Lieber Pascal, ja, die Aussage der Jugendlichen aus dem SWR-Beitrag über Wüstenstrom, die Sie zitieren, löst bei mir auch Entsetzen aus. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht in meinem - evangelikalen - Umfeld, dass sich so manch einer oder eine für ähnlich unsägliche Wortmeldungen entschuldigt hat, wenn er oder sie mit meiner Homosexualität konfrontiert wurde. Erst dann begann das Nachdenken, wenn das unheimliche Phänomen ein - noch dazu bekanntes - Gesicht bekam. Ein "Homo-Gen" gibt es nach heutigem Stand der Wissenschaft nicht. Eine anderslautende Studie von vor einigen Jahren wurde recht schnell und einfach widerlegt. Ich für mich habe entschieden, dass ich nicht schwul leben will. Als Jugendlicher dachte ich zuerst dank BRAVO & Co., schwul zu leben wäre ganz normal und ok, dann merkte ich, dass meine Gemeinde das anders sieht. Dadurch kam ich ins Nachdenken. Insofern hat mein christliches Umfeld eine Rolle gespielt. Aber das allein hätte mich nicht durchgetragen. Irgendwann kam ich zu dem Schluss, dass es um mich geht und es meine Verantwortung und meine Entscheidung ist, wie ich lebe. Heute spielen Begriffe wie Moral und Sünde in dieser Frage nicht die entscheidende Rolle für mich. Sondern die Frage: Wer bin ich? Was steckt in mir? Wie will ich leben? Und in den vergangenen gut 15 Jahren, seit ich mich mit dem Thema auseinandersetze, habe ich niemals Ablehnung oder Druck erlebt in meinem christlichen Umfeld. Viel Hilflosigkeit, ja, aber auch viel Verständnis und Ermutigung, gerade auch in Zeiten, in denen ich meine Homosexualität ausgelebt habe. Bei Wüstenstrom habe ich Seminare besucht und Beratung in Anspruch genommen und tue es noch und ich bin Gründungsmitglied des Freundschaftsnetzwerkes. Es tut mir gut, ich bin in Kontakt zu meinen Gefühlen gekommen, habe eine große Freiheit und Offenheit erlebt. Und es wurde mir klar, dass es keinen 10-Schritte-Plan zur Heterosexualität gibt, kein Heilungsgebet oder sonstwelche Quacksalbereien. Von Umpolung und Heilung spricht eigentlich nur die Schwulenbewegung, bei Wüstenstrom gibt es dies Begriffe nicht. Ich bin heute verheiratet und wir haben drei Kinder. Und ja, die Sexualität mit meiner Frau macht Spaß! :-) So manches, was ich heute schön finde, hat mich früher abgestoßen. Ich habe Respekt vor jedem, der seine Homosexualität auslebt und habe keinen Grund, sein Glücklichsein anzuzweifeln oder ihm seinen Glauben abzusprechen. Deshalb habe ich auch kein Problem mit der "HUK" oder mit "Zwischenraum". Aber diesen Respekt wünsche ich auch für mich und meinen Weg. Die Anfeindungen und teilweise Falschaussagen, die verbreitet werden, tun mir weh. Ich halte das aus, schließlich geht es um mein Leben und meine Entscheidungen. Aber ich wünsche mir, dass in unserer Gesellschaft Platz ist für unterschiedliche Meinungen und Lebensentwürfe und unterschiedliche Therapieangebote. Ich verstehe nicht, wovor manche Teile der Lesben- und Schwulenverbände eigentlich Angst haben. Wir tun Euch doch nichts! Ich bin jedenfalls dankbar für alle, die durch die Unterzeichnung dieser Erklärung ihre Solidarität bekunden, auch wenn ich nicht über jeden Satz darin nur glücklich bin. Ich freue mich über die Unterstützung, die ich endlich auch im großen Rahmen erlebe. Mit freundlichen Grüßen Thomas.
