Kampf von Christen für Kinder, Ehe und Familie eine Gefahr für die Demokratie?


24.02.15

Kampf von Christen für Kinder, Ehe und Familie eine Gefahr für die Demokratie?

Auf der Suche nach dem nicht auffindbaren podcast zur Sendung "APO von christlich-rechts?" in BR2 vom vergangenen Donnerstag fand sich ein aufschlussreicher Zusammenschnitt des Radiothemas von BR2

Ein Zwischenruf von Kurt J. Heinz

(MEDRUM) Der Bayerische Rundfunk hatte am Donnerstag in seiner Sendereihe "Radiothema" eine Feature von Veronika Wawatschek unter dem Titel "APO von christlich-rechts?" ausgestrahlt (MEDRUM berichtete). Jetzt hat der BR2 nachgelegt. In einem Zusammenschnitt von 3:25 min wird eine Aneinanderreihung von Schlaglichtern mit dem Tenor präsentiert: Es gibt sie, die "APO von christlich-rechts", und sie ist eine Gefahr für die Demokratie.

ImageDer Zusammenschnitt

Entgegen der Ankündigung auf der Sendungsseite zum Radiothema des BR2 konnten die Hörer die Sendung "APO von christlich-rechts?" nicht als podcast nachhören. Stattdessen präsentierte der Sender jetzt einen Zusammenschnitt der fast einstündigen Sendung von nur noch 3:25 min Dauer (Bild links).

In äußerst komprimierter Form werden offenbar diejenigen Ausschnitte aus der Sendung schlaglichtartig präsentiert, die die These der Autoren, dass es eine demokratiefeindliche "APO von christlich-rechts" gibt, eindrucksvoll zu beweisen scheinen.

Die Suche nach Demokratiefeinden

Jeder Demokrat muss beglückt sein, wenn es wachsame Medien gibt, die den Feinden der Demokratie auf den Fersen sind und diese in aller Öffentlichkeit überführen. Doch kann das Aufspüren von Demokratiefeinden zu einer schmalen Gratwanderung werden. Davon können vor allem auch Medienschaffende und solche Zeitgenossen betroffen sein, wenn sie das, was in einer sich pluralistisch entwickelten Gesellschaft mit vielen Millionen Christen eine Selbstverständlichkeit ist, nicht zutreffend einordnen können oder vielleicht auch gar nicht wollen: Dass es vom christlichen Glauben geprägte Menschen gibt, die sich für Kinder, Ehe und Familie stark machen.

Doch scheint es - gewollt oder ungewollt - gravierende Missverständnisse zu geben. Wer es missversteht, wenn es Menschen ablehnen, die Maxime der sexuellen Vielfalt als Leitbild zu akzeptieren und sich stattdessen für die besondere Förderung von Ehe und Familie aussprechen, und wer dies als Fundamentalismus und rechten Radikalismus wertet, geht in die Irre. Und wer schließlich von dem Gedanken beseelt ist, dass es radikale und rechte Christen geben muss, und sich auf die Suche nach ihnen macht, will wohl auch welche finden und hört kaum auf zu suchen, bis er irgendwo irgendetwas gefunden hat. Dann kann er endlich zufrieden zeigen, dass seine Suche nicht vergebens war, selbst wenn seine Fundstücke noch so hemdsärmelig sein mögen.

Fundstücke

Beispiele für eine vermeintlich erfolgreiche Suche nach Demokratiefeinden in BR2:

Da gibt es doch tatsächlich ein Fundstück auf der Homepage der Deutschen Evangelischen Allianz. Es heißt Michael Mannheimer. Irgendwann (Hinweis von MEDRUM: es war 2013) hat die Allianz in einer Meldung den "Rechtspopulisten" Mannheimer doch tatsächlich als "Menschenrechtler" vorgestellt. Der BR2 lässt hier die Theologin Strube zu Wort kommen. Nach ihrer Meinung, so BR2, verbreiten manche Portale Falschinformationen. Da haben wir's. Wussten wir es doch gleich, dass mit den Evangelikalen etwas nicht stimmen kann. So ähnlich ist das auch mit dem Informationsportal kath.net. Die haben doch 2007 tatsächlich ein Interview mit jemandem gemacht, der für PI arbeitete.

