Sie sind hier

Julia Klöckner: Keine Burka in einer freien und offenen Gesellschaft


04.12.14

Julia Klöckner: Keine Burka in einer freien und offenen Gesellschaft

Stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU vertritt bei Markus Lanz klare Position zu ihrem Menschenbild und der gleichen Wertigkeit von Mann und Frau 

von Kurt J. Heinz

(MEDRUM) Markus Lanz begrüßte in seiner gestrigen Sendung unter seinen Gästen die CDU-Politikerin Julia Klöckner. Der Moderator Lanz stellte eine ganze Reihe von Fragen, wie Klöckner zum Tragen einer Burka in Deutschland steht. Die eindeutige Antwort der Politikerin lautete: In einer offenen Gesellschaft hat die Burka nichts verloren.

Warum Burka-Verbot?

In der Sendung am Mittwochabend stellte Lanz an Julia Klöckner etliche Fragen über ihre Position zur Burka und den Gründen, die für oder gegen ein Burka-Verbot sprechen.

Einleitend fragte Lanz: "Sie haben in dieser Woche für Aufsehen gesorgt mit einer Forderung. Sie fordern ein Burka-Verbot, in Deutschland, auf deutschen Straßen. Warum?"

Qualität eines fragwürdigen Frauenbildes

Klöckners erste Erwiderung:

"Ich wurde gefragt bei der Rheinischen Post, zu einem Interview, und es gibt einen aktuellen Fall, in Nordrhein-Westfalen, auf einem Schulhof, übrigens in einer Schule, die sehr um Integration bemüht ist, und dort sind auch viele Kinder, Flüchtlingskinder, die traumatisiert sind. An eineImagem Tag tauchte eine Mutter auf, vollverschleiert - es geht nicht um Kopftuch sondern um Burka, also wirklich voll verschleiertes Gesicht, und die Schulleitung hat sich gewehrt es zuzulassen, dass jemand voll verschleiert, erstens wußte man nicht, wer holt da das Kind ab, und zweitens war es auch so, dass die Reaktion gerade der traumatisierten Flüchtlinge eine sehr ängstliche war. Und ich wurde gefragt, was ich davon halte. Dazu habe ich eine ganz klare Haltung. Das hat nichts mit Quantität zu tun, wie oft, wie häufig man eine Burka sieht. Ich bin aus zweierlei Gründen dafür, dass wir das nicht einfach akzeptieren, dass Burka getragen wird. Einmal aus dem Grund: Wir sind in einer westlichen, offenen Gesellschaft. Da will man sich offen ins Gesicht schauen. Man will wissen: Wer ist das Gegenüber? Auch die Mimik. Und das Zweite ist: Welchem Frauenbild entspringt das denn? Wenn Männer glauben, dass Frauen Anstoß erregen in der Öffentlichkeit, dann hat der Mann ein Problem, aber dann ist die Frau nicht das Problem. ..."

Barriere zwischen Umwelt und Trägerin

Im weiteren Verlauf gab Klöckner auf Nachfragen von Lanz eine Reihe von weiteren Antworten:

"In einer freien, offenen Gesellschaft will ich in das Gesicht schauen können. Die Burka ist eine Barriere zwischen Trägerin und Umwelt. Die Trägerin sieht die Umwelt, die Umwelt sieht die Trägerin nicht. ...

Hier geht es um die Qualität eines Frauenbildes. Hier geht es darum: Warum sollen Frauen, nur weil sie Frauen sind, sich verschleiern, ihr Gesicht verschleiern, und ihre Haare verschleiern? ...

