Interview der Oberhessischen Presse mit einer "Homohasserin"


28.04.09

Interview der Oberhessischen Presse mit einer "Homohasserin"

Dr. Christl Vonholdt vom Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft nimmt Stellung

(MEDRUM) In der Oberhessischen Presse stellte sich Christl Vonholdt den Fragen nach Vorwürfen, die vom Lesben- und Schwulenverband, von den hessischen Grünen, vom Marburger Aktionsbündnis "Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus" und dem Bundestagsabgeordneten von Bündnis 90 / Die Grünen, Volker Beck, gegen sie erhoben wurden.

ImageChristl Vonholdt (Bild links) ist eine der Referenten, denen untersagt werden soll, auf dem Internationalen  Kongreß Psychotherapie und Seelsorge in Marburg zu sprechen. Gegen sie wurden Vorwürfe der Homophobie und Diskriminierung gerichtet.

In der Kontroverse um die Referenten und den Kongreß sprach in der Frankfurter Rundschau ein Vertreter des Lesben- und Schwulenverbandes von "Homohassern". Volker Beck erhob schwerwiegende Vorwürfe gegen Christl Vonholdt und andere Referenten.

Die Grenze der Strafbarkeit sei wohl noch nicht erreicht, erklärte Volker Beck in seiner Mitteilung vom 16.04.09 zum Vortrag von Vonholdt und zwei anderen Referenten, er habe aber Dr. Grabe, den Vorsitzenden der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge, angeschrieben und ihn gebeten, diesen Teil der Veranstaltung abzusagen. "Als Christ widert mich die pharisäerhafte Selbstgefälligkeit  dieser Homoheilungsapologeten an", so Beck. Der Marburger Psychiatriekongreß müsse sich von Homo-Umpolern distanzieren. Würden die Seminare der "Homo-Umpoler" trotz der öffentlichen Kritik stattfinden, wäre dies ein handfester Skandal, erklärte Beck. Man würde es schließlich auch nicht zulassen, wenn jemand antisemitische Positionen vertrete, untermauerte Beck seine Forderung. Das Marburger Aktionsbündnis ging noch einen Schritt weiter und forderte, den gesamten Kongreß abzusagen. "Unser Protest richtet sich gegen den gesamten Kongreß", erklärte die Sprecherin Nora Nebenberg. In den sexistischen und homophoben Auswüchsen einzelner Referenten werde nur die Spitze des Eisberges gesehen. Es würden menschenverachtende Positionen unter dem Deckmantel der Meinungsvielfalt oder gar der Freiheit akzeptiert, wurde ferner erklärt und Detlef Bucholz zitiert,  der als Präsident der FH Frankfurt die Universität Marburg kritisierte. An der Universität Marburg, scheint man den Sinn der freiheitlich-demokratischen Grundordnung anders zu deuten", so Buchholz laut Nora Nebenberg.

Christl Vonholdt bietet in Marburg ein öffentliches Seminar über Identitätsentwicklung von Mädchen an. Vor diesem Hintergrund befragte die Oberhessische Presse die Medizinerin Dr. Christl Vonholdt zu den Vorwürfen und der Forderung, ihren Seminarvortrag abzusetzen. Das Interview erschien unter der Überschrift „Gegen jede Umdeutung von Ehe und Familie" in der Ausgabe vom 24.04.09.

"Warum und wie befassen Sie sich mir dem Thema Homosexualität?", so Anna Ntemiris von der Oberhessischen Presse (OP).

Vonholdt dazu: "Das 'Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft (DIJG)' ist ein wissenschaftliches Institut. Wir forschen und informieren unter anderem zu den Themen Identitätsentwicklung, Sexualität, Ehe und Familie. Zum Thema Homosexualität informieren wir über aktuelle wissenschaftliche Daten und therapeutische Erfahrungen bei ich-dystoner, das heißt ungewünschter, konflikthaft erlebter Homosexualität. Das DIJG ist ein Arbeitszweig einer ökumenischen Kommunität (Offensive Junger Christen, Fachverband im Diakonischen Werk der EKD), in der Menschen für kürzere oder längere Zeit mit uns gemeinsam leben können. So hat es sich ergeben, dass sich auch immer wieder Menschen an uns wenden, die unter ihren homosexuellen Empfindungen leiden und Veränderung suchen. In unserem Grundsatzstatement heißt es: 'Das DIJG respektiert die Würde, Autonomie und den freien Willen eines jeden Menschen. Homosexuell empfindende Menschen haben das Recht, eine homosexuelle Identität anzunehmen: sie haben aber ebenso das Recht, einen Weg der Veränderung zu gehen mit dem Ziel der Abnahme ihrer homosexuellen Impulse.'

Oft wenden sich Menschen, zum Beispiel verheiratete Männer, die ihre Familie nicht verlassen wollen, an uns, die schon bei Therapeuten waren und die genau wissen, was sie wollen und was nicht. Sie sagen: 'Der Therapeut meinte: 'Die Homosexualität müssen Sie als Ihren Lebensstil annehmen, da machen wir nichts.' Aber ich möchte nicht homosexuell leben. Ich habe es versucht, aber das ist nicht stimmig für mich. Können Sie mir weiterhelfen?' Meine leidvolle Erfahrung ist, dass es zu wenig Therapeuten gibt und es dringend mehr bräuchte, um Menschen, die sich eine Abnahme ihrer homosexuellen Empfindungen wünschen, fachgerecht zu begleiten.

