Alexander Garth: Warum der Glaube an Gott möglich ist

19.03.08

Warum der Glaube an Gott möglich ist -

Alexander Garth im Interview

bei Gerth Medien

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Der Berliner Pfarrer Alexander Garth kennt die Argumente gegen die Existenz Gottes aus eigener Erfahrung. Mit seinem Buch "Warum ich kein Atheist bin" leistet er jetzt einen erfrischenden Beitrag zur aktuellen Atheismusdebatte. Im Interview mit Gerth Medien sprach er über sich, seine Gemeinde und den Atheismus und den Glauben an Gott ...

 

GM: Weshalb war es Ihnen gerade zur jetzigen Zeit ein Anliegen, ein Buch über Atheismus zu schreiben?

Garth: Erstens bin ich als Sachse in einer christentumsfeindlichen Diktatur mit ihrer aggressiven atheistischen Propaganda aufgewachsen. Die Auseinandersetzung mit dem Atheismus bestimmt mein Leben so lange ich denken kann. Ich stamme aus einem liberalen christlichen Elternhaus, das dem DDR-Regime ablehnend gegenüber stand. Zweitens gehörte zum Theologiestudium in Leipzig ein Studium der marxistisch-leninistischen Philosophie. Drittens bin ich Pfarrer und Gründer einer Missionsgemeinde im Berliner Osten. Viele Menschen, die in unserer Gemeinde zum Glauben an Jesus gefunden haben, stammen aus einem atheistischen Hintergrund. Die Arbeit unserer Gemeinde ist darauf ausgerichtet, Menschen mit einem reduktionistischen atheistischen Weltbild Zugangswege zum Glauben zu eröffnen. Viertens ist es dringend notwendig, dass es endlich ein Buch gibt, das sich mit den Denkvoraussetzungen und Glaubensaussagen des Atheismus auseinander setzt und zum christlichen Glauben einlädt.

GM: Wie und wann haben Sie selbst zu Gott gefunden?

Garth: Ich war ein gläubiges Kind. Das Vaterunser, das meine Mutter mit uns Kindern abends vor dem Einschlafen betete, bedeutete mir viel. Aber dieser Kinderglaube kam mir im Teenageralter irgendwie abhanden. Ich suchte in dieser Zeit den Grund, warum ich lebe und wofür es sich zu leben lohnt. Ich lernte Christen kennen, begann die Bibel zu lesen und zu Jesus zu beten. Bei einem Jugendgottesdienst vertraute ich mein Leben Jesus an.

GM: In ihrem Buch schreiben Sie, dass Atheismus insbesondere in Europa ein Trend sei. Weshalb ist das Ihrer Meinung nach so?

Garth: Die Gründe dafür sind so komplex, dass sie eigentlich den Rahmen dieses Interviews sprengen. Einmal hat das Christentum in Europa im 4. Jahrhundert eine tragische Entwicklung genommen. Als der römischen Kaiser Theodosius im Jahre 380 das Christentum zur für jedermann verbindlichen Staatsreligion und damit zur Zwangsreligion machte, wurde das biblische Christentum zur Ausnahme in der Kirche. Ca. 10 % der Bürger des römischen Reiches waren Christen. Heerscharen von Heiden wurden nun in die Kirche hineingetauft und praktizierten jetzt ihren Unglauben und ihr Heidentum in der Kirche. Statt dass die Kirche Jesu liebevoll um sie warb, wurden die Heiden zwangsgetauft, ohne persönliche Abkehr vom alten Leben mit seinen Götzen und seinen Sünden. War es aus damaliger Sicht vielleicht folgerichtig, aus dem Christentum eine Staatsreligion zu machen, so leitete diese Entscheidung eine verhängnisvolle Entwicklung ein. Die Kirche bestand immer weniger aus an Jesu hingegebenen Christen. Europa wurde zwangschristianisiert, aber nicht wirklich evangelisiert. Das Christentum büßte nicht unerheblich seine spirituelle Vitalität ein, verstrickte sich in Machtkämpfe und Konfessionsstreitigkeiten. Von diesem Hintergrund aus wird verständlich, dass geistige Bewegungen wie die Aufklärung mit ihrem Intellektualismus und Moralismus, der Positivismus und auch die liberale Theologie den Boden für atheistische Ideen bereiteten. Der naturalistische Atheismus Ludwig Feuerbachs, der philosophische Atheismus Karl Marxs, der naturwissenschaftliche Atheismus Ernst Heckels, der psychologische Atheismus Sigmund Freuds fand weite Verbreitung in allen Volksschichten Europas, besonders in Deutschland und Frankreich.

