Demokratischer oder undemokratischer Geist in der Süddeutschen Zeitung?


29.01.15

Demokratischer oder undemokratischer Geist in der Süddeutschen Zeitung?

Das Lebensrecht ungeborener Kinder und das Recht auf eine eigene Meinung scheint einer überregionalen süddeutschen Tageszeitung nicht viel wert zu sein

Ein Zwischenruf von Kurt J. Heinz

(MEDRUM) Wer sich zum Grundgesetz und zu seinem höchsten Verfassungswert, nämlich dem Recht eines jeden Menschen auf Leben, bekennt, läuft Gefahr in der Süddeutschen Zeitung als "radikal" verunglimpft und in die Nähe eines vermeintlich christlichen Rechtsradikalismus gerückt zu werden. So geschah es Markus Hollemann in München, der als Favorit für das Amt des Gesundheitsreferenten galt, doch nur so lange er nicht zur Zielscheibe von Medien wurde.

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Vorwurf: Sympathie für Abtreibungsgegner

Die Aussicht, Gesundheitsreferent zu werden, bestehen für Markus Hollemann nicht mehr. Sein vermeintlicher Fehler war, aus Sicht der für die Süddeutsche Zeitung (SZ) arbeitenden Dominik Hutter, Josef Kelnberger und Christian Kügel, dass er sich für das uneingeschränkte Recht auf Leben, auch des ungeborenen Lebens einsetzt. Dazu gehört insbesondere, wenn er auch noch einem Verein wie der "Aktion Lebensrecht für alle e.V.", Mitglied im Bundesverband Lebensrecht, angehört (Bild links). So jemand wird im Jargon der Süddeutschen Zeitung als "radikaler" Abtreibungsgegner bezeichnet ("Sympathie für radikale Abtreibungsgegner", SZ vom 27.01.15). Überspielt wird dabei, dass Hollemann eigentlich mit beiden Füßen auf dem Boden der Verfassung und der höchstrichterlichen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes steht.

Das scharfrichertliche Urteil

Es braucht nicht viel Klugheit und Kompetenz, zu erkennen, dass dies für Hollemann sprechende Tatsachen sind, aber es gehört eine stattliche Portion dreister Intoleranz und Skrupellosigkeit dazu, einen Menschen, der sich, aus Gründen seines GeImagewissens oder weil er hinter dem Verfassungswert des Rechtes auf Leben steht, durch Verwendung negativ besetzter Begriffe wie "radikal" ausgrenzen zu wollen.

Genau das tun die Autoren der SZ, und zwar mit bekannt subtilen Methoden. Sie zitieren zielgerichtet die zu ihrem Urteil passenden Stellen. Da darf am Ende auch der Rechtsradikalismus nicht fehlen. Und so lassen sie Marcus Buschmüller von der Münchner Fachinformationsstelle Rechtsextremismus sprechen, der vor der "Aktion Lebensrecht" warne. Und gleich danach folgt: "Die Übergänge zu christlichem Fundamentalismus und rechtsgerichtetem Antifeminismus seien fließend." Es fehlt nur noch abschließend: quod erat demonstrandum. Dann interessiert es auch nicht, was der bisher noch nicht als radikal oder einem christlichen Rechtsradikalismus als nahe stehend geltende Papst Franziskus zur Verteidigung des ungeborenen Lebens sagte (Bild links oben).

Charlie zum Abschuss freigegeben

Mit diesem Journalismus macht sich die Süddeutsche Zeitung zum Spießgesellen einer demokratie- und menschenfeindlichen Phalanx all derjenigen Teile in der Gesellschaft und Politik, für die es selbstverständlich und ein vermeintliches Recht geworden ist, dass ungeborene Kinder hunderttausendfach abgetrieben werden. Und wer es wagt, gegen dieses Ab-Treiben einzutreten, der muss sich, wie Markus Hollemann, darauf gefasst machen, dass ihn die geballte meinungsmachende Macht der Medien trifft. Auch mit der Achtung der Freiheit der Meinungsäußerung wird es dann nicht mehr so genau genommen. Gestern war man noch auf der Seite des Gejagten, klar auf der Seite von "Charlie", heute betätigt man sich selbst als Jäger und gibt Charlie zum Abschuss frei. Es ist ja nicht die eigene sondern die fremde Meinung, um die es geht.

ImageChristliche Rechtsradikale?

