Einseitiger Dialog über Schulkinderbetreuung

06.05.08

Einseitiger Dialog über Schulkinderbetreuung
„Wachtbergs Bürgermeister antwortet Familien nicht"

Wie schwierig der Dialog zur Umsetzung politischer Konzepte in der Alltagspraxis auf der Ebene der Gemeinden werden kann, wird am Beispiel der Wachtberger Initiative „Schulkinderbetreuung" deutlich. In einer heute herausgegebenen Presseerklärung verweist die Initiative auf einen erstaunlichen Mangel an Dialogbereitschaft, den sie auf Seiten der Kommune erlebt. Sie kritisiert vor allem das Verhalten des Bürgermeisters Theo Hüffel (CDU), der auf Briefe engagierter Einwohner einfach keine Antwort gibt, stellt die Initiative fest.

Das ist jedenfalls das Fazit der Sprecherin der Initiative, Almut Rosebrock, das sie aus ihrem Einsatz für ein Betreuungsangebot an Wachtbergs Grundschulen zieht, das dem Familienbedarf gerecht werden soll. Sie hat in einer Bedarfsabfrage im Juni 2007 herausgefunden, dass zahlreiche Wachtberger Familien für ihre Schulanfänger eine verlässliche Betreuung bis zum Ende der 6. Stunde benötigen (Halbtag). Aufgrund der starken finanziellen Ganztags-Förderung bieten vier von fünf Grundschulen in Wachtberg seit diesem Schuljahr nur noch die Betreuungsform „Ganztag" an, in der die Kinder täglich mindestens bis 15 Uhr in der Schule bleiben müssen. Das ist jedoch vielen Eltern, die eigentlich eine Fix-Betreuungszeit vormittags für Halbtagsberufstätigkeit brauchen, viel zu lang. Sie wollen ihre Kinder weitgehend selber erziehen und mit ihnen gemeinsam nach der Schule das Mittagessen einnehmen, heißt es in der Presseerklärung.

Die Initiative kritisiert vor allem, dass die CDU mit ihrer Mehrheit in der Haupt- und Finanzausschusssitzung vom 10.04.2008 das Anliegen der Elterninitiative für Vielfalt in der Schulkinderbetreuung nach einer differenzierten Bedarfsabfrage bei Wachtbergs Eltern erneut „niedergeschmettert" hat. Diese Abfrage war dazu gedacht, eine Grundlage für ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot zu schaffen. Die Vertreter aller anderen Parteien hatten sich dafür eingesetzt, wenigstens eine Bestandaufnahme zu machen, die als Grundlage für weiteres Handeln dienen kann, heißt es weiter.

Nach Darstellung der Initiative wollen die Eltern, denen das Wohl ihrer Kinder am Herzen liegt, auch nach dieser erneuten Niederlage nicht aufgeben. Sie hatten sich bereits am 07.05.2007 mit einer ersten Petition in dieser Sache an den Landtag NRW gewandt und eine zweite am 18.04.2008 eingereicht. Am 19. April hatte Almut Rosebrock erneut einen Brief an den Bürgermeister geschrieben und um Stellungnahme in den nächsten vierzehn Tagen gebeten. Bisher hat sie noch nie irgendeine schriftliche Stellungnahme des Bürgermeisters bekommen, stellt sie fest, auch nicht auf Briefe, die sie im Juni 2007 und März 2008 geschrieben hatte. Dasselbe berichtete ihr eine Mutter, die sich mit zwei Schreiben an Bürgermeister Hüffel gewandt und dringend um Mittagsbetreuung für ihre Tochter gebeten hatte. "Auch sie erhielt keine Antwort!", wird festgestellt.

Die Initiative hält dem Bürgermeister vor, dieses Thema Aussitzen zu wollen und durch „beharrliche Ablehnung und Schweigen vom Tisch wischen" zu wollen. Der Bürgermeister rühmt sich zwar der „Familienfreundlichkeit", wirkt auf zahlreiche Familien Wachtbergs doch sehr wenig überzeugend, stellt man dazu fest.

Almut Rosebrock bedauert diese mangelnde Bereitschaft, auf Bürgeranliegen einzugehen, sehr. „Dieses Verhalten führt zu einer zunehmenden Politikverdrossenheit der Bürger", so ihre Meinung. Statt die betroffenen Bürger nach ihrem eigentlichen Bedarf zu fragen, kümmert man sich „offenbar allein ums Geld und die Zuschüsse, die für den Ganztag reichlich fließen", kritisiert sie. Dieses Verhalten will man nun nicht länger hinnehmen und sieht sich gezwungen, auch in der Öffentlichkeit darüber zu informieren. Ob dies dazu beitragen wird, einen konstruktiven Dialog zwischen Bürgern und Gemeinde herzustellen, bleibt abzuwarten.


Informationen über die Initiative "Schulkinderbetreuung": www.initiative-schulkinderbetreuung.de