GM: Halten Sie Glaube und Wissenschaft für unvereinbar?

Garth: Auf keinen Fall. Das zeigt schon der überdurchschnittlich hohe Anteil an Christen unter den Naturwissenschaftlern.

GM: Ein von Atheisten immer gern aufgegriffenes Argument ist das der Theodizee, der Frage, wie die Existenz Gottes mit der des Leids, des Übels in der Welt vereinbar ist, nicht nur bezogen auf selbst verschuldetes Leid, sondern insbesondere auch auf unverschuldetes Leid wie beispielsweise der Tod eines Kindes. Wie widerlegen Sie diese Argumentation?

Garth: Die Theodizee-Frage ist die schwierigste Frage überhaupt und ein ernsthafter Einwand gegen Gott. Ich selbst musste erleben, dass meine Mutter, eine fromme Frau, an Krebs starb. Ich studierte Theologie und war ziemlich sauer auf Gott. Das Leben ist nicht fair, weil wir in einer unerlösten Welt leben, in der die Seinsmächtigkeit Gottes noch verborgen ist. Es gibt unzählige Beispiele dafür, dass Gott nicht vor Leid bewahrt. Wer sich aber im Leid auf Gott einlässt, erfährt, dass der Glaube tröstet, Halt gibt und Kraft sowie Freude schenkt.

GM: In Ihrem Buch haben Sie es sich zur Aufgabe gemacht, Atheismus-Argumente zu widerlegen. Kann bzw. muss der gläubige Mensch auf jede Frage eine Antwort haben?

Garth: Nein, das wäre vermessen. Aber der Glaube an Gott hilft, der Absurdität vieler Dinge die Gewissheit entgegen zu halten, dass Gott letztgültig alles gut macht.

GM: Sie sind Gründer, Leiter und Pfarrer der „Jungen Kirche Berlin“, einem Projekt der Evangelischen Kirche in Berlin-Lichtenberg. Dort wollen Sie atheistisch eingestellten Menschen den Glauben näher bringen – mit Erfolg. Können Sie ein Ihnen gut im Gedächtnis gebliebenes Beispiel nennen, auf welche Weise bzw. durch welches Ereignis eines Ihrer heutigen Gemeindemitglieder doch noch zu Jesus gefunden hat?

Garth: Eine junge Frau aus unser Gemeinde war schwer in einen Atheisten verliebt, einen Naturwissenschaftsstudenten. Sie scharte eine Gruppe von Menschen um sich, die jeden Sonntag nach dem Gottesdienst für den jungen Mann betete, dass er zu Gott findet. Der junge Mann begann unsere Gemeinde zu besuchen und sich ernsthaft für den Glauben zu interessieren. Im Laufe von zwei Jahren fand er zu Gott. Das war nicht nur für ihn ein Wunder. Heute sind die beiden glücklich verheiratet und eine Säule in unserer Arbeit.

GM: Was unterscheidet die Gottesdienste in Ihrer Gemeinde von denen einer „konservativen“ Kirche?

