Erzbischof Zollitsch über Zahl der Kirchenaustritte beunruhigt


26.09.09

Erzbischof Zollitsch über Zahl der Kirchenaustritte beunruhigt

(MEDRUM) Im Jahr 2008 verlor die Katholische Kirche 121.155 Mitglieder durch Kirchenaustritte. Im Vergleich zum Vorjahr war dies ein erheblicher Anstieg um 27.488 Mitglieder. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch aus Freiburg, äußerte sich besorgt über diese Entwicklung.

Wie MEDRUM berichtete, stieg die Zahl der Kirchenaustritte in den Jahren 2007 und 2008 deutlich an, nachdem sie in den Jahren 2004, 2005 und 2006 deutlich gesunken war. Die Entwicklung der Kirchenaustrittszahlen seit dem Jahr 2000 zeigt das nachfolgende Diagramm:

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Bei der Pressekonferenz zum Abschluss der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 25. September 2009 in Fulda erklärte Erzbischof Zollitsch zur Entwicklung der Kirchenaustritte:

"In diesen Tagen wurden uns Einzelheiten der kirchlichen Statistik für das Jahr 2008 zur Kenntnis gebracht. Sie enthält Hinweise auf eine gleichbleibend hohe Anzahl von Taufen, aber auch auf eine gestiegene Zahl von Kirchenaustritten. Wir werden in der nächsten Zeit versuchen, eine Erklärung für diesen Anstieg zu finden, der mich sehr beunruhigt. Das Problem der Kirchenaustritte trifft beide große Kirchen gleichermaßen. Ob der Entschluss zum Kirchenaustritt in deutlichem Zusammenhang mit einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation der Austretenden steht, ist eine Frage, auf die ich noch keine Antwort weiß. Ich will die Suche nach Erklärungen aber auch nicht auf sie beschränken. Es gibt eben im religiösen Pluralismus unserer Tage weniger Bereitschaft, sich in einer Kirche zu binden. Schon jetzt ist ja ganz klar: Der Kirchenaustritt vieler Getaufter ist vor allem ein theologisches Problem: Wir erreichen durch unseren Dienst nur einen Teil der Gläubigen und müssen uns fragen, was eine missionarische Pastoral unternimmt, um den Glauben auch in denen zu stärken, die zu uns gehören, ohne doch regelmäßig unseren Dienst in Anspruch zu nehmen. Diese pastorale Herausforderung müssen wir sehr ernst nehmen. Sie beweist, dass es nicht nur um die Erneuerung von kirchlichen Strukturen geht. Ganz im Gegenteil!"

Die Zahl der Kirchenaustritte liegt zwar noch weit unterhalb der Zahl von 185.589 Taufen, doch bedingt durch die hohe Anzahl der Verstorbenen ging die Zahl der Kirchenmitglieder auf 25,2 Mio. Katholiken zurück.

Aufschlußreich ist ein Vergleich der Kirchenaustrittszahlen zwischen den Bistümern. Wie hoch der Anteil Kirchenaustritte, gemessen an der Zahl der Kirchenmitglieder in den jeweiligen Bistümern war, veranschaulicht folgendes Diagramm:

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Insgesamt verlor die Katholische Kirche knapp 0,5 Prozent ihrer Mitglieder. Die prozentual größten Anteile an Kirchenaustritten waren in den Bistümern Hamburg und Berlin zu verzeichnen. Dort verlor die Katholische Kirche etwa 1 Prozent ihrer Mitglieder. Am niedrigsten waren die Verluste mit 0,3 Prozent in Erfurt, Münster, Paderborn, Passau, Regensburg und Trier.


-> Kirchenaustritte in 2008 angestiegen