Bildungsgipfel löst kritisches Echo aus


23.10.08

Bildungsgipfel löst kritisches Echo aus

(MEDRUM) Trotz des Beschlusses, die Ausgaben für Bildung deutlich zu erhöhen, hinterließ der gestrige Bildungsgipfel bei vielen Stellen ein kritisches Echo.

Die Ausgaben für Bildung und Forschung sollen von einem Anteil von derzeit 8,7 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf 10 Prozent bis zum Jahr 2015 gesteigert werden, ist ein erklärtes Ziel des gestrigen Bildungsgipfels zwischen Bund und Ländern, auf das sich Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten der 16 Bundesländern einigten. Legt man das BIP aus dem Jahr 2007 zugrunde, wären dies mindestens 20 Mrd. Euro zusätzlich zu den rund 200 Mrd. Euro, die Bund und Länder im Jahr 2006 ausgegeben hatten.

Einigkeit besteht damit in der Frage, wie sich die gesamtstaatlichen Ausgaben für Bildung und Forschung entwickeln sollen. Unklar ist jedoch noch, wie die zusätzlichen finanziellen Mittel zwischen Bund und Ländern verteilt aufgebracht werden sollen. Eine Strategiegruppe soll bis zum nächsten Oktober Vorschläge erarbeiten, wie die zusätzlichen Mittel aufgebracht werden sollen. Auch die Frage, wofür und wie man welche Mittel konkret einsetzen will, ist noch unbeantwortet.

Neben der Steigerung der Bildungsausgaben, wurden folgende Ziele festgelegt:
  • erhöhen der Zahl der Studienanfänger auf 40 Prozent eines Abiturientenjahrganges, um dem steigenden Fachkräftebedarf gerecht zu werden;
  • schaffen der Voraussetzungen durch die Länder bis 2010, dass Meister, Techniker, Fachwirte und Inhaber gleichgestellter Abschlüsse ohne Abitur an Hochschulen studieren können;
  • senken der Quote der Schulabgängerinnen und Schulabgänger, die ohne Abschuss die Schule verlassen, bis 2015 von acht auf vier Prozent;
  • verringern der Zahl der Jugendlichen ohne abgeschlossene Berufsausbildung von heute 17 auf 8,5 Prozent;
  • bessere Gestaltung der Schnittstellen zwischen Schule und Ausbildung, damit eine begonnene Berufsausbildung auch erfolgreich abgeschlossen wird;
  • gewährleisten einer flächendeckende Sprachförderung für Kleinkinder vor ihrer Einschulung durch die Länder bis 2012, um den Übergang zur Schule zu erleichtern;
  • bessere flankierende Sprachförderung der Eltern durch den Bund.
Für Bundeskanzlerin Angela Merkel sind die Ergebnisse des Bildungsgipfels gute Nachrichten, auch wenn es noch vieles zu tun gebe. Es gehe jetzt darum, auch Sorge zu tragen, dass die Erhöhung der Bildungsausgaben zum Erfolg führe: "zu einer Bildungsrepublik Deutschland."

Dennoch wird das Ergebnis des Bildungsgipfels von Oppositionsparteien, der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) und auch vom Lehrerverband als unbefriedigend bezeichnet. "Viel Lärm um nichts", "Die Bundeskanzlerin hat Schiffbruch erlitten", "Keine Änderung am eklatanten Lehrermangel", sind nur einige Äußerungen, mit denen die Ergebnisse des Bildungsgipfels kritisiert wurden. Auch Anreize für Abiturienten fehlten, ein Studium aufzunehmen. Der Frankfurter Zukunftsrat hat in einer heutigen Presseerklärung ebenfalls eine kritische Haltung eingenommen. Er hat einen zukunftsfesten und ganzheitlichen Bildungsgipfel gefordert, der zentrale Ideen thematisiert und ihre Umsetzung beschließt. Es gebe zu viele vage Zielformulierungen, aber zu wenig konkrete Maßnahmen, wie Defizite beseitigt und Ziele erreicht werden sollen, ist das Fazit, das dem vielstimmigen Echo der Kritik entnommen werden kann.

Das Dokument der Bundesregierung über den Bildungsgipfel ist im Anhang als Datei zum herunterladen enthalten.


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