Garth: Wenn es um das Evangelium von der Rettung des Menschen geht, sind wir ziemlich konservativ. Aber in den äußeren Formen sind wir recht postmodern und experimentierfreudig. Wir wollen Jesus groß machen mit Ausdrucksformen, die uns entsprechen (das Durchschnittsalter unser Gemeinde liegt bei 22 Jahren) und den Menschen, die sich einladen lassen. Unsere Gottesdienstmusik reicht von alten Chorälen, die von einer Band recht jazzig oder rockig begleitet werden, bis hin zu modernen Lobpreisliedern und selbst geschriebenen Liedern. Es ist uns wichtig, dass jeder Gottesdienstbesucher seine eigene Form findet, Gott mit Liedern zu preisen und das Evangelium zu besingen. Manche sitzen einfach auf ihrem Stuhl, viele stehen, einige heben die Hände, andere knien. Die Predigten bei uns sind nicht kurz, aber sehr herausfordernd und natürlich humorvoll. In der Mitte der Kirche steht ein Altar mit einem riesigen Holzkreuz, einer aufgeschlagenen Bibel und vielen Kerzen. Es gibt eine Bühne, die in abgedämpftes farbiges Licht getaucht ist. An der Decke hängt ein Beamer. Das Thema des Gottesdienstes wird häufig unterstrichen oder illustriert durch den Einsatz von Filmsequenzen, Musiksamples, Videoclips, Ausdruckstanz, Gospelchor, Anspiel. Oft bieten wir Rituale an, um auf die Botschaft des Gottesdienstes zu reagieren: Segnungen mit Öl, Schreiben von Gebeten, die in die Taufschale gelegt werden, stille Gebetszeiten, zu denen man sich als Ausdruck der Hingabe um den Altar mit Kreuz knien kann. Es gibt keine feste Ordnung. Wir halten Voraussagbarkeit des Gottesdienstes für einen Langweilefaktor. Wir feiern jeden Sonntag um 18 Uhr unseren Hauptgottesdienst. Daneben gibt es noch einen postmodernen Nachtgottesdienst mit heiligem Abendmahl und einen liturgischen Abendmahlsgottesdienst jeweils einmal im Monat.

GM: Falls Sie Allister McGraths Buch „Der Atheismus-Wahn“ gelesen haben: Wie stehen Sie zu diesem Buch, bekräftigen Sie alle dort angeführten Argumente gegen den Atheismus und für den christlichen Glauben oder gibt es große Unterschiede?

Garth: Ich habe das Buch mit großem Interesse und Gewinn gelesen und teile die Sicht des Autors. Meine Herangehensweise ist allerdings stärker von meiner Arbeit als Gemeindegründer mitten im Atheismus geprägt. Das verändert auch etwas die Perspektive.


Das Interview führte Christine Beitat anlässlich der Herausgabe seines Buches "Warum ich kein Atheist bin" und erschien in Gerth Medien, 6. März 2008, http://www.gerth.de/News/?idcatart=2051


Zu Buch und Autor:

ImageAlexander Garth: Warum ich kein Atheist bin

Erschienen in Gerth Medien, 01.2008 , EUR[D] 12,95, 224 Seiten, Gebunden Best.-Nr. 816305

http://www.gerth.de/?vp_id=www-Link&fct=search&nav_fct=search&search_str=816305


Alexander Garth ist im entkirchlichten Ostdeutschland aufgewachsen. Er schildert, warum er nicht - wie so viele andere Menschen in seinem Umfeld - Atheist wurde. Es geht ihm darum, Menschen einzuladen, ihre atheistische Haltung zu überdenken und einer kritischen Prüfung zu unterziehen.

Aus dem Vorwort

"Was will das Buch eigentlich erreichen? Es beschreibt in verständlicher, weltlicher, manchmal humorvoller (hoffentlich!) Sprache, was atheistisch und postmodern geprägte Menschen daran hindert zu glauben, und es zeigt Wege zu einer erlebten christlichen Spiritualität. Es möchte eine Brücke zwischen Atheismus und christlichem Glauben schlagen. Menschen sind zunehmend unglücklich über ihren Unglauben und unzufrieden damit. Sie ahnen, dass ihnen der Glaube in schwierigen Zeiten helfen würde, Halt, Lebensmut und Orientierung zu finden."
Alexander Garth


 

Artikelangaben
Autor: 
Alexander Garth
Quellenangaben: 
Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlages Gerth Medien.

Leserbriefe

Beten für Andere am wirkungsvollsten

Eine junge Frau aus unserer Gemeinde war schwer in einen Atheisten verliebt. Sie scharte eine Gruppe um sich, die nach dem Gottesdienst für den jungen Mann betete. Dieser Bericht bestätigt mich in meiner Meinung, daß das Beten für Andere am wirkungsvollsten ist.