelsorge" am 21.05.09 zu beobachten. Eine Gruppe von Demonstraten trug ein Transparent mit der Aufschrift "Wir sind hier, um eure religiösen Gefühle zu verletzen." Bei dieser Protestgruppe handelte es sich um eine der Unterstützungsgruppen des Marburger Aktionsbündnisses "Keine Räume für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus". Sie bezeichnet sich als "d.i.s.s.i.d.e.n.t." Das hier abgebildete Foto wurde von der Internetseite "http://www.blog.pro-medienmagazin.de" zur Verfügung gestellt.

Erfolgreicher Protest "friedlicher" Demonstranten gegen "gewalttätige" Polizei ?

Das Aktionsbündnis bewertete seinen Protest als erfolgreich und bezeichnete ihn in seiner Pressemitteilung vom 21.05.09 als kreativ. „Unser Protest ist vielfältig, kreativ und erfolgreich!", so Bündnismitglied Nora Nebenberg. „Ein breites Spektrum von bundesweit politisch, wissenschaftlich und gesellschaftlich aktiven Gruppen und Einzelpersonen habe gezeigt, dass pseudowissenschaftliche, diskriminierende Meinungen in öffentlichen Gebäuden nichts zu suchen haben."

Das Aktionsbündnis teilte mit:

"Die Eingänge des Hörsaalgebäudes wurden von Demonstrierenden besetzt. „Die dort angekündigten Veranstaltungen konnten nicht stattfinden“, freut sich Stefanie Petersen vom Bündnis ‚Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus‘, „damit haben wir uns diskriminierenden Veranstaltungen wirksam in den Weg gestellt.“ Auch vor der Martin-Luther-Schule, wo das Seminar des Homo-Umpolers Markus Hoffmann von Wüstenstrom stattfinden sollte, versammelten sich Kongresskritiker_innen und begleiteten den Kongress lautstark mit Trommeln und Sprechchören.

Trotz der friedlichen Haltung der Demonstrierenden kam es zu erheblichen Störungen durch Kongressteilnehmende, die Demonstrant_innen abfotografierten und versuchten, innerhalb der Demonstration zu missionieren.

Auch kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen seitens der Polizei. Demonstrierende wurden von Polizist_innen zu Boden gestoßen und mit Schlagstöcken angegriffen. Das massive Polizeiaufgebot sowie Ganzkörperdurchsuchungen im Vorfeld der Demonstration kriminalisierten die Proteste ebenso wie die rechtlich nicht haltbaren Demonstrationsauflagen. Nora Nebenberg sagt dazu: “Wir verurteilen das repressive Vorgehen von Ordnungsamt und Polizei. Wir werden uns dadurch nicht abschrecken lassen und weiter für sexuelle Selbstbestimmung, feministische Befreiung und eine laizistische Gesellschaft auf die Straße gehen!“

Wie MEDRUM bereits berichtete, hält auch der Politiker von Bündnis 90 / Die Grünen, Mitglied des Bundestages Volker Beck,  an seiner scharfen Kritik gegen Kongreß fest. Er gebe "Schwulen- und Lesbenfeinden" ein Forum. Beck will jetzt in den Dialog treten und hat die Veranstalter des Kongresses, die Akademie für Psychotherapie und Seelsorge, zu einer "fundierten" Auseinandersetzung über Homosexualität eingeladen.


 

Die Stellungnahme der Evangelischen Allianz zu politischen Grundüberzeugungen ist im Anhang zum Download beigefügt.

 


 


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