Was braucht es noch mehr Beweise? Aber für kath.net gibt es sogar noch ein zweites Fundstück: Die hatten doch tatsächlich einmal eine Anzeige geschaltet, mit der die Wochenzeitung Junge Freiheit Abonnenten suchte. Damit ist der Fall wohl klar. Denn schließlich hat kein Geringerer als die Theologin und Expertin Sonja Angelika Strube dazu auch noch festgestellt: "Da kann ich mich nicht so ganz des Eindrucks erwehren, dass es da auch Menschen gibt, die sich sowohl als rechts als auch als Christen verstehen, oder, also die praktisch die Berichterstattung noch liefern, und die nicht daran interessiert sind, sich abzugrenzen." Ein starkes, fast herzzereißendes Statement über das, was sich in der Sinneswelt der Theologin Strube zusammenfindet. Ist da bei Strube zusammen gewachsen, was zusammen gehören soll?

Die Methode des BR2

Sicher gibt es törichte Äußerungen an der einen oder anderen Stelle. Nicht jeder äußert sich oder formuliert immer und zu jeder Sache in einer durchdachten Art und Weise. Was einer Redakteurin im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehen leider allzu oft zugebilligt werden muss, sollte bei Zeitgenossen, die keine Medienprofis sind, nicht überbewertet werden. Und es sollte schon gar nicht der Fehler gemacht werden, die Ausnahme als Regel, als typisch für das Ganze zu präsentieren.

Doch genau das verbirgt sich als Methode des BR2 hinter in einem derben Zusammenschnitt von 3:25 min aus seiner fast einstündigen Sendung im Radiothema, der heute Morgen präsentiert wurde. Die Kostproben dazu aus dem ersten Teil des Zusammenschnitts im Originalton BR2:

Die Exposition

Die erste Feststellung des Sprechers:

Die Familie, das Fundament unserer Gesellschaft, ist heute in vielfältiger Weise existentiell bedroht.

Die zweite Feststellung:

Der Holocaust der Nazis ist der Inbegriff des Grauens im Dritten Reich.

Daran angeknüpft die Frage:

Gibt es eine Steigerungsform der grausamen Verbrechen?

Der Sprecher gibt daruf die Antwort:

Ja, es gibt sie. Abtreibung ist Mord.

Anschließend die dritte Feststellung:

Europa ist gebaut auf einer christlichen Ordnung. Und für diese Ordnung lohnt es sich zu kämpfen. Ansonsten werden wir von einer Diktatur verschlungen, die noch die Diktaturen des 20. Jahrhunderts in den Schatten stellt.

Es bleibt unklar, wem diese Aussagen zuzuordnen sind. Dem BR2? Oder sind dies nur Zitate? Wer wird zitiert? Welche tatsächliche Bedeutung ist diesen Äüßerungen beizumessen. Der Zuhörer kann sich kaum, vor allem kein unvoreingenommenes, eigenständiges Urteil bilden. Legt der BR2 überhaupt Wert darauf? Dem Anschein nach nicht. Es reicht, wenn er auf die Reise zu einem Schlachtfeld mitgenommen wird, auf dem den "christlich-rechten Kreisen" der Garaus gemacht wird. Es bedarf eigentlich nicht mehr erwähnt zu werden, dass der BR2 ebenso unklar lässt, welche Aussagen sich der Sender zu eigen macht und welche nicht. Eine journalistische Methode, die der wachsame Hörer eigentlich ablehnen müsste, wenn er sich dessen bewusst wäre.

Die Deutung

Nach der Exposition durch den Sprecher kommt der Wechsel zu einer Sprecherin, die das "Kampfgeschehen" deutet:

Es werden harte Geschütze aufgefahren auf sich christlich verstehenden Blogs und Initiativen. Gerüstet wird zum Kampf für Kinder, Ehe und Familie und für das sogenannte christliche Abendland.

Für die unverzichtbare und gewichtige Beurteilung zieht der BR2 einen Sozialpsychologen heran. Die Sprecherin dazu:

"Eine Gefahr für die Demokratie und die Kirche, meint der Bielefelder Sozialpsychologe Andreas Zick."

Somit steht allem Anschein nach fest: Die Feinde für unsere Demokratie aus christlichen Hemisphären stehen schon vor unserer Tür. Die Brücken sind geschlagen, die Brückenköpfe sind gebildet.

Da hilft es auch nicht, wenn etwa Hartmut Steeb betont, die Allianz stehe auf dem Boden der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Wie wenn es dafür als Gegenbeweis angeführt werden könne, fährt die Sprecherin fort, Hartmut Steeb würde allerdings einräumen, überspitzt gesagt, dass er sich nicht wehren würde, wenn sich ein Neonazi für Ehe und Familie stark machen würde. Genau in diesem Sinne wird dann die offensichtlich an die Interviewerin gerichtete Äußerung Steebs präsentiert: "Ich sag mal ganz scharf. Wenn Sie hundertmal was Falsches sagen, und einmal etwa Richtiges, dann möchte ich Sie gerne für das Richtige loben."

