Hartmut Steeb: Landesregierung darf Elternrecht zur Erziehung nicht missachten


21.01.14

Hartmut Steeb: Landesregierung  darf Elternrecht zur Erziehung nicht missachten

Verfassung Baden-Württembergs setzt grün-roten Erziehungs- und Bildungsplänen Grenzen

(MEDRUM) Kann die grün-rote Koalitionsregierung in Baden-Württemberg ihre Erziehungs- und Bildungspläne frei und nach ihren eigenen politischen Vorstellungen gestalten? Nein, sagte Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, in einem Interview im Nordwest-Radio am 11.01.2014. Die Regierung muss die Landesverfassung beachten.

In die Irre geführt

HaImagertmut Steeb wurde vom Nordwestradio zur Kontroverse um die Bildungspläne der Landesregierung Baden-Württembergs befragt. 80.000 Menschen, so der Moderator, haben eine Online-Petition gegen diese Pläne unterzeichnet. Was habe die evangelische Kirche gegen "Schwul" als Unterrichtsfach, so die Kernfrage an Steeb.

Darum gehe es gar nicht. Man werde in die Irre geführt. Geredet werde von Toleranz und Akzeptanz, gemeint sei aber eine bestimmte Werteorientierung, dass in Fragen der sexuellen Identität alles als gleichwertig dargestellt werden soll. Das Grundgesetz priorisiere aber Ehe und Familie.

Es kommt nicht darauf an, worüber man sprechen, sondern wozu man erziehen will

Auf die Frage, was denn schlimm daran sei, über Sexualität zu reden, entgegnete Steeb: Es gehe doch nicht darum, worüber man rede, sondern welche Werte man vermitteln wolle. Man wolle darstellen, dass alles gleichwertig sei. Steeb: "Wir denken nicht, dass es richtig ist, die unterschiedlichen Empfindungen und Lebensweisen alle als gleichwertig für die Gesellschaft darzustellen."  Inzwischen habe man langsam den Eindruck, dass man sich einem Homo-Fundamentalismus annähere: Menschen, die diese Lebensweise den Menschen beibringen wollen, als ob sie gleichwertig wäre. Steeb: "Wir möchten nicht, dass den Kindern eingetrichtert wird, es käme überhaupt nicht darauf an, wie man lebe." Die Schule maße sich Dinge an, die nicht in ihre Zuständigkeit fielen. Die Erziehung der Kinder sei in erster Linie Aufgabe der Eltern und nicht der Schule.

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Bildungskonzept contra Verfassung

Steeb ging im Verlauf des Interviews besonders auf die Verfassung des Bundeslandes ein und machte deutlich: Die Landesverfassung kann nicht einfach durch irgendwelche Bildungspläne, die das Recht der Eltern zur Erziehung ihrer Kinder missachten, außer Kraft gesetzt werden. Die Verfassung Baden-Württembergs setze wie das Grundgesetz dem Staat bei der Erziehung von Kindern vielmehr eine Grenze, die er beachten müsse, lautete Steebs Mahnung. Wer dies ändern wolle, könne dies nicht einfach durch Bildungskonzepte tun, sondern müsse die Verfassung ändern. Doch dafür habe aber die grün-rote Landesregierung nicht die erforderliche Mehrheit.

Jeder kann so leben wie er will, aber ...

Für Steeb hat sich eine bedenkliche Situation entwickelt. Wo sei man eigentlich gelandet, fragte er, wenn 80.000 Menschen, die gegen solche staatlichen Eingriffe sind, mittlerweile diskrediert und diskriminert werden, die mit Schlagworten belegt werden, bloß weil sie sich dagegen aussprächen, dass die Landesregierung mit ihren Plänen, Schülerinnen und Schüler vermitteln wolle, dass alle sexuellen Lebensformen als für die Gesellschaft gleichwertig anzusehen seien. Dies sei für die Gesellschaft nicht hilfreich, es verunsichere Jugendliche und stehe der Verfassung entgegen.

Dass es in der Kontroverse nicht um die Toleranz unterschiedlicher sexueller Orientierungen geht, bekräftigte Steeb mehrmals: "Jeder kann ja so leben, wie er will", so Steeb. Aber es gehe darum, was eigentlich werteorientiert gelehrt werde. Deshalb hätten sich auch die Kirchen kritisch geäußert. "Deshalb muss es auch möglich sein, dass sich Bürger einklinken in einen solchen Prozess und deshalb auch die Möglichkeit, eine solche Petition einzubringen", so Hartmut Steeb.

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Steeb zu Gast bei Wieland Backes im Nachtcafé am 24.01.14

Wenn der SWR an seiner Planung für die nächste Sendung des Nachtcafés festhält, wird Hartmut Steeb zu den Gesprächsgästen von Wieland Backes gehören. Das Thema: "Schwul, lesbisch, hetero - wirklich selbstverständlich?"


Online-Petition:

→ "Zukunft – Verantwortung – Lernen:
Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens
"
(> 150.000 Unterstützer)


Buchhinweis
... und schuf sie als Mann und Frau
Ein Beitrag zur Debatte um das neue Pfarrdienstgesetz
der Evangelischen Kirche in Deutschland.


20.01.14 Wieland Backes fragt im SWR: Schwul, lesbisch, hetero - wirklich selbstverständlich? MEDRUM

Leserbriefe

Dank an Hartmut Steeb

Hartmut Steeb hat vollkommen recht.