Dem Abtreibungs-Treiben huldigend statten sich die Autoren solcher Artikel und mit ihnen ihre Zeitung selbst mit einer Jagdlizenz aus, um den Gejagten Hollemann zu erlegen. Er wird zur Trophäe, deren Abschuss am nächsten Tag mit dem passenden Kommentar des Christian Kügel von der Süddeutschen Zeitung unter der Überschrift "Eine Personalie, die alle blamiert" ganz offensichtlich gefeiert wird: "Wer einem Verein radikaler Abtreibungsgegner angehört, kann nicht Münchner Gesundheitsreferent werden. Wer mit christlichen Rechtsradikalen sympathisiert, darf kein politisches Amt in dieser Stadt besetzen. Also ist der Rückzug von Markus Hollemann von der Kandidatur als Umwelt- und Gesundheitsreferent die einzig mögliche und richtige Konsequenz." Der Triumph ist groß. Denn am Ende präsentiert sich der Gejagte auch noch als ein Geläuterter und schwört ab (Bild oben).

Mit dem Populismus des Mainstreams kopulieren

Wer sich nun erlaubt, den meinungsmachenden Journalismus einer Zeitung am Maßstab des Grundgesetzes zu messen, und wer von der Gehirnwäsche eines mit dem Populismus des Mainstream kopulierenden Journalismus noch verschont geblieben ist, weiß sehr genau, wer in Wahrheit radikal ist und wem wahrer demokratischer Geist fehlt. Es ist nicht Markus Hollemann und es auch nicht die Aktion Lebensrecht.

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Redaktion der Süddeutschen Zeitung: redaktion@sueddeutsche.de


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27.01.15 Sympathie für radikale Abtreibungsgegner Süddeutsche Zeitung
28.01.15 Eine Personalie, die alle blamiert Süddeutsche Zeitung

Leserbriefe

Eingeschränkte Meinungsfreiheit

Die Süddeutsche Zeitung erlaubt nur Meinungen, die der political correctness entsprechen. Es wäre aber demokratisch, auch abweichende Meinungen zu erlauben. Unsere Medien sind frei, ihre Meinungen als die allein Richtigen zu verbreiten. Abweichende Meinungen werden heute in fast allen Medien unterdrückt. Der Normalbürger hat keine Chance, seine abweichende Meinung zu verbreiten. Das ist eine arg eingeschränkte Meinungsfreiheit. Schade. Dr. Eduard Werner

klare Worte!

Danke für diese klaren Worte!

Da bleiben nur noch Diffamierung und Skandalisierung

Es ist immer wieder dasselbe: Wenn man keine Argumente hat, dann bleibt eben nur noch die Diffamierung und Skandalisierung. Genauso ist es auch im Bereich Abtreibung. Wer sich über Abtreibung unvoreingenommen und in demokratischer Gesinnung ein Bild machen wollte, der müsste das Grundgesetz und die internationalen Konventionen zu Grund- und Menschenrechten aufschlagen und darin nachvollziehen, was ethisch gerechtfertigt ist und was nicht. Dabei würde man feststellen, was es bedeutet, wenn im Grundgesetz steht, dass die Würde des Menschen UNANTASTBAR ist. Danach gäbe es für Interpretationen wirklich nicht mehr viel Spielraum, da sich aus der Zusammenschau von Artikel 3 und Artikel 1 Grundgesetz ganz klar ergibt, dass die Menschenwürde ein ideeller Wert ist, der durch keinerlei menschliche Eigenschaften (Gehirnströme oder keine Gehirnströme bei einem ungeborenen Kind zum Beispiel) begründet oder ausgeschlossen werden darf. Damit ist dann auch unzweifelhaft, dass jedem ungeborenen Kind die Menschenwürde und folglich das volle Lebensrecht zukommt.

Das sind Argumente, denen man sich faktisch kaum erwehren kann, wenn man sich mit der Angelegenheit einmal WIRKLICH auseinandersetzt. Und genau deshalb setzen Abtreibungsbefürworter alles daran, jede Art von logischer und stringenter Diskussion über Abtreibung sofort im Keim zu erschlagen. Das passiert dann über genau solche Skandalisierungen, wie sie die Süddeutsche hier bringt. Wobei natürlich gleichzeitig in der Berichterstattung peinlichst darauf geachtet wird, dass das eigentliche Thema, nämlich die ethische Rechtfertigung von Abtreibung, nicht im Mindesten thematisiert wird. Besonders gut funktioniert die Skandalisierung und Unterbindung jedes Dialoges in Deutschland mit der Titulierung „rechtsradikal“. Deshalb taucht dieser Begriff jetzt auch gegenüber den Abtreibungsgegnern auf.

