Fokolar-Bewegung ehrt Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I.

Image Fokolar-Bewegung ehrt Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I.

Verleihung des Hemmerle-Preises für Ökumene und Dialog mit den Weltreligionen

 

Am 12. Juni wird die Fokolar-Bewegung den Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I. (seit 1991), in Istanbul für seine Verdienste um die Ökumene mit dem Klaus-Hemmerle-Preis auszeichnen. Die Fokolar-Bewegung will damit das Engagement des Patriarchen im Dialog mit den Weltreligionen und sein Wirken für die Ökumene als "Brückenbauer" würdigen. Er ist zugleich Oberhaupt der gesamten orthodoxen Christenheit, verfügt in diesem im Ehrenamt allerdings nicht über die Weisungsbefugnisse, die der Papst in der römisch-katholischen Kirche hat. Die Laudatio wird Karl Kardinal Lehmann halten.

In der Auszeichnung des Patriarchen von Konstantinopel ist weit mehr als nur eine symbolische Bedeutung sehen. Bartholomaios I. sieht in Klaus Hemmerle einen Freund und Bruder. Sie hatten sich im Jahr 1984 bei einem ökumenischen Bischofstreffen in Istanbul kennen gelernt. Der Hemmerle-Preis ist nach Klaus Hemmerle benannt, der Theologieprofessor in Bochum und Freiburg war und 1975 Bischof von Aachen wurde. Er lernte die Fokolar-Bewegung bereits als junger Priester in den fünfziger Jahren kennen und stand ihr als einer Bewegung, die für Dialog und Verständigung eintritt, stets besonders nahe. Seinem Denken verlieh er durch den Ausspruch "Liebe die Kirche des anderen wie deine eigene" besonderen Ausdruck. Er verstarb 1994.

Bartholomaios I. hat viele Zeichen für die Ökumene gesetzt. So stattete er 2006 der römisch-katholischen Kathedrale zum Heiligen Geist in Istanbul einen historisch zu nennenden Besuch bei einem Gottesdienst ab, den Papst Benedikt XVI. zelebrierte. Während des Gottesdienstes tauschten die beiden Kirchenoberhäupter einen Friedenskuss aus. Sie gaben auch eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie ihren Willen bekräftigten, für die Wiederherstellung der Einheit der beiden Kirchen einzutreten (Joint Declaration by Ecumenical Patriarch Bartholomew and Pope Benedict XVI).

Die Verleihung des Hemmerle-Preises sieht Bartholomaios I. ebenso als Zeichen seiner Verbundenheit mit der Fokolar-Bewegung. Er hatte zuletzt im März 2006 Verbindung zur Gründerin der Fokolar-Bewegung, Chiara Lubich, die er noch kurze Zeit vor Ihrem Tod in Rom besuchte. Chiara Lubich hatte die Fokolar-Bewegung 1948 gegründet (MEDRUM-Artikel v. 25.03.08). Mit dem Patriarchen Bartholomaios und Bischof Klaus Hemmerle verband sie die Gemeinsamkeit des Anliegens für die Ökumene und zum interreligiösen Dialog.

In einem Bericht des Fernsehsenders 3sat im Februar 2005 sagte der Sender über Bartholomaios I. "Patriarch Bartholomaios I. ist türkischer Staatsbürger griechischer Abstammung, ein kosmopolitischer Europäer, der sieben Sprachen fließend spricht. Er verkörpert heute die über alle Grenzen hinweg wirkende ökumenische Kraft, die den Zusammenhalt zwischen den orthodoxen Schwesterkirchen der Welt einschließlich der neuen Episkopate in den ehemaligen Ländern des Ostblocks wahrt." 3sat nannte ihn einen überzeugten Europäer und eine der beeindruckendsten geistlichen Persönlichkeiten unserer Zeit.

In der Begründung für die Preisverleihung an Patriarch Bartholomaios, heißt es, Patriarch Bartholomaios engagiere sich seit über dreißig Jahren in der Förderung des ökumenischen Dialogs und habe auch seine Verbindungen nach Deutschland immer wieder genutzt, um die Beziehungen zur evangelischen und katholischen Kirche zu stärken. Außerdem habe er auch in ökumenisch schwierigen Zeiten gute Kontakte zu den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. gepflegt.

Die Verdienste von Bartholomaios für Dialog und Ökumene mit Gesprächspartnern aller Kirchen und Religionen, wird vom Bischof von Mainz, Kardinal Karl Lehmann, als Laudator gewürdigt werden. Den Bischof von Mainz wird eine Delegation von 80 Personen begleiten. Dazu werden neben den katholischen Bischöfen Heinrich Mussinghoff aus Aachen und Reinhard Lettmann aus Münster auch der griechisch-othodoxe Metropolit Augoustinos aus Bonn, und Vikarbischof Evmenios Tamiolakis aus Aachen sowie der vormalige Präsident des Lutherischen Weltbundes und Klaus-Hemmerle-Preisträger von 2006, Landesbischof i. R. Christian Krause, gehören.

Mit der Auszeichnung in Istanbul will man zugleich auch das Christentum in der Türkei fördern. Dr. Wilfried Hagemann, Geistlicher Rektor aus Münster und Mitglied der Preis-Jury, sieht in der Ortswahl eine bewusste Entscheidung, mit der ein klares Signal der Solidarität mit der christlichen Minderheit in der Türkei gesetzt werden soll. In Istanbul sei die Zahl der Gläubigen der griechisch-orthodoxen Kirche von 300.000 im Jahre 1955 auf derzeit 3000 zurückgegangen, teilte die Fokolar-Bewegung mit. Es sei ihr wichtig, ein Zeichen der Solidarität und der Verbundenheit mit diesen Christen zu setzen.

Der von der Fokolar-Bewegung gestiftete Klaus-Hemmerle-Preis wird alle zwei Jahre verliehen. Damit soll das Wirken von Persönlichkeiten im Sinne von Klaus Hemmerle als Brückenbauer zwischen Kirchen, Religionen und Weltanschauungen geehrt werden. Zur Jury gehören Vertreter des Bistums Aachen, des Lehrstuhls für christliche Religionsphilosophie der Universität Freiburg, des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, der evangelischen oder orthodoxen Kirche und der Fokolar-Bewegung. 2006 wurde der Hemmerle-Preis an Bischof Dr. Christian Krause, ehem. Bischof in Aachen u. Präsident des Lutherischen Weltbundes, verliehen. Erstmals verliehen in 2003, ging der undotierte Preis an Prof. Dr. Ernst-Ludwig Ehrlich für seine Verdienste im jüdisch-christlichen Dialog.