Das finale Urteil

Das Lob an der vermeintlich falschen Stelle spitzt der BR2 anschließend auf die Frage zu: "Der Christ und Neonazi Seite an Seite im Kampf für christliche Werte?" Das ist jetzt für den Zuhörer nur noch eine rhetorische Frage. Nicht überraschend schließt sich die Frage des BR2 an: "Betonen am Ende diejenigen die Demokratie, die in der momentanen Gesellschaft eine Gefahr sehen?" Dass weder Hartmut Steeb noch kath.net in der momentanen Gesellschaft eine Gefahr gesehen haben, interessiert nicht. Es interessiert auch nicht, dass weder er noch kath.net von einem Kampf gegen eine übermächtige Diktatur gesprochen haben, die die bisherigen in den Schatten stellen würden. Eine subtile Methode, die de facto der Assoziation und Suggestion freien Lauf lässt.

Fehlt nur noch das abschließende Urteil, das der Sender erneut dem Sozialpsychologen Zick überlässt: "In gewisser Weise schon. Radikalität und Fundamentalismus sei immer eine Gefahr für die Demokratie", meine der Sozialpsychologe Andreas Zick.

ZImageu hören war der Zusammenschnitt heute Morgen unter dem Link: http://www.br.de/radio/bayern2/politik/radiowelt/apo-von-christlich-rechts-100.html

Der podcast zur Orginalsendung soll nach Auskunft des BR2 in Kürze verfügbar sein. Man arbeite mit Hochdruck daran, wurde MEDRUM mitgeteilt.

Nachtrag

Der Link zum Podcast der Sendung ist seit heute Nachmittag abrufbar: http://www.br-online.de/podcast/mp3-download/bayern2/mp3-download-podcast-radiothema.shtml

2. Nachtrag

Der Link zum "Zusammenschnitt" ist nicht mehr abrufbar.


21.02.15 Bayerischer Rundfunk 2 am 19.02.15 über MEDRUM MEDRUM
20.02.15 Katholische Theologin Strube erklärt in BR2 was Scharnierorgan zum rechten Rand bedeutet MEDRUM
19.02.15 Veronika Wawatschek heute verschwörerisch in BR2 über christlich-rechts MEDRUM

Leserbriefe

Ein Witz - oder?

Praktisch jede Sendung ist kurz nach der Einspielung in der Mediathek abrufbar. Aber für diese Sendung, die man doch gerne mal im Zusammenhang und Original hören würde, braucht der BR fast eine Woche um mitzuteilen, man "arbeite mit Hochdruck" an der Verfügbarkeit. Glaubwürdigkeit erzielt man so allerdings nicht. Man fragt sich eher, was da wohl noch "bearbeitet" wird.

Und dann der Minizusammenschnitt: Manipulativ, aber schlecht gemacht. Manche Äußerungen sind sicher schräg. Doch in jedem Fall von der Meinungsfreiheit gedeckt. Wo ist also das Problem (außer in der Tatsache, dass dieser Zusammenschnitt auch nicht mehr abrufbar ist)?

Muss der BR jetzt die Befindlichkeit einer gewissen grünen Betroffenheitslyrikerin zur Arbeitsgrundlage machen und jede von der eigenen Meinung abweichende, oder ungeschickte Formulierung skandalisieren? Und der Einsatz für Ehe, Familie, Kinder - ein Problem für die Demokratie? Ja geht´s noch? Bitte mal einen Blick ins Grundgesetz werfen und dann auch in das Rundfunkgesetz. Dort steht in Art. 4 (1): "Die Sendungen des Bayerischen Rundfunks dienen der Bildung, Unterrichtung und Unterhaltung." Ein Bildungsprogramm war der Beitrag ja nicht gerade. Aber wenn das Unterhaltung ist, was kommt dann als Nächstes? Weiter: "Sie sollen von demokratischer Gesinnung, von kulturellem Verantwortungsbewusstsein, von Menschlichkeit und Objektivität getragen sein und der Eigenart Bayerns gerecht werden. Der Bayerische Rundfunk hat den Rundfunkteilnehmern einen objektiven und umfassenden Überblick über das internationale, das nationale und das bayerische Geschehen in allen Lebensbereichen zu geben."