Das Thema ist aber derart tabuisiert, dass Menschen oft keine Hilfe finden. Ich kenne Männer, die regelmäßig ins europäische Ausland fahren oder erfolgreich eine Telefontherapie mit kalifornischen Psychotherapeuten durchführen, weil sie in Deutschland keine Hilfe bekommen. Leidenden Menschen das Recht absprechen zu wollen, eine Therapie ihrer Wahl einzugehen und ein Therapieziel ihrer Wahl anzustreben, ist unsensibel und in hohem Maß diskriminierend, weil es sich über die klar formulierten Bedürfnisse von betroffenen Menschen hinwegsetzt.

Vonholdt auf die Frage "Kennen Sie Schwule und Lesben, die Ihre Überzeugungen respektieren, obwohl sie selber bewusst homosexuell leben?": "Ja. Ich möchte Ihnen ein Beispiel geben: Ein Mann, der den Wunsch hatte, aus einem homosexuellen Lebensstil auszusteigen, lebte etwa drei Monate gemeinsam mit uns in unserer Kommunität. Nach drei Monaten sagte er uns klar, dass er wieder in seine Stadt zurückgehen und homosexuell leben möchte. Wir verabschiedeten uns herzlich. Im Abschlussgespräch bedankte er sich und sagte auf die Frage, was ihm die Zeit hei uns bedeutet habe: „Bei euch habe ich meine Würde wiedergefunden."

Ein Vorwurf impliziere, dass Vonholdt gegen volle Bürgerrechte von Schwulen und Lesben sei, so die Oberhessische Presse. Auf die Frage, was sie zu diesen Behauptungen sage, erklärte  Vonholdt: "Das ist absurd. Wir nehmen niemandem seine Rechte und befürworten das auch nicht. Wir wenden uns allerdings gegen jede Umdeutung von Ehe und Familie. Ein Teil der Homosexuellenbewegung nennt das, „ihnen die vollen Bürgerrechte nehmen". Wir verstehen uns als eine Institution, die sich besonders für die Rechte und Bedürfnisse des Kindes einsetzt. Wir wenden uns nicht nur gegen die „homosexuelle Ehe und Familie", sondern auch gegen die polygame Ehe, die „Geschwisterehe" sowie gegen Formen bisexueller Ehe, wie sie bereits im Deutschen Bundestag in Debatten gefordert wurden.

In der Frage von Ehe und Familie geht es nämlich nicht zuerst um die 'Rechte' Erwachsener, sondern um die Rechte des Kindes, auch um das Recht des Kindes auf Vater und Mutter. Die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, das zeigen zahlreiche Studien, bietet die bestmöglichen Entwicklungschancen für ein Kind.

Wie keine andere Gemeinschaft überbrückt die Ehe den Graben zwischen den Geschlechtern und verbindet durch die zugehörige Familie die Generationen miteinander. Dadurch trägt sie in einzigarti﷓ger Weise zur Kohärenz, zum Zusammenhalt, zum Frieden und zur kulturellen Entwicklung einer Gesellschaft hei. Der Staat muss deshalb ein Interesse haben, der Ehe zwischen Mann und Frau eine rechtliche und öffentliche Vorrangstellung vor allen anderen privaten Lebensformen zu gehen. Die Umdeutung von Ehe und Familie ist kulturzerstörend.

"Über welches Thema werden Sie in Marburg sprechen?", so die nächste Frage. Vonholdt hierzu: "Über die Identitätsentwicklung des Mädchens und über sich dabei möglicherweise entwickelnde Probleme. Ein Schwerpunkt wird die frühkindliche Entwicklung sein sowie Erkenntnisse aus der modernen Bindungsforschung. Das Seminar ist öffentlich, jeder kann hören, was ich sagen werde und mit mir diskutieren."

Ntemiris beendete das Interview mit der Frage, was Vonholdt von der derzeitigen Diskussion über den APS-Kongress halte und warum das Thema derart hochkoche.  Die Entgegnung von Vonholdt: "Ich erlebe keine Diskussion, sondern lediglich diskriminierende Agitationsparolen, die den öffentlichen Diskurs über die wirklich wichtigen Fragen in unserem Land verhindern. Solche Fragen sind etwa: Wie geht eine freie Gesellschaft mit Menschen um, die unter ihren homosexuellen Empfindungen leiden? Was braucht unsere Gesellschaft, um zukunftsfähig zu bleiben? Wir sind in unserer Argumentation transparent und erwarten von einer offenen Gesellschaft, dass sie diskursfähig bleibt."

Die Erwartung von Christl Vonholdt, dass eine offene Gesellschaft diskursfähig bleiben muß, ist eine zentrale Forderung der Erklärung "Für Freiheit und Selbstbestimmung", die von mehr als 370 Bürgern und Personen des öffentlichen Lebens am 20.04.09 abgegeben wurde (MEDRUM vom 20.04.09). Sie setzt sich dafür ein, für den Kongreß in Marburg die Rede- und Wissenschaftsfreiheit zu gewährleisten.

ImageZu den prominenten Unterzeichnern gehört auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis (Bild links). Er hat sich in einem Interview mit der katholischen Zeitung "Die Tagespost" für die Freiheit der Rede- und Wissenschaft eingesetzt. Geis erklärte darin: "Das sind totalitäre Anwandlungen des Herrn Beck, denen man entgegentreten muss. Homosexuelle dürfen in keiner Weise diskriminiert werden. Natürlich können auch homosexuelle Menschen so leben, wie sie das wollen. Diese Freiheit wird aber keineswegs eingeschränkt, wenn Wissenschaftler ein wissenschaftlich fundiertes und therapeutisch motiviertes Gespräch über Homosexualität führen wollen. Diskussion ist nicht Diskriminierung."

Den Vergleich von Vorträgen dieses Fachkongresses mit antisemitischen Positionen durch Volker Beck nannte Geis "ungeheuerlich".