Lieber Pascal, ja, die
Lieber Pascal, ja, die Aussage der Jugendlichen aus dem SWR-Beitrag über Wüstenstrom, die Sie zitieren, löst bei mir auch Entsetzen aus. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht in meinem - evangelikalen - Umfeld, dass sich so manch einer oder eine für ähnlich unsägliche Wortmeldungen entschuldigt hat, wenn er oder sie mit meiner Homosexualität konfrontiert wurde. Erst dann begann das Nachdenken, wenn das unheimliche Phänomen ein - noch dazu bekanntes - Gesicht bekam. Ein "Homo-Gen" gibt es nach heutigem Stand der Wissenschaft nicht. Eine anderslautende Studie von vor einigen Jahren wurde recht schnell und einfach widerlegt. Ich für mich habe entschieden, dass ich nicht schwul leben will. Als Jugendlicher dachte ich zuerst dank BRAVO & Co., schwul zu leben wäre ganz normal und ok, dann merkte ich, dass meine Gemeinde das anders sieht. Dadurch kam ich ins Nachdenken. Insofern hat mein christliches Umfeld eine Rolle gespielt. Aber das allein hätte mich nicht durchgetragen. Irgendwann kam ich zu dem Schluss, dass es um mich geht und es meine Verantwortung und meine Entscheidung ist, wie ich lebe. Heute spielen Begriffe wie Moral und Sünde in dieser Frage nicht die entscheidende Rolle für mich. Sondern die Frage: Wer bin ich? Was steckt in mir? Wie will ich leben? Und in den vergangenen gut 15 Jahren, seit ich mich mit dem Thema auseinandersetze, habe ich niemals Ablehnung oder Druck erlebt in meinem christlichen Umfeld. Viel Hilflosigkeit, ja, aber auch viel Verständnis und Ermutigung, gerade auch in Zeiten, in denen ich meine Homosexualität ausgelebt habe. Bei Wüstenstrom habe ich Seminare besucht und Beratung in Anspruch genommen und tue es noch und ich bin Gründungsmitglied des Freundschaftsnetzwerkes. Es tut mir gut, ich bin in Kontakt zu meinen Gefühlen gekommen, habe eine große Freiheit und Offenheit erlebt. Und es wurde mir klar, dass es keinen 10-Schritte-Plan zur Heterosexualität gibt, kein Heilungsgebet oder sonstwelche Quacksalbereien. Von Umpolung und Heilung spricht eigentlich nur die Schwulenbewegung, bei Wüstenstrom gibt es dies Begriffe nicht. Ich bin heute verheiratet und wir haben drei Kinder. Und ja, die Sexualität mit meiner Frau macht Spaß! :-) So manches, was ich heute schön finde, hat mich früher abgestoßen. Ich habe Respekt vor jedem, der seine Homosexualität auslebt und habe keinen Grund, sein Glücklichsein anzuzweifeln oder ihm seinen Glauben abzusprechen. Deshalb habe ich auch kein Problem mit der "HUK" oder mit "Zwischenraum". Aber diesen Respekt wünsche ich auch für mich und meinen Weg. Die Anfeindungen und teilweise Falschaussagen, die verbreitet werden, tun mir weh. Ich halte das aus, schließlich geht es um mein Leben und meine Entscheidungen. Aber ich wünsche mir, dass in unserer Gesellschaft Platz ist für unterschiedliche Meinungen und Lebensentwürfe und unterschiedliche Therapieangebote. Ich verstehe nicht, wovor manche Teile der Lesben- und Schwulenverbände eigentlich Angst haben. Wir tun Euch doch nichts! Ich bin jedenfalls dankbar für alle, die durch die Unterzeichnung dieser Erklärung ihre Solidarität bekunden, auch wenn ich nicht über jeden Satz darin nur glücklich bin. Ich freue mich über die Unterstützung, die ich endlich auch im großen Rahmen erlebe. Mit freundlichen Grüßen Thomas.