Mit objektiver Berichterstattung hatte der Beitrag allerdings auch wenig zu tun. Und demokratische Gesinnung? Die spricht man denen ab, die mit dem Grundgesetz Ehe und Familie für schützenswert halten. Und Art. 4 (2) 11 des Bayerischen Rundfunkgesetzes gilt offenbar auch nicht für alle. Dort heißt es: "Die in der Verfassung festgelegten Grundrechte und Grundpflichten müssen Leitlinien der Programmgestaltung sein. Insbesondere sind Sendungen verboten, die Vorurteile gegen Einzelne oder Gruppen wegen ihrer Rasse, ihres Volkstums, ihrer Religion oder Weltanschauung verursachen oder zu deren Herabsetzung Anlass geben können, ferner solche Sendungen, die das sittliche oder religiöse Gefühl verletzen." Aber wer von bestimmten linken Kräften als rechts betrachtet wird, ist ja gefühllos, ehrlos und dann eben auch rechtlos. Dass allein schon die Etikettierung als "rechts" eine Art gesellschaftliches "aus" bedeuten kann scheint den Machern solcher Sendungen gerade recht zu sein. Auf der Beschädigung der bürgerlichen Existenz anderer baut man sich sein eigenes Karrierchen zusammen. Aber das ist ja kein singuläres Phänomen...

Das gute Gefühl gegen Rechts zu kämpfen

Wenn man etwas aus allen möglichen Büchern, Zeitschriften usw. herausschneidet und dann willkürlich zusammenklebt, da kann man praktisch alles beweisen.

Ein Fehler ist sicher, dass auch Christen so gerne auf angeblich gebildete "Professoren" hören. Diese Frau Strube ist doch wohl im Gegensatz zu den meisten Evangelikalen geradezu davon besessen, "Rechtsradikale" zu suchen. Da zitiert Idea die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: "Nichts tut so gut wie das Gefühl, gegen Rechts zu kämpfen. Denn dann steht man garantiert auf der richtigen Seite.

Doch hinter der eifrigen Lust, überall die braune Gefahr aufzuspüren, verbergen sich gefährliche Selbsttäuschungen." Weiter heißt es noch, dass öfter krankhaft nach Rechtsradikale, gesucht werde, wo gar nichts vorhanden wäre. (Zitat Ende) Das sollte sich mal die liebe Professorin Stube zu Herzen nehmen - ist zum Glück nicht von mir geschrieben. Beschreibt aber alles, leider auch viele Journalisten und Redakteure.

Ist ja auch nicht ganz einfach, über die wirklichen Probleme und Gefahren in unserem Land zu berichten. Da kann man nämlich in null komma nix zu den Rechtsradikalen gehören. Man sollte sich bestimmte Sendungen weder anhören und ansehen noch bestimmte Medien lesen.

Der Medien-Extremismus

Solche Sendungen versuchen ziemlich bemüht ein Feindbild unter Christen aufzubauen, obgleich der eigentliche Extremismus eine ganz alltägliche Erscheinung im Alltag von Politik und Medien geworden ist:

  • Wenn zum Beispiel Frau Merkel auf Anzeige gegen die USA und NSA verzichtet und somit der Datenschutz ad absurdum geführt wird.
  • Wenn der Datenmissbrauch des Staates nicht weiter verfolgt sondern in Zukunft legalisiert werden soll.
  • Wenn durch das Freihandelsabkommen unsere Lebensmittel weiter durch GEN und andere Manipulationen belastet werden und zwar gegen den Bürgerwillen.
  • Wenn die Abtreibungszahlen jedes Jahr die Größe einer Kleinstadt haben. Wenn die Geschlechter beliebig vertauscht werden können und Familie, Ehe und Kinder nur noch ein Wert von vielen darstellt.
  • Wenn Frauen durch die Arbeitsmarktpolitik zu Leistungsrobottern in Familie und Beruf gemacht werden.
  • Wenn das Recht der Eltern auf Erziehung ihrer Kinder durch staatliche Schulerziehung unterlaufen wird.
  • Wenn Kranken und alten Menschen nur noch der Gedanke an Sterbehilfe bleibt, statt ihnen mit Lebenshilfe beizustehen.

Wenn dies die Themen sind, die tagtäglich wie selbstverständlich auf den Tisch kommen, dann haben wir es mit einem ganz alltäglichen Extremismus zu tun, den die Medien eher befördern als kritisch hinterfragen.