Es ist eben genauso wie schon damals in der DDR: Da hatte man auch keine echten Argumente für den Mauerbau und hat deshalb die Mauer ideologisch einfach als antifaschistischen (!) Schutzwall verkauft. Herrn Hollemann kann man bezüglich der jetzt laufenden Diffamierungskampagne wirklich nur alles Gute wünschen. Im Grunde ist es schlichtweg infam, mit welchen Bezeichnungen man heute als bekennender Christ leben muss. Da werden ausgerechnet Menschen, die aus der Tradition der „bekennenden Kirche“ als eine der wenigen Oppositionsbewegungen während des Nationalsozialismus heraus kommen heute als „rechtsradikal“ und „ultrarechts“ tituliert. Da muss man sich von der Süddeutschen Zeitung anhören, dass man „reaktionär“ sei, obwohl man mit der Abtreibung nur etwas kritisiert, was in Deutschland noch immer eine strafbare (!) Handlung ist.

Was die wenigsten Leute wissen: Abtreibung ist nach wie vor strafbar, der Staat sieht lediglich unter bestimmten Bedingungen von der Strafverfolgung ab. Straffrei ist Abtreibung nur in ganz speziellen Fällen, so zum Beispiel bei Vergewaltigungen. Ich weiß nicht, wie reaktionär man im Sinne der Süddeutschen Zeitung genau sein muss, um strafbare Handlungen abzulehnen. Ich meine allerdings, dass es weniger reaktionär und viel mehr meine Bürgerpflicht ist, strafbare Handlungen abzulehnen.

Kampagnen"journalismus"

Ein Bewerber um ein öffentliches Amt wird wegen seines gelebten christlichen Glaubens in diesem meinungsbildenden Journal an den Pranger gestellt, exemplarisch als reaktionär und latent rechtsradikal diffamiert und überdies der Lächerlichkeit preis gegeben. So kann seine Kandidatur kaum erfolgreich sein.

Zugleich aber wird mit dieser Art Kampagnen"journalismus" ein öffentliches Klima in Deutschland befördert, in dem es mehr und mehr einer gewissen Zivilcourage bedarf, sich zu seinem christlichen Glauben und daraus folgenden politischen und gesellschaftlichen Grundüberzeugungen und Forderungen zu bekennen. Mithin wird eine Atmosphäre begünstigt, die es den straßenkampferprobten Autonomen u. a. Hilfstruppen der Linken und GRÜNEN erlaubt, ungestraft massiv gegen friedliche Demonstranten vor zu gehen, wie in den letzten Wochen und Monaten immer wieder geschehen ( z. B. in Stuttgart, Berlin, Hamburg ).

Mitunter stellt sich mir in diesen Wochen die bange Frage: Wohin steuert meine Heimat, die mir aus der Ferne immer fremder erscheint? Womöglich hilft ein solcher "fremder Blick", um diese Vorgänge in die vom linken Mainstream durch Political Correctness und freiwillige Geichschaltung von Politik und Dominanzmedien herbei geführte Meinungsdiktatur mit der notwendigen Distanz und Sensibiltät zu durchschauen.

Fazit: neben vielen anderen nährt auch dieser Text die Befürchtung, dass Organe wie die SZ u. a. - sich offenbar in einem unerklärten Kulturkampf gegen bekennende Christen, resp. das Christentum insgesamt ( bzw. die vitalen Reste ) wähnen, die sie als zum Abschuß frei gegeben erklären, sobald sie sich nicht dem linken Mainstream unterordnen und ihre Stimme erheben. Es verstärkt sich mehr und mehr der Verdacht, dass sich große Teile der politischen und medialen Meinungsführer meiner (Nachkriegs-)Generation, die einst angetreten war, das Ungeheuerliche des NS-Staats nie wieder zu erlauben, und ihre Epigonen auf einem furchtbaren Irrweg befinden, der sie unter rot gewandelten Vorzeichen in die Fußstapfen der früher geschmähten Väter treten lässt.