Ältestes Christliches Kloster der Türkei (gegr. 397 n. Chr.) durch Anklage bedroht


09.12.08

Ältestes Christliches Kloster der Türkei (gegr. 397 n. Chr.) durch Anklage bedroht

Hilfsappell des Bayerischen ZENTRUMS an Staatsregierung und die Parlamentarier Bayerns

(MEDRUM) Wie aus einer Pressemitteilung der Zentrumspartei Bayern vom 7. Dezember hervorgeht, ist das 1611 Jahre alte Kloster „Mor Gabriel" (Kloster von Qartmin), auch Sitz des syrisch-aramäischen Bischofs in der Südosttürkei, aktuell durch einen Prozess bedroht, der das Gemeindeleben der christlichen Ureinwohner in Südostanatolien beenden soll.

ImageAbtbischof Timotheos Samuel Aktas berichtete zufolge der Presseerklärung, dass das Kloster "Mor Gabriel" durch die moslemischen Bürgermeister der umliegenden Gemeinden vor dem zuständigen Verwaltungsgericht angeklagt wurde. Die Anklage wirft dem 397 gegründeten Kloster vor, sich widerrechtlich auf dem Land der Gemeinden angesiedelt zu haben. Die betroffenen Gemeinden wurden durch moslemische Einwanderer mehr als ein Jahrtausend später als das Kloster gegründet und befinden sich selbst heute auf Grund, der damals noch zum Kloster gehörte. Das Kloster Mor Gabriel" (Kloster von Qartmin) gehört zur syrisch-orthodoxen Kirche.

Das türkische Gericht hat nun die Verhandlungstage auf das Hochfest der Geburt Christi - Weihnachten - gelegt, wodurch die Teilnahme des Bischofs am Verfahren erschwert wird. Bereits 1980 wurde das Priesterseminar des Klosters gerichtlich geschlossen - bis heute dürfen in der Türkei keine christlichen Priester durch die christliche Urbevölkerung ausgebildet werden. Das jetzige Verfahren bedroht die Existenz des Klosters, das auch eine Schule für moslemische und christliche Kinder beherbergt und eine Krankenstation für alle Menschen der Umgebung betreibt. Nach der Mordnacht in Mor Gabriel von 1915, in der moslemische Kurden den Bischof, sowie Mönche und Nonnen des Klosters auf Veranlassung der osmanischen Regierung ermordeten und der Entführung des Abtes Daniel Savci in 2007, könnten die aktuellen juristischen Angriffe das endgültige Ende von mehr als 1800 Jahren christlichen Gemeindelebens in Südostanatolien bedeuten.

In der Presseerklärung des Landesverbandes Bayern der Zentrumspartei heißt es:

"Der Landesverband Bayern ruft die bayerische Staatsregierung sowie die Parlamentarier Bayerns dazu auf, ihren Einfluss geltend zu machen und sich für die die christlichen Ureinwohner und das Kloster Mor-Gabriel in der Türkei einzusetzen. Wir sind in schwerer Sorge um die türkischen Christen, die unter wachsendem und anscheinend durch den Staat geförderten Terror leiden. Erst vor wenigen Tagen hat der türkische Verteidigungsminister den Völkermord an den Armeniern 1915-1917 sowie die Ermordung und Vertreibung der seit Jahrtausenden ansässigen Griechen und Juden in der Türkei öffentlich gelobt (siehe Spiegel vom 11. November 2008). Er bezog sich implizit auch auf die Vorkommnisse im Jahr 1955: damals hatten sich die durch die türkische Regierung und radikale Moslems geförderten Aggressionen in Istanbul im sog. „Σεπτεμβριανά" - in der Literatur „Pogrom von Istanbul" genannt - (türk. „Eylül Olayları") entladen, dem ca. hunderttausend Christen und fast alle Juden in Istanbul zu Opfer fielen.

Auch mit Blick auf einen potentiellen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union fordern wir klare Zeichen von der türkischen Regierung, dass auch die Türkei in ihrem Land die freie Entfaltung und ein friedliches Zusammenleben aller Religionen und Volksgruppen zulässt und die Rechte aller ihrer Bürger, gleich welchen Glaubens, schützt."


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2. Das ZENTRUM ist fest entschlossen, christliche Grundsätze für Staat und Gesellschaft in der politischen Arbeit umzusetzen.
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5. Subsidiarität, Solidarität und das Gemeinwohl sind die Quellen der politischen Arbeit des ZENTRUMs.
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