Immer mehr Spielfilme der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten thematisieren die Homosexualität: der Sohn bringt plötzlich nicht mehr ein Mädchen nach Hause, sondern einen jungen Mann, den er auch öffentlich küsst. Hier soll auf leichte Art jungen Menschen gezeigt werden, wie schön Homosexualität ist und wie schnell man von der Heterosexualität umsteigen kann. Alles ist möglich und alles ist akzeptiert.

Hier soll ganz klar ein Menschenbild und ein Familienbild geändert werden. Und wer dieses Familienbild nicht positiv beurteilt, wird als homophob (notfalls auch mit Gewalt) beschimpft. Das dürfen wir nicht zulassen. Es ist richtig, dass jeder so leben darf, wie er möchte. Aber wenn er sich außerhalb der Norm bewegt (die Norm ist nun einmal die Ehe, die nur Mann und Frau eingehen kann und Familie, bestehend aus Vater, Mutter, Kind), muss klar sein, dass diese Lebensform eine Minderheit darstellt und so auch gesellschaftlich positioniert wird.

Weder im Sport noch an anderen Stellen ist es akzeptabel, andere Menschen mit seiner Sexualität zu belästigen. Es interessiert Leistung und gesellschaftliches Miteinander. Nicht mehr und nicht weniger. Sexualität ist Privatsache, es sei denn, man verfolgt eine Ideologie der Umerziehung.

Hartmut Steeb ist zu danken für sein christliches Engagement und es ist zu hoffen, dass er viele Nachfolger finden wird.

Umdenken dringend geboten

Wäre Sexualität wirklich Privatsache, dann bräuchte es nicht so viele Gesetze und Diskussionen. Der Gesetzgeber hat die Pflicht, dieser großen Kraft Grenzen und Rahmen zu setzen. Sex mit Minderjährigen ist unter Strafe verboten, so auch Sex mit Tieren und öffentlicher Sex, um ein paar Bereiche zu nennen. Ist der zunehmende Rückzug des Gesetzgebers im Bereich der Sexualität es wirklich wert, dass eine erschreckende Zahl von Kindern heute in zerbrochenen Familien aufwachsen, dass es immer mehr vaterlose und mutterlose Kinder gibt? Hier ist ein Umdenken dringend geboten.

Eintreten für Gottes Schöpfungsordnung

Gottlob endlich auch einmal ein streitbarer evangelischer Bruder, der es wagt, in der Öffentlichkeit für Gottes Schöpfungsordnung einzutreten und seinen Kopf einer Menge von ideologisierten Rebellen hinzuhalten, auch für die Mehrheit der meist Stillen im Lande, so auch für mich!

Vielen Dank, lieber Bruder! Meist waren ja bisher vor allem Frauen, und von ihnen Katholiken, in die Arena gegangen. Möge Ihr Auftreten doch auch unsere evangelischen Bischöfe ermuntern, sich Ihnen zur Seite zu stellen! Unser Herr und eine Beterschar werden Sie zu nächtlicher Stunde begleiten.

Kann jeder leben wie er will

Ich halte die Aussage, dass jeder so leben kann, wie er will, für sehr bedenklich. Homosexuell empfindende Menschen können in unserem Land in der Tat ihre Sexualität so leben wie sie es möchten. Es wird jedes Jahr sehr viel Geld von der Regierung ausgegeben, um für sog. sicheren Sex zu werben, wohl wissend wie unbeherrscht und lustorientiert viele Menschen leben.

Aber ist die Kampagne "Lieber mit" wirklich das kleinere Übel? Damit wird suggeriert, dass man mit entsprechendem Schutz sicher ist vor Aids und anderen sexuell anstreckenden Krankheiten. Viele Menschen zahlen für diese fragwürdige Garantie einen sehr hohen Preis. Die Freiheit, meine Werte zu leben und anderen zu vermitteln hört dort auf, wo die Freiheit und Gesundheit anderer bedroht wird. Im Zuge zunehmender sexueller Freiheit verlieren am Ende alle, denn diese Freiheit kostet viel. Eine Gesellschaft, die sich keine Grenzen mehr zu setzen zutraut, hat sich vom christlichen Menschenbild verabschiedet. Die Maxime, dass jeder leben kann, wie er will, muss hinterfragt werden.

Lass Dich nicht niederreden

Danke, danke, lieber Hartmut Steeb. Dabei ist er doch gar keine Kämpfernatur, die jeden niederredet. Eher sanft und tolerant. Aber hier ist es gut, einmal Tacheles zu reden. Und doch so tolerant zu bleiben, wie ich es kaum bei einem Befürworter dieses Unbildungspaketes erlebe. Wenn Du zu Herrn Backes gehst, dann lass Dich nicht einwickeln oder niederreden. Passiert dort leider oft. Aber da ist es doch wert, die Sendung zu sehen und dafür zu beten. Nochmals danke für so viel Mut! Da können wir doch von der Evangelischen Allianz stolz auf Dich sein!

Landesverfassung BW, Artikel 16

(1) In christlichen Gemeinschaftsschulen werden die Kinder auf der Grundlage christlicher und abendländischer Bildungs- und Kulturwerte erzogen. Der Unterricht wird mit Ausnahme des Religionsunterrichts gemeinsam erteilt.

(3) Ergeben sich bei der Auslegung des christlichen Charakters der Volksschule Zweifelsfragen, so sind sie in gemeinsamer Beratung zwischen dem Staat, den Religionsgemeinschaften, den Lehrern und den Eltern zu beheben.