Ethischer Konflikt oder fauler Kompromiß?


22.06.09

Ethischer Konflikt oder fauler Kompromiß?

Eine kritische Analyse der Schwangerschaftskonfliktberatung der EKD von Rainer Mayer
und Online-Aktion des Gemeindehilfsbundes "Keine Beratungsscheine" in MEDRUM

(MEDRUM) Die EKD beteiligt sich an der Beratung von schwangeren Frauen und stellt dabei Beratungsscheine nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz aus. Rainer Mayer, Professor für Systematische Theologie, geht in einer kritischen Analyse mit dem Titel "Die ethische Problematik der Schwangerschaftskonfliktberatung" der Frage nach, wie die derzeitige Verfahrenspraxis der EKD zu beurteilen ist und was sie tun muß, um ihrem kirchlichen und seelsorgerischen Auftrag in einer säkularen Gesellschaft gerecht werden zu können.

Mayer gibt zunächst einen Überblick über die geschichtliche Entwicklung und weist auf biblische Aussagen zum Schwangerschaftsabbruch hin, ehe er die rechtliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte in Deutschland schildert. Im Zentrum seiner Analyse steht die Betrachtung ethischer Weichenstellungen. Er zeigt zunächst die Diskrepanz auf, die zwischen dem Verständnis der Menschenwürde aus der Gottesebenbildlichkeit des biblischen Menschenbildes heraus als einem "absolutum" besteht und dem Verständnis einer relativierten Menschenwürde, die an bestimmten Kriterien festgemacht wird. Im Anschluß nimmt Mayer eine differenzierte Erörterung zur Frage vor, was grundsätzlich unter einem ethischen Konflikt und unter einer Konfliktsituation aus theologisch-ethischer Sicht zu verstehen ist. Er zeigt auf, dass bei Schwangerschaftskonflikten nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz in der Regel kein echter theologisch-ethischer Konflikt vorliegt. Deswegen seien die "Verlautbarungen der EKD zum Schwangerschaftsabbruch ethisch unzureichend begründet", folgert Mayer. "Darüber hinaus verdrehen sie das Zentrum des Evangeliums", so Mayer.

Im letzten Teil seiner Analyse wendet sich Rainer Mayer der Kirche und ihrer Praxis zu, um die Frage zu beantworten, "Wie sollte sich die Kirche im Rahmen der gesellschaftlichen Abtreibungspraxis verhalten?" Er kommt zu klaren Folgerungen: "Dieselbe Institution, die Beihilfe zur Tötung leistet, kann nicht glaubwürdig Vergebung für diese Tötung zusprechen. Die Kirche muss sich nicht nur an ihren Worten, sondern erst recht an ihren Taten messen lassen und glaubwürdig bleiben." Mayer fordert die Kirche auf, zum klaren kirchlichen Auftrag gemäß dem Evangelium zurückzukehren und evangeliumsgemäß in der säkularen Gesellschaft zu handeln. "Dies muss man wollen - jenseits fauler Kompromisse!", ist Mayers Fazit.

Rainer Mayer  -> Die ethische Problematik der Schwangerschaftskonfliktberatung (Teil I)

Rainer Mayer  -> Die ethische Problematik der Schwangerschaftskonfliktberatung (Teil II)

Auf Rainer Mayers Analyse bezieht sich eine Unterschriftenaktion des Gemeindehilfsbundes, mit der für eine Änderung der Schwangerschaftsberatungspraxis in der EKD geworben wird. Der Gemeindehilfsbund beginnt in dieser Woche  mit einer bundesweiten Unterschriftensammlung, die im Oktober der EKD vorgelegt werden soll. Dem Gemeindehilfsbund geht es mit dieser Aktion nicht darum, dass sich die EKD aus der Beratung von Schwangerschaftskonflikten zurückzieht, sondern darum, dass die EKD künftig keine Beratungsscheine mehr ausstellt und sich bei ihrer Beratung an den theologisch-ethischen Vorgaben des Evangeliums ausrichtet.

MEDRUM unterstützt die Unterschriftensammlung des Gemeindhilfsbundes, die von insgesamt 13 weiteren Organisationen mitgetragen wird, mit einer Online-Unterzeichnungsaktion, die ab sofort auf der Startseite von MEDRUM aufgerufen werden kann.

-> Unterschriftenaktion des Gemeindehilfsbundes - Keine Beratungsscheine.