Frauen nicht in den Rücken fallen

„Man muss aushalten in einer freien und toleranten Gesellschaft, dass es ein paar Spielregeln gibt. Und zu den Spielregeln gehört, dass man sich anschauen kann, dass man offen miteinander umgeht, und dass ich weiß, wer auch hinter einer Verschleierung steckt. Und deshalb ist es auch Ausdruck unserer westlichen, offenen Gesellschaft. Aber ich warne davor es schön zu reden. Ich habe ganz viele Muslimas, die sich bei mir gemeldet haben, die vergangenen zwei Tage, die mich inständig bitten, dass wir den Frauen, die emanzipiert sind, den Frauen, die gerade im Islam sich davon frei gekämpft haben, ihnen nicht in den Rücken fallen und es so abtun, als sei das jetzt abzubuchen unter kultureller Vielfalt. Wir kämpfen für die Frauenquote, wir kämpfen für Gleichberechtigung und haken das dann ab. Also das hat nichts mit 2014 zu tun. ...”

Unsere Werte hochhalten

„Es ist ein Ausdruck einer Haltung, und ich bin froh, oder dankbar, es ist ja kein Zutun meinerseits, ich bin hier geboren, bin groß geworden, hab die Chance, als Frau Politikerin zu sein, in der Öffentlichkeit zu stehen, und ertrage auch, dass ich in den vergangenen zwei Tagen von Männern mit muslimischem Hintergrund zutiefst beschimpft worden bin mit dem Hinweis, Frauen haben in der Politik nichts zu suchen. Ich bin dankbar, dass ich in einem Land lebe, wo das möglich ist. Und das ist eine Demokratie und ich glaube, unsere Werte sollten wir auch nicht im Schlussverkauf verramschen. Wenn wir nicht hier dafür kämpfen, wo denn sonst? Ich will nicht andere Länder missionieren, aber das hier ist bei uns ein Wert, den wir hochhalten, und insofern, Herr Lanz, wir fallen auch Frauen in den Rücken.”

Freie Welt der falsche Ort

„Wenn wir davon aus unserem Standpunkt heraus überzeugt sind, dass jeder Mensch gleich viel wert ist, dass Männer und Frauen gleich viel wert sind, und wenn man sich noch mal vor Augen führt, was heißt das denn, dass Frauen aufgrund männlicher Sichtweise, es sind ja nicht die Männer, die sich verschleiern, sondern Frauen, die sich verschleiern sollen, weil sie angeblich ein öffentliches Aufsehen erregen. Wer das nicht ertragen kann in unserer freien Welt, der ist vielleicht am falschen Ort, aber der Ort muss sich doch nicht ändern!”

ImageKein Verhängen in einer freien Gesellschaft

Als Lanz meinte, eine Frau müsse doch die Freiheit haben, Burka zu tragen, wenn sie das selbst wolle, entgegnete Klöckner:

„Aber es tangiert auch andere, in dem Moment, wo andere miteinander in den Dialog treten, in dem Moment, wo Schüler oder auch wo Schulleiterinnen oder Erzieherinnen sagen, ich weiß nicht, wenn eine Frau, eine Mutter mit einer Burka voll verschleiert zu uns kommt und sagt, sie holt das Kind ab. Ich weiß nicht wie es Ihnen ginge, Herr Lanz, aber, natürlich haben die eine Aufsichtspflicht, und dass es dort Bedenken gibt, in einer freien Gesellschaft, ... wenn jetzt eine Mutter ein Kind abholt.

Ich finde, wir müssen auch Acht geben, dass wir nicht just diejenigen, die überhaupt nicht von irgeneiner Fremdenfeindlichkeit her kommen, in diese Ecke stellen. Ich komme wirklich vom Recht der Frau her, ich komme vom Selbstbestimmungsrecht der Frau her, und ich finde es schwer erträglich, dass Frauen aufgrund des Geschlechtes Anlass dazu geben, dass sie sich verhängen müssen und Männer nicht, und in einer freien Gesellschaft schon mal gar nicht.”

Internetseite von Julia Klöckner: www.julia-kloeckner.de

Sendung in der ZDF-Mediathek: www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite#/beitrag/video/2292988/Markus-Lanz


01.12.14 Merkels Vize fordert Burka-Verbot Rheinische Post