Jugendliche Vollrausch-Trinker haben kein Kostenrisiko


23.07.08
Jugendliche Vollrausch-Trinker haben kein Kostenrisiko

Interview mit dem Kölner Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch

(MEDRUM) Das "Koma-Saufen" Jugendlicher hat bereits mehrfach Politik und Medien beschäftigt. In den letzten Tagen ist es erneut in die öffentliche Diskussion geraten. Wie mit Sauf-Exzessen umgegangen werden soll, wird im Ärzteblatt, der Kölner Kirchenzeitung, beim Kreuzbund und auf der christlichen Website Erziehungstrends als Thema aufgegriffen.

Image Der Kölner Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch fordert, dass Koma-Saufkosten von den Verursachern gezahlt werden sollen. Er übt massive Kritik an der leichtfertigen Übernahme der Folgekosten von Sauf-Exzessen durch den Sozialstaat. „Während die Krankenkassenbeiträge steigen und die Leistungen ständig reduziert werden, spendiert der Sozialstaat - trotz leerer Taschen - großzügig den jungen Vollrausch-Trinkern die Kosten für die Notinterventionen.“

Laut Berechnungen der Krankenkassen liegen die stationären Kosten pro Fall bei ca. 510,- Euro. Dazu kommen die Kosten für den Einsatz der Rettungskräfte in Höhe von 200,- bis 400,- Euro. „Während beispielsweise ältere Menschen schnell in eine Mangel-Versorgung geraten, kann ein von Jahr zu Jahr sprunghaft ansteigender Kreis von jungen Leuten ganz entspannt innerhalb der Maximen einer Spaßgesellschaft den nächsten Sauf-Exzess ansteuern.“ Für dieses Jahr werden die Kosten nach Berechnungen der Krankenkassen auf 18 – 20 Millionen Euro ansteigen.

Wunsch: „Während die Bundesregierung teuere Präventionsprogramme zur Vermeidung dieses den Einzelnen und die Gesamtgesellschaft schädigenden Verhaltens startet, lehrt sie den Nachwuchs gleichzeitig, dass hier nicht nur der Missbrauch von Hilfeeinrichtungen folgenlos bleibt, sondern die Solidargemeinschaft auch inkonsequenter Weise für die Folgen eintritt. Das grenzt fast an staatliche Verleitung zum Missbrauch.“ Albert Wunsch fordert daher, auch auf dem Hintergrund seiner 30-jährigen Tätigkeit in der Jugendhilfe, dass auch hier das Verursacherprinzip greifen muss: „Wenn es sich herumgesprochen hat, dass die so gerne groß sein wollenden Jung-Trinker vor ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus erst einmal ihre Rechnung zu begleichen haben, wird dies schnell in der Szene Wirkung haben. Und falls dem Konto die Bonität fehlen sollte, können die Eltern ja mit einem Kredit auf das Taschengeld einspringen.“


Dr. Albert Wunsch ist Sozialpädagoge und Erziehungswissenschaftler (Psychologie, Pädagogik, Kunst) und ist Dozent für Erziehungswissenschaft, Elementarpädagogik und Konzepte der sozialen Arbeit an der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen Abteilung Köln sowie als Lehrbeauftragter an der Philologischen Fakultät der Uni Düsseldorf tätig. Er verfügt über einschlägige Erfahrungen aus der Arbeit mit Jugendlichen, da er über viele Jahre Leiter des Katholischen Jugendamtes Neuss gewesen ist.

Wunsch ist Autor mehrerer Bücher über Erziehungsfragen, insbesondere des Buches "Abschied von der Spaßpädagogik", in dem er sich für für einen Kurswechsel in der Erziehung ausspricht. Zahlreiche Beiträge von ihm sind auch in der Initiative "erziehungstrends.de" zu finden. Weitere Information ist auf seiner Internetseite zu finden -> Albert Wunsch


MEDRUM-Artikel zum Themenkreis

-> Suchterkrankungen und Gewalt - Erscheinungen der sozialen Lage und des Zerfalls der Familie und Ehe


 


Leserbriefe

Anti-Baby-Pille wird ja auch gezahlt

Wen wundert´s? Schließlich bezahlt ja der Staat auch den jungen Frauen die Anti-Baby-pille durch die Krankenkassen, obwohl mittlerweile hinreichnd bekannt sein sollte, wie gesundheitsgefährlich diese Droge ist. Mal ganz davon abgesehen, daß es sich hier zu einem nicht unwesentlichen Teil um ein Frühabtreibungsmittel und nicht um ein sog. Verhütungsmittel handelt. Und mal ganz abgesehen davon, daß vor- und außereheliche sexuelle Kontakte ja auch einen moralischen Aspekt haben. Es gibt wohl kaum ein Präparat im ganzen Pharmabereich, daß derart sicher sich behaupten kann, wie die "Pille". Todesfälle und schwerste Erkrankungen werden verharmlost und schöngeredet, ja selbst die mittlerweile festgestellte Umweltverschmutzung mit den wieder ausgeschiedenen Hormonen, die auch in der Natur nicht abgebaut werden, aber zu schweren Schäden führen, ist unseren ideologisch verbrämten Umweltschützern nur ein müdes Schulterzucken wert, "freier Sex", ohne Kind, das ist denen wichtiger. Wie also sollen wir von einem Staat, der wissentlich mit dem Leben und der Gesundheit seiner jungen weiblichen Mitbürgerinnen spielt, erwarten, daß er wirksame Maßnahmen ergreift, um Gefahren, die an anderem Ort der Jugend drohen, abzuwenden?